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Fiat Stilo 2.4 20V Abarth: Der Unvollendete

Selten hat ein Fiat auf den ersten Blick so überzeugt wie der Stilo. Wir sind mit der Topversion Abarth über die Autobahnen der Republik gebügelt.

Selten hat ein Fiat auf den ersten Blick so überzeugt wie der Stilo. Ein gelungenes Design, interessante technische Spielereien und sein verlockender Preis sorgen für Aufregung in der Golf-Klasse. Wir sind mit der Topversion Abarth über die Autobahnen der Republik gebügelt.

Der Name

Bevor das große Rätseln beginnt: Abarth - ja, da war mal was. Carlo Abarth (Marken- und Sternzeichen Skorpion) wurde in den 60er Jahren zur Legende, weil er pausenlos die kleinen Fiat-Modelle zu Knallfröschen aufrüstete. Erinnert sei nur an den Fiat 850 Corsa. 700 mickrige Kilo, die damit zurecht kommen mussten, von 185 Pferdchen durch die Gegend gescheucht zu werden. Mit dem Stilo Abarth besinnt sich Fiat auf die sportliche Vergangenheit und schließt zur Konkurrenz auf. Die haben nämlich längst Supersportler im Alltagslook in den Angebotslisten stehen.

Um den Stilo nicht zur optischen Wuchtbrumme verkommen zu lassen, haben sich die Fiat-Ingenieure von den quattros, STs, MGs und AMGs dieser Welt inspirieren lassen. Prollige Spoiler, hässliche Kanten und unschönes Zierwerk sucht man vergebens. Dezent wurde der ohnehin schon sportliche Stilo auf Edel-Athlet getrimmt.

Dezente Sportlichkeit

Wie gesagt, beim ersten Eindruck kann der knuffige Italiener überzeugen. Weithin sichtbar verkündet die dicke Frontschürze, dass hier kein normaler Stilo parkt. Drei riesige Kühllufteinlässe sollen dafür Sorge tragen, dass dem potenten Fünfzylinder die Puste nicht ausgeht. Nächster Blickfang sind bildhübsche Leichtmetallräder im 17-Zoll-Format, denen lediglich die etwas breiteren Seitenschweller optische Konkurrenz machen. Am Heck erinnert die kleine Spoilerlippe an der Dachkante daran, dass man es hier mit einem Sportwagen zu tun hat. Das obligatorische Abarth-Logo mit dem Skorpion wirkt neben dem Stilo-Schriftzug beinahe mickrig. Selbst auf den sonst üblichen Sportauspuff haben die Italiener verzichtet. Der versteckt sich, wie bei allen anderen Stilo-Varianten auch, unter der Heckschürze.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Gestühl ohne Klasse

Den Weg in den Abarth findet man durch die weit öffnenden Türen und ohne größere Verletzungen an der Wirbelsäule. Trotz Sportlichkeits-Kur ist der Abarth keine Flunder, und man findet folgerichtig bequem den Weg aufs Stilo-Sportgestühl. Warum die flauschigen Kuschelpolster Sportsitze heißen, kann eigentlich nur ein Tippfehler sein. Die Ansprüche, die man an solch einen Sitz stellt, erfüllen sie definitiv nicht. Zwar findet sich dank elektrischer Helferlein schnell die richtige Sitzposition - auf Langstrecken ist die aber auch keine Hilfe. Die Polster sind einfach zu weich, eine erkennbare Seitenführung ist weder im Rücken- noch im Oberschenkelbereich vorhanden.

Bildhübscher Armaturenträger

Ansonsten gibt es im Innenraum des Sportlers von der Stange nur wenig zu mäkeln. Vor dem schicken Armaturenträger kommen postwendend Heimatgefühle auf. My Stilo is my castle... Die Knöpfe und Schalter sind ergonomisch bestens platziert und durchgestylt. Hier passt alles zusammen. Einige Rätsel gibt nur der etwas überladene Scheibenwischer-Bedienhebel auf - ein Schicksal, dass er mit Zeitgenossen in anderen Fahrzeugen teilt. Super-Sache: das doppelte Handschuhfach. Unten, alles wie gehabt. Öffnet man jedoch das obere Handschuhfach, erschließt sich ein weitere Aufbewahrungsort für all die Dinge, die sonst nutzlos durch den Fußraum kullern. Der Clou: das obere Fach wird bei Bedarf von der Klimaanlage mitgekühlt.

High-Tech vom Feinsten

Dominiert wird der Stilo-Kommandostand von den weiß unterlegten Instrumenten, dem mächtigen Mutifunktionslenkrad und dem Allzweck-Multimedia-System Connect Nav+, das beim Stilo Abarth serienmäßig an Bord ist. Obwohl das Connect-Modul auf den ersten Blick unübersichtlich wirkt, gewöhnt man sich schnell an die Vorzüge der Multimedia-Büchse. Bordcomputer, Navigationssystem, Radio, Telefon und Online-Dienste lassen sich hiermit problemlos steuern. Meist sogar per Sprachsteuerung, die jedoch nicht jede Stimme problemlos akzeptiert. Da ist es um so bedauerlicher, dass nicht im gesamten Cockpit eitel Sonnenschein herrscht. Der Armaturenträger strotzt nur so vor hochwertiger Materialien und erscheint bestens verarbeitet. Leider haben die italienischen Autobauer vergessen, auch die Türverkleidung dementsprechend zu gestalten. Der dort verwendete Kunststoff wirkt billig und glänzt speckig im Sonnenlicht. Ein Fauxpas, der nun wirklich nicht sein muss.

Dämmung ist alles

Nun denn, ein Sportwagen soll nicht nur gut aussehen, sondern sich vor allem auf der Straße beweisen. Die Qualitäten des 170 PS starken Fünfzylinders kann man nach dem Einsatz des Zündschlüssels jedoch nur erahnen. Von reichlich Dämmmaterial abgeschirmt, findet die Zylinder-Party unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hörbar ist lediglich ein unscheinbares Röcheln, das allerdings nicht vom Motor stammt. Quell der akustischen Untermalung ist der Auspuff, der - wenn schon unsichtbar - wenigstens hörbar sein möchte.

Störrische Schaltung

In die Gänge kommt der Stilo Abarth mit Hilfe eines automatisierten Schaltgetriebes, das sequenziell geschaltet wird. Das heißt, die Gänge werden ohne Kupplung nacheinander geschaltet. Schalten wie Schumi also. Theoretisch erfolgt dies beim Stilo entweder über den Schaltknüppel oder Wipphebel am Lenkrad. Selespeed heißt diese Art zu schalten bei Fiat. Und anscheinend finden die Italiener diese Technik so toll, dass alle Abarths zwangsweise damit ausgerüstet sind. Wer manuell schalten will, darf sich keinen sportlichen Stilo kaufen. Basta!

Genau das könnte passieren. Sportliche Autofahrer dürfte ob der Schaltqualität, die das Selespeed-Getriebe an den Tag legt, das kalte Grausen packen. Zwar versprechen die Fiat-Strategen, dass der Schaltvorgang kaum länger als ein Wimpernschlag dauert - davon kann sich ein Abarth-Pilot aber auch keine ruckelfrei Fahrt kaufen. Denn, egal ob Stadtverkehr oder flotte Hatz über die Landstraße, die Schalterei nervt. Herunterschalten vor der Ampel vom zweiten in den ersten Gang - laut jault der gequälte Motor auf, bevor mit einem deutlich spür- und sichtbaren ruckeln der Gangwechsel stattfindet. Für Außenstehende erinnern solche Bilder an einen Fahranfänger beim Erstkontakt mit einem Schaltgetriebe. So sinnvoll und interessant ein sequenzielles Getriebe ist - im Fall des Stilos sollte Fiat zumindest ein manuelles Sechsgangschaltung anbieten.

Gute Lenkung

In Sachen Abstimmung und Motorisierung wird der Abarth zweifellos Freunde finden. Das muntere Triebwerk hängt sehr gut am Gas, ist drehfreudig und macht vor allem im Bereich von 3.000 bis 3.500 Umdrehungen viel Spaß. Dann geht es mit dem 1.340 Kilo schweren Italiener flott voran. Dank des narrensicheren Fahrwerks und der exzellenten elektrisch unterstützen Servolenkung macht der Stilo jeden Landstraßensprint problemlos mit. Lediglich beim harten Anbremsen vor einer Kurve wünscht man sich eine etwas härtere Dämpferabstimmung. Hier geht der Vorderwagen deutlich in die Knie. Wem die Lenkung im Stadtverkehr zu schwergängig ist, schaltet einfach in den City-Modus. Dann ist selbst die schlimmste Parkplatz-Kurbelei kein Thema mehr.

Wer die 170 Pferdchen in Schwitzen bringt, muss sich nicht über den gesegneten Appetit der Tierchen wundern. Von den 9,8 Litern Durchschnittsverbrauch konnten wir im anspruchsvollen Stadt-Landstraße-Autobahn-Test nur träumen. Unter 12 Liter war der kompakte Italiener einfach nicht zu drücken.

Fazit

Das Gesamtpaket Fiat Stilo Abarth ist absolut konkurrenzfähig. Das gelungene Grunddesign, der verantwortungsvolle Umgang mit dem Traditionsnamen Abarth, die Vielzahl an technischen Spielereien und der günstige Grundpreis von 22.150 Euro sind gewichtige Argumente. Leider stecken die Fehler, wie so häufig bei Fiat, im Detail. Das störrische Selespeed-Getriebe, die miserablen Sitze und einige kleine Mängel bei der Materialauswahl trüben das positive Bild.

Jochen Knecht

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