Mégane Coupé Renault Sport Motorsport zum Aldi-Preis


Das Mégane Coupé Renault Sport, mit 250 PS stärkstes Modell der gesamten Renault-Palette, kostet mit 26.650 Euro exakt so viel wie der Golf GTI. Das zeigt, in welchem Revier der Franzose räubern will.
Von Michael Specht

Der Name ist ein bisschen umständlich. Renault Mégane Coupé Renault Sport. Wer so etwas am Stammtisch vermeldet erntet verstörte Blicke und die Kumpels glauben, man hätte einen Sprachfehler. Wie schön klingen da die Bezeichnungen "Gordini" oder "Alpine", jene legendären Namen aus Renaults motorsportlicher Vergangenheit? Doch seit 1995 und dem Renault Spyder benennt der französische Autobauer seine heißen Derivate profan nach seinem sportlichen Tochterunternehmen: Renault Sport.

Die hat in jüngster Vergangenheit bereits die Kleinwagen Twingo und Clio in konkurrenzlos günstige Knallkisten verwandelt. Den Twingo RS (133 PS) gibt es ab 14.890 Euro. Er ist damit einige tausend Euro günstiger als ein Fiat 500 Abarth. Ähnlich der Clio RS: 201 PS für 19.900 Euro. Das ist Breitensport zum Aldi-Preis. Und nun klebt der Schriftzug "Renault Sport" auch am Heckdeckel des Mégane Coupés. Der auffällig gestylte Dreitürer mit Formel 1 ähnlicher Schnauze und Diffusor-Heck samt mittigem Auspuffrohr soll zu einem Kampfpreis von 26.650 Euro (exakt so viel kostet auch der Golf GTI) jene jungen Männer ansprechen, die es an einem frühen Sonntagmorgen auf leere Landstraßen zieht und es dort gern ein bisschen krachen lassen. Die passende Technik liefert Renault frei Haus. Gegenüber dem seit 2004 gebauten Vorgänger stieg die Leistung des Zweiliter-Turbomotors um 26 auf 250 PS. Über sechs manuelle Gänge geht es in nur 6,1 Sekunden auf 100 km/h und locker weiter bis zum Höchsttempo von 245 km/h. Genug, um von Zeit zu Zeit Fahrer teurer Limousinen auf der linken Spur zu ärgern.

Motordaten im Mäusekino

Doch Schnelligkeit ist nicht alles. Das "Wie" ist entscheidend. Wie handlich lässt sich das Auto bewegen? Wie gut sind Fahr- und Kurvendynamik? All dies lässt sich am besten auf einer abgesperrten Piste ausprobieren, weshalb Renault die private Rennstrecke Ascari in Südspanien wählte. Ausgestattet waren die Testwagen mit allem, was die Aufpreisliste hergab. Dazu zählt neben breiten 19-Zöllern und speziellen Brembro-Bremsen (die größten im Segment) auch der so genannte R.S. Monitor. Das Ding zeigt im Display des Radios beispielsweise die aktuell abgerufene Motorleistung, das momentane Drehmoment, die Drosselklappenstellung, die Längs- und Querbeschleunigung sowie die Ladedruck und Öltemperatur an. Außerdem ist eine Stoppuhr für Beschleunigungs- und Rundenzeiten integriert. Natürlich kommt man während der Hatz um den Ring nicht eine Sekunde dazu, auch nur irgendwelche dieser Flimmer-Signale zu erfassen. Auch lassen sich die Daten hinterher nicht abrufen oder gar auf einen USB-Stick ziehen. Insgesamt wirkt die Monitor-Software zu verspielt und lohnt nicht.

Verbrauch: Acht bis 30 Liter

Mehr Freude bereitet dagegen das Fahren, auch wenn der Bordcomputer Rennrunden unter Vollgas mit bis zu 30 Litern pro 100 km quittiert. Zügige Landstraßen gehen mit zwölf Liter, ruhiges Dahingleiten liegt auf dem Niveau des Normverbrauchs: 8,4 Liter. Schon ab 2500/min Motordrehzahl baut der Turbo genügend Druck auf, um einen kräftig in den Sitz zu pressen. Der Zweiliter-Vierzylinder dreht geschmeidig bis über 7000/min in den roten Bereich, ohne dabei nervig laut zu werden. Zum finalen Schaltbefehl ertönt ein Signal. Die Gänge wechseln kurz und exakt, die Lenkung spricht direkt an, Kurven durchzieht der Mégane R.S. stoisch wie auf Schienen, drängt erst zum Fahrbahnrand, wenn Tempo und Kurvenradius partout nicht mehr zusammen passen wollen. Ein Lob verdient dabei die mechanische Differenzialsperre. Sie verhindert spürbar das sonstige Gezerre an der Vorderachse und lässt den Wagen deutlich flotter aus der Biegung kommen.

Segment der Knallkisten wächst

All dies wird jedoch im tempolimitierten Straßenverkehr und bei gesetzestreuer Fahrweise nicht relevant sein. Die Kunden stört das wenig. Im Gegenteil. Seit 2001 hat sich laut Renault das Segment – einbezogen wurden Kompaktmodelle über 180 PS – in Deutschland verdreifacht. Pro Jahr sind es über 30.000 Einheiten. Ein lukrativer Kuchen. Audi schickt seinen S3 ins Rennen, Ford den Focus ST 220 und RS, Golf den GTI und demnächst den Golf R (270 PS) sowie den Scirocco R (265 PS), dem direkten Gegner des Mégane Coupé R.S. Seat hat den Léon Cupra R und Mazda den 3 MPS im Programm, Opel derzeit noch seinen Astra OPC in alter Bauform. Jede Wette, dass die Rüsselsheimer schon bald den Nachfolger antreten lassen. Für genügend Benzin- und PS-Gespräche in der Szene ist also weiterhin gesorgt. Und ein Thema dabei dürfte "Renault Sport" sein. Denn es gibt Gerüchte, dass die sportlichen Topmodelle der jeweiligen Baureihen künftig wieder einen historischen Namen tragen könnten. Gearbeitet wird derzeit an dem Projekt "Twingo RS Gordini". Na also, geht doch!


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