BMW X6 Sportlich in die Schlammschlacht


Mit Superlativen ist man bei BMW derzeit recht spendabel. Besonders, wenn es um die Schaffung eines neuen Fahrzeugsegments geht, an dem sich angeblich bislang kein anderer Hersteller versucht hat.
Von Michael Specht

Schon im ersten Absatz des Pressetextes über den neuen X6 taucht das Wort "einzigartig" gleich drei Mal auf. Von einem "einzigartigen" Designkonzept, "einzigartigen" Coupé und "einzigartigen" Fahreigenschaften ist die Rede. Zumindest beim Konzept, einen Geländewagen mit einem Coupé zu kreuzen, könnten Kritiker einwerfen: Alles schon mal dagewesen. Der koreanische Autobauer Ssangyong schuf 2005 mit dem Actyon ein viertüriges Gelände-Coupé und nennt es Sport Utility Coupé (SUC).

Noch früher gab es eine ähnliche Idee bei General Motors, auch wenn diese zu einem katastrophalen Ergebnis führte. GM verschreckte 2001 das Publikum mit dem Pontiac Aztek. Der Wagen geriet so unproportioniert und hässlich, dass ihn angeblich Hunde anbellten und Mitarbeiter angehalten worden sein sollen, das Auto zu fahren, damit nicht so viele davon auf dem Fabrikgelände standen. Nach knapp vier Jahren stellte GM den Aztek ein. So wird es im Falles des X6 mutmaßlich nicht kommen. Auch wenn viele in dem Wagen die Antwort auf eine nie gestellte Frage sehen, vor Bestellungen können sich die Händler angeblich kaum retten. Dies, obwohl die Preise ziemlich happig sind: sie beginnen bei 55.800 Euro. "Für dieses Jahr sind wir ausgebucht", sagt Produktmanager Clemens Zimmermann. Schon auf der Automesse IAA 2007 in Frankfurt, als der X6 noch als Studie galt, seien Leute mit dem Scheckbuch gekommen.

Verblüffende Agilität

Liegen könnte dies unter anderem an der Optik. Der X6 wirkt durch das hinten abfallende Dach längst nicht so wuchtig wie sein Bruder X5, obwohl er fast dessen Maße besitzt. Pierre Leclerq, zuständig für das Außendesign des X6, hält das Auto gar für "sehr sexy". Und Produkt-Manager Zimmermann ist sich sicher, dass der X6 auch vielen Frauen gefallen wird. Mami könnte ihren Nachwuchs nicht nur morgens an der Schule absetzen, sondern danach auch mit Freundinnen zum Golfen fahren. Denn trotz des schrägen Daches sitzen Erwachsene hinten überraschend bequem, Beine und Kopf stoßen nirgends an. Und auch im Kofferraum gibt es reichlich Platz: 570 Liter. Ein Wert, den selbst manche Oberklassen-Limousinen nicht erreichen. Schätzen dürften Frauen sowohl die hohe Sitzposition im X6 als auch den handlichen Umgang mit dem über zwei Tonnen schweren Brocken. Der schräge Typ fühlt sich erheblich leichter an als er ist - er wiegt leer zwei Tonnen.

Um das Gewicht sozusagen unspürbar zu machen griffen die Ingenieure tief in die Trickkiste und konstruierten einen "einzigartigen" elektronischen Allradantrieb, der die Kräfte nicht nur nach vorn und hinten schickt, sondern an der Hinterachse auch verschieden stark aufs linke und rechte Rad, je nach Bedarf und Fahrsituation. BMW nennt diese Technik "Dynamic Performance Control", Sie verleiht dem X6 eine verblüffende Agilität. Mancher Sportwagen zieht nicht flotter durch die Kurve. Nachhaltig unterstützt wird der Fahrspaß durch potente Motoren. Allen voran der komplett neu konstruierte Achtzylinder-Turbobenziner im 50i, "einzigartig" in seiner Bauweise. Aus 4,4 Liter Hubraum holt das Hightechklotz 407 PS und entlässt einen Sound aus zwei etwas zu dicken Endrohren, wie man ihn sonst nur von alten amerikanischen Achtzylindern her kennt. Ab Herbst wird dieser Motor auch den neuen Siebener antreiben.

Die Vernunftlösung in Deutschland heißt natürlich Diesel. Hier bietet BMW im X6 zwei Varianten an, den 30d (235 PS) und den 35d (286 PS). Nach der EU-Verbrauchsnorm sollen sie nur 8,2 und 8,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Diese Zahlen sind ein weiterer Superlativ, denn einen sparsameren Geländewagen gibt es in dieser Klasse nicht - jedenfalls auf dem Papier.


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