Hyundai i10 Schwesters Liebling


Nach zehn Jahren hat Hyundai endlich sein Einstiegsmodell erneuert. Der Nachfolger des meist von Frauen gefahrenen Atos heißt jetzt i10. Viel mehr als die automobilen Grundbedürfnisse befriedigt er allerdings auch nicht.

Hyundai weiß was Frauen wollen: praktische Kleinwagen. Zudem müssen diese anspruchslos, zuverlässig und sparsam sein sowie in enge Parklücken passen. Der Hyundai Atos, eine Art hochbeiniger Microvan von 1998 schien dies die vergangenen zehn Jahre erfüllt zu haben. 56 000 Stück verkaufte Hyundai, gut zwei Drittel an Frauen. Und viele davon scheinen offensichtlich sehr soziale Berufe zu haben. Denn häufig steht an den Atos-Türen "Ambulanter Pflegedienst". Schwesters Liebling könnte auch der i10 werden. Wogegen ja nichts einzuwenden ist. Mit Lifestyle hat der kleine Koreaner eh nichts am Hut. Dies zeigt zum einen sein Herkunftsland. Der i10 wird in Indien gefertigt und soll vor allem die dortigen Menschen auf eine höhere Stufe der Mobilität heben. Zum anderen will er mit einem Einstiegspreis von 9990 Euro auch in Europa automobile Grundbedürfnisse befriedigen, will Leute ansprechen, denen PS, Markenimage und Designer-Schick nicht wichtig sind und die beim Autokauf aufs Geld schauen müssen.

Der i10 wirkt erheblich attraktiver als sein unproportionierter Vorgänger, der höher als breiter war. Vier Erwachsene finden ausreichend Platz, stoßen auch hinten nirgendwo gegen, müssen sich allerdings beim Gepäck einschränken. Ins Heckabteil passen nur 225 Liter. Wird die geteilte Rücksitzbank flachgelegt, schluckt der i10 immerhin bis zu 910 Liter.

Plastik statt Premium

Premium-Qualität sollte nicht erwartet werden. Das Cockpit versprüht Sachlichkeit, eingefasst in schwarzes Hartplastik. Aus gleichem Material bestehen auch die Türverkleidungen, was den Innenraum nicht wirklich wohnlich erscheinen lässt. Helfen sollen ein paar Dekoreinlagen. Man sollte jedoch bei der Fingernagelprobe auf dem Plastik stets den Preis des i30 im Hinterkopf behalten. Das Auto ist im Billigsegment positioniert. Auch muss man sich daran gewöhnen, die Scheiben bei der Einfahrt ins Parkhaus wieder mit der Hand herunter zu kurbeln, um ein Ticket zu ziehen oder die Zentralverriegelung nicht per Fernbedienung aktivieren zu können. Eine große Komforteinschränkung ist dies aber nicht, schließlich war früher so etwas ganz normal. Wer allerdings unbedingt die elektronischen Helferlein benötigt, muss zum i10 "Style" greifen, der 1000 Euro mehr kostet als die Basis "Classic e" für erwähnte 9990 Euro. Zentrales Instrument hinter dem höhenverstellbaren Lenkrad ist der Tacho. Auf einen Drehzahlmesser verzichtet Hyundai bei der Grundversion, weil ihn sowieso kein Mensch braucht. Als wichtiger sah man eine Radio-CD-Anlage an. Sie ist serienmäßig an Bord (Das bietet nicht einmal die Mercedes C-Klasse für den dreifachen Preis).

Als Grundmotor treibt den i10 ein 1100-Kubik-Benziner mit 67 PS an. Der kleine Vierzylinder reicht völlig, um im städtischen Alltag bestens zurecht zu kommen, ist leise, lässt sich leicht schalten und outet sich zudem als Geizkragen, was den Durst betrifft (5,0 Liter). Ende des Jahres gibt es Verstärkung, dann will Hyundai einen neuen 1,2-Liter-Benziner mit 75 PS einführen.

Der Diesel lohnt nicht

Erstmals ist auch ein Diesel im Angebot. Sich für den 75-PS-Selbstzünder zu entscheiden (Aufpreis etwa 1600 Euro), könnte allerdings Ärger mit der Nachbarschaft geben, denn der morgendliche Kaltstart läuft alles andere als leise ab. Der Dreizylinder-Diesel gibt trotz seiner modernen Common-Rail-Einspritzung unmissverständlich sein Arbeitsprinzip preis. Auch beim Anfahren hört man den Diesel deutlich. Erst auf der Autobahn ist das Geräuschniveau angenehm und der 1120-Kubik-Motor ein schnurriger Geselle mit guten Durchzug. Und ein sparsamer obendrein. 4,3 Liter sagt Hyundai. Ausschließlich auf der Landstraße bewegt, sollen es sogar nur 3,8 Liter/100 Kilometer sein. Sinn machen dürfte der Dieselmotor allerdings keinen. Weder für den Kunden, der die Mehrkosten niemals wieder hereinfährt, noch für Hyundai, die dadurch erheblich mehr logistischen Aufwand haben. Denn 95 Prozent aller i10-Kunden kaufen sowieso den Benziner.


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