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Dodge Caliber 2.0 Turbodiesel: Rambos Rodeo

Sei ein Kerl! Schwitze, zeige Muskeln, packe das Leben bei den Hörnern! Wenn dein Diesel dröhnt, träumst du vom Rodeo. Der Caliber bedient das Testosteron im Mann und ist dabei günstig und praktisch.

Ein Caliber beweist, Liebe wirkt auf den ersten Blick. Kantig, kräftig mit einem Grill wie das Fadenkreuz eines Apache, wirft der Dodge jede Menge Bulligkeit in die Waagschale. Woanders müsste man für diese Männlichkeit in Blech sehr viel mehr bezahlen. Wenn es gleich gefunkt hat, kann man gut mit den Schattenseiten des Kompakt-Rambo leben. Derjenige, den Blechkleid und Cowboy-Image nicht ansprechen, wird allerdings wenig Gründe finden, um ausgerechnet im Caliber durch die Gegend zu gondeln.

Pack das Leben bei den Hörnern, so tönt die Marke. Den meisten bekannt durch den legendären Dodge Charger in der TV-Serie "The Dukes of Hazard." Werbermund tut Wahrheit kund, zumindest ein wenig. Dodge ist demnach die Marke für juvenile Rabauken und halbgare College-Absolventen. Neue Modelle werden auf Messen nicht von engelsgleichen Wesen in Abendkleidern enthüllt, sondern von strammen Girls in Brachial-Leder. Sie treffen ziemlich genau die Mitternachtsfantasien von pubertierenden "Marylyn Mansion"-Fans. Freunde distinguierter Lebensart haben damit nichts am Hut.

Dabei ist der Caliber kein Muscel-Car sondern ein verlängerter Kompakter. Er schnaubt aber mit seiner mächtigen Front mächtig los und das zu minimalen Preisen. Mehr PS gibt sonst nicht fürs Geld. Die Formsprache liegt voll im Trend, der Caliber ist ein echter Crossover, der den Sinn fürs Praktische und Bezahlbare behält und dennoch nicht nach Reihenhaus ausschaut.

Kein Blatt vor dem Mund

Das zupackende Leben an Bord ist vor allem eins: laut. Die sonst übliche Dämmung muss auf dem Weg von den USA nach Europa irgendwo verloren gegangen sein. Das Dieseltriebwerk röhrt und schnauft, wie man es beim Rodeo erwarten kann. Immerhin packen 320 Nm ruppig zu, domestiziert wurde das Fahrwerk jedenfalls nicht. Tritt der Stiefel das Gaspedal durch, brechen selbst auf gerader Strecke die Vorderräder aus. Jippie! Beim Dodge muss der Mann eben die Zügel in der Hand halten. Wer möchte, kann man sich über diese Unsitten beklagen, die meisten Kunden werden die Probleme des Fahrwerks mit "Kraft und Saft" verwechseln und glücklich sein. Die Caliber-Lenkung ist alles andere als direkt und messerscharf und kommt mit den Leistungen der europäischen Konkurrenz generell nicht mit. Rallyepiloten mögen traurig sein, doch eigentlich walzt der Caliber brav in die Richtung, die man ihm weist. Die Federung hingegen ist eher europäisch, allzu gemütliches Geschwanke muss man nicht erdulden. Mit der 6-Gang-Handschaltung kommt der Diesel auf 196 km/h, der Verbrauch soll nur 6,1 Liter auf 100 km betragen.

Den Strapazen gewachsen

Der Innenraum spricht mit gewagten Farbspielen die Zielgruppe "Junger Mann mit Muskelshirt" an, neben den grellen Applikationen herrscht die bei Chrysler übliche Overkill-Dosis Kunststoff. Gut fühlt sich das nicht unbedingt an, selbst das Material eines Ford Focus wirkt im Vergleich wie ein Schmusetier. Aber warum meckern? Das Zeug wirkt solide und unverwüstlich und dürfte auch eine Dusche mit dem Allzeckreiniger nicht übelnehmen. Das Lederlenkrad liegt angenehm in der Hand, die Rundumsicht leidet nicht unter der flachen Kanzel und die Sitze sind geradezu sportlich geformt. Das Handschuhfach kühlt bis zu vier Getränkeflaschen, so etwas ist doch wichtiger! Die Cupholder schlucken einen tüchtigen Becher, dank Leuchtring sind sie nicht zu verfehlen. Dazu gibt es lustige Goodis. Die hintere Dachleuchte kann man herausnehmen und als Taschenlampe benutzen. Gegen Aufpreis lässt sich die Lautsprecher-Einheit aus der Heckklappe kippen und zur Strandbeschallung verwenden. Nach der Party funktioniert auch das Umklappen der Sitze tadellos. Der Caliber-Fahrer wird es zu nutzen wissen.

Wer einen dezenten Hinweis auf seine Virilität schätzt, ist mit dem Caliber nicht schlecht bedient. Der Wagen fällt auf, besitzt keine wirkliche Nachteile. Ach ja, einen echt heißen Dodge -Driver kennt jeder: Al Bundy schwört auf die Marke.

Von Gernot Kramper
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.