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Chrysler Sebring Cabrio 2.7: Murks mit American Style

Dach öffnen, Tempomat einstellen und der Sonne entgegen - das ist der American Way of Drive. Direkt danach könnte im Lexikon gleich das Sebring Cabrio stehen. Doch im Test offenbart es seine Schattenseiten.

Stoff oder Stahl? Beim Sebring ist diese Entscheidung reine Geschmackssache, denn Chrysler bietet beides an. Die meisten Kunden entscheiden sich für das Stahldach, denn es gewährt auch in Herbst und Winter viel Komfort. Mit geschlossenem Verdeck wird der Sebring zum vollwertigen Coupé, und selbst bei hohem Tempo bleibt es leise im Cockpit. Der Wagen bietet vier Personen bequem Platz. Nur bei geschlossenem Dach gibt es hinten etwas wenig Kopffreiheit. Im Cabrio-Modus halten sich die Luftverwirbelungen in Grenzen, doch das Geflatter an den Gurten zehrt etwas an den Nerven. Das elektrische Dach lässt sich nur im Stand bedienen.

Das Kofferraumvolumen ist mit 371 Litern bei geschlossenem Verdeck ordentlich, aber an der schweren und hohen Heckklappe ohne Griffmulde werden kleine und schwächere Personen keine Freude haben.

Platz hat man zwar reichlich in dem großen Amerikaner und man kann sich schön bequem in die breiten Sitze lümmeln. Doch im Detail entdecken Liebhaber von Premiumautos viel Verbesserungswürdiges. Ungleiche Spaltmaße am Handschuhfachdeckel, ein schwergängiger Blinkerhebel oder die teilweise billig wirkenden Kunststoffflächen hinterlassen einen faden Beigeschmack.

Automatik-V6 passt besser zum Cruisen

Auch bei der Bedienung zeigt der Chrysler Schwächen. Beim Tempomat kann man nirgendwo ablesen, welche Geschwindigkeit gerade eingestellt ist. Und den Bordcomputer muss man umständlich mit Tasten an der Mittelkonsole verstellen. Das Navigationssystem ist schön bunt und hat viele Funktionen - doch bei den wichtigsten Eigenschaften hapert es: Die großen Sprünge der Zoom-Funktion vermasseln einem zu oft den besten Überblick über die Route und das Kartenmaterial erwies sich während unserer Testphase als veraltet.

Als Motorisierung stehen der Zweiliter-Diesel mit 140 PS und Sechsgangschaltung oder ein Sechszylinder mit 2,7 Litern Hubraum, 186 PS und Automatikgetriebe zur Verfügung. Der Vierzylinder-Diesel wird wegen der akzeptablen Verbrauchswerte gern genommen - doch eigentlich passt der V6 mit Automatik besser zum Charakter des Ami-Cruisers.

Das Aggregat röhrt schön kraftvoll beim Gasgeben und für schubstarke Zwischenspurts stehen genügend Hubraum und Drehmoment zur Verfügung. Für die Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h benötigt der 1,8 Tonnen schwere Kreuzer allerdings reichlich Anlauf.

Auch von unten heraus geht es ziemlich behäbig zu - 10,3 Sekunden braucht der Sebring, bis die Tachonadel an der 100 kratzt. Wenn man es eilig hat, pfuscht man der etwas trägen Sechsstufen-Automatik gern im manuellen Modus ins Handwerk.

Den Durchschnittsverbrauch gibt Chrysler mit 10,5 Litern Super an, außerorts mit 7,7 Litern. Letzteres ist sogar machbar - wenn man den Tempomat bei den USA-üblichen 75 Meilen (120 km/h) festzurrt, die Schwiegermutter vom Rücksitz verbannt und jede Fliege auf der Haube entfernt, damit sie einem nicht die Aerodynamik versaut. Realistisch ist ein Verbrauch um 9 Liter auf der Autobahn und 11 bis 12 Liter im Drittelmix.

Der Preis ist immer noch heiß

Das Fahrwerk des Sebring ist komfortbetont ausgelegt und in Kurven wankt der Wagen ein wenig zur Seite. Doch insgesamt bleibt der Chrysler gutmütig und vermittelt auch bei forscherer Gangart ein sicheres Fahrgefühl.

Ein unschlagbares Argument für den Sebring ist immer noch sein Preis: Das offene US-Vergnügen startet schon bei 29.990 Euro. Für ein in der Größe vergleichbares Cabrio muss man bei der Konkurrenz meistens mehr hinlegen. Beim Volvo C70 zum Beispiel läuft unter 34.840 Euro gar nichts. Saab ruft für das 9-3 Cabrio mindestens 34.700 Euro auf (Turbo-Benziner, 150 PS), ein offener Audi A4 will mit 35.250 Euro bezahlt werden (1.8 Turbo, 163 PS). Den VW Eos gibt es immerhin schon für 27.150 Euro - allerdings nur mit einem 122 PS-Benziner und magerer Ausstattung.

Beim Sebring kommt man schon beim Basismodell Touring 2.0 CRD in den Genuss einer ansehnlichen Ausstattung (unter anderem ESP, Nebelscheinwerfer, Reifendruckkontrolle, elektrische Außenspiegel, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Tempomat und Klimaautomatik). Das von uns getestete Top-Modell Limited 2.7 AT für 38.610 Euro hatte dazu noch ein Audio-System für CD und DVD mit sechs Lautsprechern, Lederpolsterung mit Sitzheizung, elektrisches Stahlverdeck, kühl- und beheizbare Getränkehalter, Windschott und ein paar andere Dinge an Bord.

Die Aufpreisliste enthält dann nur noch den Metalliclack und das bedingt empfehlenswerte Festplatten-Navigationssystem für 1670 Euro.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.