VG-Wort Pixel

Elektroauto: Nachladen auf Bestellung I\'m walking

Nio Nachladen
Nio Nachladen
© press-inform - das Pressebuero
Der Aral-TV-Spot "I\'m walking" von einem liegengebliebenen Autofahrer, der mit dem leeren Ersatzkanister gerne noch etwas länger läuft, um seine Lieblingstankstelle zu finden, wurde Anfang der 1990er Jahre zur Werbelegende. Doch was ist, wenn man mit dem Elektroauto auf der Strecke bleibt?

Wenn der Akku keinen Ton mehr von sich gibt, die Anzeigen dunkel bleiben und das neue Elektroauto keinen Meter mehr Richtung Ziel rollt, bleiben einem nicht viele Möglichkeiten. Die einfachste ist, dass man den Servicedienste des Autoherstellers oder eines Automobilclubs anruft und sich am Pannenort abschleppen lässt. Mit einem Überbrückungskabel wie bei einem Verbrenner ist es jedoch nicht getan, denn die Batterie muss nicht nur kurz angeladen werden und die Lichtmaschine übernimmt als Generator den Rest, sondern das Akkupaket muss nennenswert aufgeladen werden. Wenn das eigene Elektroauto nicht mehr zuckt, heißt das übrigens nicht, dass sich die Batterie vollends entleert hat. Vielmehr sorgt die intelligente Ladetechnik der Akkus dafür, dass die Zellen einen kleinen Energiegehalt von fünf bis zehn Prozent behalten, damit es nicht zu einer echten Tiefenentladung kommt, die teuer werden könnte.

Doch die Batterietechnik verhindert eben auch, dass man mit den restlichen Prozent im Akku noch weiterfahren kann. Insofern zeigt die Anzeige im Kombiinstrument, egal ob Restreichweite oder Prozentangabe, nicht die echte Akkukapazität an, sondern jene, die der Fahrer noch real nutzen kann. Ändert unter dem Strich jedoch nichts daran, dass man liegengeblieben ist und nunmehr auf den Hänger oder den Transporter muss, denn anders lässt sich ein Elektroauto nicht abschleppen. Die kurze Fahrt führt einen zum Vertragshänger oder zur nächsten Schnellladesäule - und nach der überfälligen Vitaminspritze geht es hoffentlich weiter ans Ziel.

Eine andere Möglichkeit sind die mobile Nachladedienste, die in Europa nicht derart verbreitet sind wie in den USA. Hier haben diese schon deshalb Tradition, da es bereits seit längerem Firmen gibt, die bei einem leeren Kraftstofftank zum Nachfüllen kamen. Wen es nervt, zur Tankstelle zu fahren, kann gerade in den USA einen Tankdienst rufen und die füllen das eigene Fahrzeug mit dem Wunschkraftstoff ab, ohne dass man einen Finger rühren muss. Ganz ähnlich sieht es mit dem Nachladen auf Bestellung aus. Unternehmen wie eTree bieten einen Service an, der das eigene Elektroauto am Ort meiner Wahl auflädt. Die Servicefahrzeuge sind dazu mit Energiespeichern und entsprechender Schnellladetechnik ausgestattet. Der Service selbst lässt sich jederzeit per App oder Anruf anfordern. Praktisch: über die eTree-App soll die Ladeklappe des Elektrofahrzeugs sicher geöffnet werden können, um den Ladeservice ohne Anwesenheit des Fahrzeugnutzers zu ermöglichen.

Die Servicefahrzeuge selbst sind nicht nur elektrisch angetrieben, sondern überaus kompakt, um überall tätig werden zu können. Dank einer überschaubaren Breite von gerade einmal 1,40 Metern können die Modelle mit ihren verschiedene Ladeanschlüssen selbst auf engen Gehwegen parken, um das leere Elektroauto wieder zum Leben zu erwecken. Nachgetankt werden kann mit bis zu 150 kW mit allen üblichen Steckern. BMW hat seinen eigenen speziell für den i3 entwickelten mobilen Nachladedienst mittlerweile wieder eingestellt und die meisten anderen Hersteller verweisen bei leeren Akkus allein auf die Serviceangebote ihrer Mobilitätsgarantien. Anders sieht es beim chinesischen Elektropionier Nio aus. Hier kann die leere Batterie nicht nur an einer der Stationen gewechselt werden. Geht einem der Nio-Modelle einmal die Kraft aus, kommt der Service zu Hilfe. Mit einem Klick in der Nio-App kommt das Power Mobile Servicefahrzeug zu Ihnen und lädt das Auto an Ort und Stelle auf. In zehn Minuten sind bis zu 100 Kilometer drin.

Einen anderen Weg geht das amerikanische Unternehmen Spark Charge, das mobile Nachladegeräte mit dem Namen "Roadie" anbietet. Das 23 Kilogramm schwere Ladepaket findet daheim aufgeladen entweder im Kofferraum oder am Ferienhaus ohne externen Stromanschluss seinen Platz. Mehrere Pakete können auf Wunsch zusammengeschaltet werden und das eigene Elektroauto erstarkt so über CCS- oder CHAdeMO-Stecker in 15 Minuten für die nächsten 20 Kilometer. Wer das Ganze nicht selbst machen möchte, kann das eigene Elektroauto vor der Tür beim Einkaufen oder dem Restaurant auch vom Spark Charge Service namens "Currently" nachtanken lassen - für 25 US-Dollar. Zum Start ist dieser Service zumindest in den US-Metropolen Los Angeles, San Francisco, Dallas und San Jose verfügbar - weitere Regionen sollen folgen. "Spark Charge begann in einem Schlafsaal und hat sich zu einem führenden Unternehmen entwickelt", erzählt Josh Aviv, "als der Roadie marktreif war, gab es eine enorme Nachfrage der Verbraucher nach einem mobilen Ladegerät. Also schufen wir das weltweit erste und einzige mobile Ladenetzwerk. Mit dieser Smartphone-App können Elektroautofahrer die Lieferung direkt in ihr Auto bestellen."

Einen ähnlichen Dienst bietet seit rund einem Jahr die Firma Lightning Systems an. Der US-Entwickler von emissionsfreien Antrieben hat mit Lightning Mobile mittlerweile ein mobiles Gleichstrom-Schnellladegerät für Elektrofahrzeuge im Angebot. Bisher baute Lightning Systems Fahrzeuge wie den Ford E-450 oder einen Isuzu FTR vom Verbrenner auf Elektroantriebe um. Jetzt geht die Firma aus Loveland / Colorado einen Schritt weiter und hat einen Ford Transit mit flüssigkeitsgekühltem Gleichstrombatteriespeicher aufgebaut. Das 184-kWh-Akkupaket kann in nahezu jedem beliebigen Transporter oder Anhänger für den mobilen Einsatz eingebaut werden. So können speziell Flottenkunden die leeren Akkupakete ihrer Fahrzeuge am Straßenrand nachladen lassen. "Jede Flotte mit elektrischen Nutzfahrzeugen wird vom mobilen Schnellladen profitieren", sagt Tim Reeser, CEO von Lightning Systems, "die Betriebszeit ist das A und O für Flotten. Die Betreiber planen zwar den Einsatz der Fahrzeuge so, dass sie in den Depots aufgeladen werden, aber es besteht immer die Möglichkeit, dass ein Fahrzeug an einem anderen Ort oder unterwegs aufgeladen werden muss. Oft besteht auch der Bedarf an DC-Schnellladung an Orten oder zu Zeiten, die nicht erlaubt sind oder wo die Nachfrage ein schnelles Laden direkt am Netz nicht zulässt."

pressinform

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker