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Autoklassiker: Opel Senator A: Senator Lounge

Der Senator war Opels bislang letzter Ausflug in die Oberklasse. Mit flauschigem Velours und viel falschem Holz wirkt er heute spießig. Doch in den 70ern boten nur wenige soviel Gemütlichkeit.

Früher hatten viele Familien eine "gute Stube" in der Wohnung. Dort gab es nur die besten Möbel, bevorzugt in Gelsenkirchener Barock. Alles wurde mit Tagesdeckchen und Tüchern abgedeckt, um jedes noch so kleine Stäubchen abzuwehren. Erst wenn am heiligen Sonntag Tante Erna oder Onkel Ludwig zu Besuch kamen, wurde die gute Stube aufgeschlossen und für ein paar Stunden ihrer Bestimmung übergeben. Auch unser Fotomodell namens Opel Senator ist so eine gute Stube: Das Interieur wirkt frisch wie am ersten Tag, die grünen Kunststoffe makellos und die Teppiche flauschig wie ein Federbett.

Bei den Sitzen hat man Loriot vor Augen, wie er auf seinem Sofa thront und mit herrlich gestelzten Worten den nächsten Sketch ankündigt. Die Holzfolie am Armaturenbrett und in den Türen sorgt für das besondere Plus an Gemütlichkeit, das man in den 70ern offenbar sehr schätzte und der Zigarettenanzünder scheint nie benutzt worden zu sein.

Der Kilometer zeigt eine angesichts des Wagenzustands glaubhafte 54.257. Dabei hat der Wagen aus Opels Traditionswerkstatt schon vier Jahrzehnte auf dem Buckel – sein unbekannter Vorbesitzer hat ihn wahrscheinlich nur zum Sonntagsausflug aus der Garage geholt.

Beim Start zeigt sich der 2,8-Liter Sechszylinder unter der Haube etwas unwirsch, läuft aber schnell rund und treibt mit 140 PS den gerade mal 1,4 Tonnen schweren Wagen kraftvoll an. Wie es sich für einen gemütlichen Cruiser gehört, sorgt nicht etwa ein Schaltgetriebe für die Kraftübertragung, sondern eine Dreigang-Automatik. Von 0 auf 100 km/h vergehen 12,5 lange Sekunden. Vollgasfahrten sind ohnehin nicht empfehlenswert, denn der Senator mit Automat ist ausgesprochen durstig. 1981 wurde der 2,8-Liter-Sechser durch eine 2,5-Liter-Maschine mit Benzineinspritzung und 136 PS ersetzt. Die war zwar nicht schneller, aber etwas sparsamer.

Probier's mal mit Gemütlichkeit

Die Produktion des Senator startete 1978 parallel mit der des Opel Monza. Der Senator sollte in die großen Fußstapfen der K-A-D-Reihe (Kapitän, Admiral, Diplomat) treten, das Kombi-Coupé Monza war als elegantes Gegenstück zur Limousine gedacht. Im Gegensatz zu den Admiralen und Diplomaten mit ihren eigenständigen, wuchtigen Karossen waren Senator und Monza vom Mittelklassewagen Opel Rekord abgeleitet.

Vom Ami-Flair der KAD-Modelle war beim Senator nicht viel übrig geblieben, was aber auch kaum verwunderte: Die Ölkrise von 1973 hatte die Hersteller sehr vorsichtig gemacht und große V8-Schlitten standen nicht gerade oben auf der Agenda. Die zweite Ölkrise von 1979 gab den Rüsselsheimern Recht.

So blieb die stärkste Motorisierung für den ersten Senator ein Dreiliter-Sechszylinder mit 150 PS (mit Vergaser) beziehungsweise 180 PS (als Einspritzer). Die Einspritzer-Version verhalf dem großen Rüsselsheimer zu ansehnlichen Fahrleistungen. Von 0 auf 100 km/h vergingen 9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 210 km/h. Damit war der Senator immerhin schneller unterwegs als ein Ford Granada 2.8i oder Mercedes 280 SE und lag gleichauf mit dem BMW 733i.

Auch bei den Preisen wollte Opel in die Oberklasse vorstoßen. Das Top-Modell Senator CD mit Dreiliter-Einspritzer kostete 1979 fast 39.000 D-Mark, keine 2000 Mark weniger als 7er BMW oder S-Klasse mit vergleichbaren Motoren.

Lieber Omega als Senator

Zu diesem Anspruch mochte die enge Verwandtschaft mit dem Mittelklässler Rekord freilich nicht recht passen. Große Unterschiede gab es lediglich in der Frontpartie, der Motorenpalette und der Radaufhängung. Während der Rekord mit einer Starrachse über Bodenwellen holperte, kamen Senator und Monza in den Genuss einer Schräglenker-Hinterachse, was für eine bessere Führung der Hinterräder in der Kurve sorgte. Noch heute fährt sich der pensionierte Senator alles andere als holprig oder schwammig.

Nach der ersten Serie (A1) folgte 1983 die zweite (A2), bei der es abgesehen von ein paar Retuschen kaum Änderungen gab. Ein Vierzylinder mit 110 PS rundete die Motorenpalette nach unten ab. 1984 kam die erste Version mit 2,3-Liter Turbodiesel, darunter waren einige Exemplare namens TDX: Statt des Abgasturboladers wie beim TD sorgte dort ein Comprexlader für Power. Der sprach schneller als die damals üblichen Lader, die noch ein gewaltiges Turboloch verursachten. Er war aber auch teurer in der Konstruktion, zeigte sich empfindlich gegen Störungen und trieb den Verbrauch in die Höhe.

Von 1978 bis 1986 wurde der Opel Senator rund 130.000-mal gebaut. Der Senator B kam 1987 auf den Markt, blieb aber ohne Nachfolger – auch er konnte sich in der Oberklasse nicht gegen Mercedes und Co. durchsetzen. Stattdessen baute Opel den Omega mit vielen Extras und starken Motoren zum Top-Modell der Marke aus und konzentrierte sich auf die wahren Geldbringer des Konzerns: Corsa, Kadett und Vectra.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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