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Golf GTI: Wolf, zeig deine Zähne!

GTI - Drei Buchstaben, die Autogeschichte geschrieben haben. Jetzt lässt VW den alten Mythos auferstehen. Herausgekommen ist nicht die Neuauflage des Blech-Rüpels von einst, sondern ein sehr sportliches, kompaktes Reisemobil.

Stille, ein Regentropfen fällt auf den Asphalt. Dann ein Grollen, ein Beben, ein Röhren über mehrere Oktaven – und vorbei. Einen Lidschlag nach dem Start muss das Konzert innerorts schon unterbrochen werden. GTI, wie schön sind deine Lieder. Mit dem Golf GTI 2004 ist den Akustik-Designern ein Klangwunder gelungen, man bebt wie im Konzert beim Anfahren mit offenem Fenster. Das satte "Plopp" beim Gasabriss. Mancher wird sich wieder jung fühlen, daran erinnern, wie es damals war, als der erste GTI die Straßen eroberte.

Golf GTI - Mythos oder Fehlgeburt? Was sagen Sie?

Der Blech-Rüpel

Der erste Golf war eine Provokation in Stahl, klein, leicht, vergleichsweise billig (13.800 DM). Ein Jedermann-Auto, mit dem man, 110 PS sei es gedankt, dem Auto-Establishment die Rücklichter zeigen konnte. Frech, fröhlich und ein wenig geschmacklos verstieß er gegen die automobile Hackordnung. Ein Teil der Generation Golf ließ sich von Mutti mit dem Golf zum Tennis fahren, der flottere Teil klemmte sich selbst hinter das Steuer als Generation GTI.

Breaking the Rules

Kurz und schmerzlos: Das einstige Potential, die Auto-Landschaft total umzukrempeln, hat der neue GTI nicht. Sportlich ist er durchaus und beileibe keine Ausstattungsvariante mit Karomustern auf den Rennsitzen, doch der GTI 2004 bricht nicht länger die Regeln, er provoziert nicht das Establishment, er gehört dazu. Es handelt sich um eine komfortable Kompaktlimousine mit attraktiven, sportlichen Ambitionen.

Warum bist du so geschmackvoll?

Älter sind die einstigen GTI-Fahrer geworden und auch der neue GTI ist gereifter. Schon von außen wirkt der Grill potent und attraktiv. Innen wartet der bekannte gute Golf-Komfort mit einigen noblen sportlichen Zutaten. "Wohltuend", könnte man sagen. Damit eine "super-geile Kiste" aus dem Wagen wird, müsste Kübelweise Zierart montiert werden. Dieser GTI erinnert an "Elvis in Vegas", schon großartig, aber nicht das gleiche Gefühl wie einst beim "Jailhouse-Rock". Die Messlatte als Landstraßenschreck und Krawallmacher bestimmen heute andere. Aber muss man eigentlich restlos pubertär eingestellt sein, um Freude am sportlichen Fahren zu haben? Sicher nicht. Und natürlich ist der GTI 2004 keine Zeitmaschine, die die Verhältnisse von 1976 wieder herstellt.

Tempi passati

Löst sich die Betrachtung vom Mythos GTI und anderen Erinnerungsseligkeiten, gibt es an dem Wagen nichts zu bemängeln. Ein Golf mit 200 PS für einen Einstandspreis von 24.200 Euro kann sich sehen lassen. Der Spurt von Null auf Hundert gelingt in 7,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 235 km/h, das Drehmoment bringt 280 N/m auf die Welle. Die Sechsgangschaltung arbeitet knackig und präzise. Das DSG-Getriebe für 1.325 Euro Aufpreis geht noch schneller zur Sache und vermittelt via Schaltwippen Rallye-Feeling. Auf der Rennstrecke zeigt das Fahrwerk, was es kann, und das ist eine Menge bei vollkommener Gutmütigkeit. Wer den GTI auf einer öffentlichen Straße aus der Kurve bringen will, muss Gewalt anwenden. Mit dem Wagen lassen sich die Kurven nur so kratzen, ohne dass die Insassen auf längeren Strecken durch übertriebene Härte weich geklopft werden. Das Fahrwerk, mit der bekannten hinteren Mehrlenkerachse, wurde deutlich dynamisiert, und - natürlich - um 15 Millimeter tiefer gelegt. Zum angenehmen Fahrverhalten tragen nicht zuletzt die serienmäßigen 17 Zoll Felgen bei. Die Schalensitze überzeugen, schön auch das klassische Drei-Speichen-Lenkrad.

Der GTI für den zweiten Frühling

Der GTI 2004 ist das richtige Auto für ehemalige GTI-Fahrer, die ein wenig vom Nimbus der frühen Jahre naschen wollen, aber keine Geschmacksverirrungen mehr dulden und nach einem Sport-Golf verlangen. Ambitionen und Sehnsüchte von beinharten Asphalt-Rabauken erfüllt den neue GTI zur Zeit nicht. Aber keine Angst, schon sind Veredler am Werk, die den GTI zur alten Form aufbohren werden.

Gernot Kramper
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.