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Fahrbericht Mazda 3: Die Golfalternative für Individualisten

Der Mazda 3 gilt als ernsthafter Widersacher des VW Golfs. Eine erste Ausfahrt beweist, dass er seinem Anspruch gerecht wird. Nur die selbstbewussten Preise stehen einem Erfolg im Weg.

Wenn sich ein ausländischer Autohersteller mit einem neuen Modell aus der Kompaktklasse auf die IAA traut, dann muss das Vertrauen in das Fahrzeug groß sein: Schließlich wird in Deutschland jeder Golf-Gegner besonders kritisch beäugt.

Die deutsche Konkurrenz sehen die Japaner ganz entspannt. Die Mazda-Designsprache namens Kodo, die schon beim CX-5 und beim Mazda 6 Applaus einheimste, sorgt auch beim Kompaktklassen-Bruder für einen strammen Auftritt. Die lange Motorhaube, mit den schmalen, mandelförmigen Scheinwerfern und dem großen lachenden Kühlergrill haben Hingucker-Qualitäten. Die ansteigende Fensterlinie, die athletisch ausgestellten Radläufe und das knackige, wirklich gelungene Heck mit der schicken Lichtergraphik, der deutlich sichtbaren Abrisskante und der zweiflutigen Auspuffanlage, runden die gelungene Formensprache noch ab.

Fast so wertig wie der Golf

Das Interieur kann sich ebenfalls sehen lassen. Hier wechseln sich unterschäumte Flächen, wie beim Armaturenbrett, mit Klavierlack-Applikationen in der Mittelkonsole und rund um die Lufteinlässe ab. Im unteren Bereich des Cockpits regiert Hartplastik, das stört den positiven Gesamteindruck nur minimal. Die Verarbeitung und das Finish sind freilich nicht ganz auf Golf- oder Audi-A3-Niveau, können sich aber im Klassenvergleich durchaus sehen lassen. So rasten die mit einem Chromkranz versehenen Regler der Klimaanlage spür- und hörbar ein.

Negativ fällt der geringe Platz für den Krimskrams der Insassen auf. In den Türen hat jeweils nur eine mittelgroße Flasche Platz. Da bieten andere mehr. Der Kofferraum fasst 350 Liter, allerdings muss das Gepäck über eine Ladekante in das enge Gepäckabteil gehievt werden.

Gute Platzverhältnisse

Platz ist dank des Radstands von 2,70 Metern auch auf der Rückbank genug und, obwohl der neue Mazda 3, 2,5 Zentimeter flacher daherkommt, als der Vorgänger, fällt auch großgewachsenen Fondpassagieren der Dachhimmel nicht auf den Kopf. Die Vordersitze sind bequem, auch wenn sie einen Schuss zu kurz geraten sind und das Lenkrad liegt gut in der Hand.

Die Lenkung ist zwar kein BMW-System, ist aber ausreichend präzise und direkt. Allerdings gibt sie wenig Rückmeldung über den Asphaltzustand und ist zu leichtgängig. Letzteres lässt sich auch über das manuelle Sechsganggetriebe sagen, das mühelos aber sehr präzise durch die Gassen flutscht. Beim Fahrwerk geben sich die Japaner keine Blöße. Es ist straff genug, damit der Mazda 3 in schnellen und engen Kurven nicht zu einer Schiffschaukel verkommt, federt alle Arten von Unebenheiten souverän ab.

Spartriebwerk getestet

Beim 120-PS-Benziner wird aus der spritsparenden Sky-Active-Technologie sehr schnell die Sky-Passive-Technik. Das Triebwerk ist brummig und kommt nicht aus dem Quark. Nur mit häufigen Gangwechseln kommt man in dem 1,2 Tonnen schweren Gefährt voran. Von den 8,9 Sekunden, die der Mazda 3 von null auf hundert brauchen soll, ist beim Bewegen im Alltag wenig zu spüren. Immerhin scheint die Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h realistisch. Der erste Testverbrauch lag mit 6,4 l/100 km auch 1,3 Liter über den angegebenen Normverbrauch. Angesichts der Realitätsferne des Testzyklus, ist das ein durchaus guter Wert. Wer betont sparsam fährt, sollte den Normverbrauch auch erreichen können.

Selbstbewusste Preise

Beim Mazda 3 stehen je nach Ausstattung und Portemonnaie-Inhalt einige Assistenzsysteme zur Verfügung, die in der Kompaktklasse in dieser Häufung noch nicht üblich sind: Angefangen von einem adaptiven Tempomaten über Start-Stopp bis hin einem Spurwechselwarner. Bleibt nur noch der Preis: Der Mazda 3 ist ab 16.990 Euro ab dem 18. Oktober zu haben. Das gefahrene Modell mit einem 2,0-Liter-Benziner Motor kostet mindestens 20.290 Euro. Drei weitere Motoren gibt es zum Einstand: Der 1,5-l-Benziner hat 100 PS, der stärkere 2,0-Benziner 160 PS und der 2,2-Liter-Diesel 150 PS.

Billigheimer gibt es bei Mazda nicht, also mausert sich der Mazda 3 nicht zwangsläufig zum Königsmörder. Aufgrund der umfangreichen Serien-Ausstattung der 120-PS-Version aber zu einer definitiv überlegenswerten Alternative. Vor allem Leute, die nicht einen Wagen fahren wollen, den alle haben, sollten sich den Mazda 3 ansehen. Mazda ist ein unabhängiger Hersteller, der seine Eigenheiten pflegt. Die Wagen vereinen Charakter und Qualität. Als Hilfe für Unentschlossene kann noch der TÜV-Bericht dienen: Auf lange Sicht müssen sich Mazdas beim TÜV nicht vor Volkswagen verstecken - eher ist das Gegenteil der Fall.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.