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Fahrbericht: Mercedes SLK 350: Scharf gemacht

Man muss ihm schon tief in die Augen schauen, um seinen neuen Charme zu entdecken. Der Mercedes SLK des Jahres 2008 präsentiert sich dezent gestählt und facegeliftet. Beim Fahren sieht das ganz anders aus.

Das Plus an Fahrspaß hat nichts mit dem neuen Drei-Speichen-Lenkrad zu tun. Aber mit dem, was dahinter steckt: Eine neu entwickelte Direktlenkung und eine Leistungsspritze für den Motor bringen mehr Freude ins aufgehübschte SLK-Volant.

Dass sich in der Roadsterlenkung einiges getan hat, merkt man schon beim zweiten Lenkeinschlag. Dank variabler Übersetzung zieht sich der SLK bei einer viertel Lenkraddrehung in die Kurve wie um eine Slalomstange. Auf gerader Strecke und bei leichten Lenkeinschlägen ist die Übersetzung dagegen unverändert. Anders als die technisch sehr aufwändige Aktiv-Steuerung der Münchner Konkurrenz arbeitet in der neuen Direktlenkung des 4,10 Meter langen SLK keinerlei Elektronik, sondern eine geänderte Zahnstange mit variabler Verzahnung.

"Die Technik ist genial einfach und ungemein effektiv", sagt Jürgen Weissinger. Er ist im Hause Mercedes für die SLK-Produktreih verantwortlich. "Der neue SLK fährt sich so deutlich dynamischer, ohne auf der Autobahn nervös zu werden."

350er Sportversion

Wer die Dynamik liebt und die Sportskanonen SLK 55 AMG und SLK 350 um enge Kehren zirkeln möchte, dürfte sich aber noch etwas mehr Bissigkeit und Dynamik wünschen. Doch bei einem SLK, der auch bei älteren Kunden und Fahrerinnen punkten möchte, ist die gemäßigte Auslegung sinnvoll. Geradezu unverzichtbar wäre jedoch, wenn der überarbeitete SLK das sportliche Dynamik-Steuerrad serienmäßig anbieten würde. Unverständlich, wieso die spürbarste Überarbeitung einen ärgerlichen Aufpreis von satten 315 Euro verlangt.

Die meisten der SLK-Kunden entscheiden sich für die bodenständige Vierzylinder-Kompressorversion, dessen 1,8 Liter großer Vierzylinder im neuen Modelljahr eine Leistungsspritze auf 135 kW/184 PS bekam. Allemal genug, um mit dem SLK offen wie geschlossen seinen Spaß zu haben.

So richtig Freude kommt jedoch mit dem 1,5 Tonnen schweren SLK 350 auf, dessen Namenszusatz "Sportmotor" durchaus Erwartungen weckt. Turboaufladung und Direkteinspritzung blieben bei der SLK-Modellpflege jedoch außen vor. Doch durch geänderte Kolben, eine neue Motorelektronik und eine höhere Verdichtung glänzt der 3,5 Liter große V6 nunmehr mit stattlich grollenden 224 kW/305 PS. Gerade im oberen Drehzahlbereich präsentiert sich der überarbeitete Sechszylinder damit deutlich sportlicher als bisher.

Wer will, kann die Gänge statt bis 6.800 nun bis 7.200 Touren ausdrehen. Dabei haben sich durch das Engagement der Mercedes-Ingenieure nicht nur die Fahrleistungen in die Höhe geschraubt. Wichtiger als der Spurt 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden, ein Drehmoment von 360 Nm bei 4.900 U/min und 250 km/h Spitze dürfte der deutlich reduzierte Durchschnittsverbrauch von 9,2 bis 9,5 Litern Super auf 100 Kilometern sein.

Mehr "Schwabendrive"

Auch wenn es im Hause Mercedes-Benz niemand offen ausspricht: Der erfolgreiche SLK war vielen gegen die Konkurrenz aus Audi TT, Porsche Boxster, BMW Z4 und Nissan 350Z Roadster eine Nummer zu brav. Auch das wurde bei der Modellpflege behutsam nachjustiert. Selbst wenn der SLK in der Roadstergemeinde ein Everybody’s Darling mit Cruiserqualitäten bleiben wird, kann sich die Verbesserung sehen und erfahren lassen.

Dass die optischen Überarbeitungen mit der markanteren Pfeilung, neuen Außenspiegeln und einer geänderten Heckschürze recht karg augefalle sind, mag angesichts der SLK-Kundschaft kaum überraschen. Der SLK ist ein begehrten Zweitwagen und der standesgemäße Traum von Zahnarztfrauen und Boutiquenbesitzerinnen.

Stattlich präsentiert sich auch weiterhin die Preisstruktur. Der handgeschaltete SLK 350 kostet bereits in trostloser Magerausstattung 46.975 Euro. Dass Selbstverständlichkeiten wie eine Klimaautomatik, anklappbare Außenspiegel und ein Regensensor in diesem Umfeld Aufpreis kosten, ist frech. Wer sich für Automatikgetriebe, beheizte Ledersitze, Xenonlicht und das neue Navigationssystem entscheidet, muss sich auf einen Preis von rund 55.000 Euro einstellen.

Und auch, dass bei einem solchen Roadster das vollelektrische Dach nur bis zu einer müden Geschwindigkeit von 7 km/h öffnet und ein schlüsselloser Zugang nicht mal gegen Aufpreis zu bekommen ist, erscheint wenig zeitgemäß.

Immerhin: gegen 130 Euro gibt es eine Fernbedienung für das Variodach.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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