Maserati Quattroporte Automatik Champion Schaltfaul


Maserati goes business. Hebel auf "D" und für 112.060 Euro führt die wohl eleganteste Limousine der Welt ihre Gänge jetzt selbst durchs Programm. Also: Keine Ausrede mehr, warum der Quattroporte nicht weit oben auf der Dienstwagenliste stehen sollte.
Von Michael Specht

Maserati-Verkäufer können sich den Schweiß von der Stirn tupfen. Jetzt haben sie ihn, den ultimativen Dienstwagen. Statt "Tut mir Leid" dürfen sie endlich "Selbstverständlich" antworten. Immer dann, wenn solvente Kunden fragen, ob es den Quattroporte nicht auch mit Automatik gäbe. Was für den sportlichen Puristen einer Vergewaltigung gleichkommt, war die vergangenen Jahre für so manchen Manager ein Hinderungsgrund, dieses Auto überhaupt zu kaufen. Schalten? Nein danke. Das Geschäft haben dann BMW, Audi oder Mercedes gemacht.

So etwas wurmt. Also sind die Maserati-Verantwortlichen an den Bodensee gefahren, nach Friedrichshafen, zum Getriebe-Spezi ZF. "Hmm, Sportsfreunde, so einfach ist das nicht", war dort zu hören. Schließlich dreht unter der Quattroporte-Haube ein Ferrari-V8 bis weit über 7000/min. Da kann man nicht einfach ein paar Zahnräder aus dem Regal nehmen und hoffen, das passt schon irgendwie.

Wippen für den Business-Schumi

Doch das Warten hat sich gelohnt. ZF flanschte einen Hightech-Sechsgangautomaten an den 400-PS-Motor, der den viertürigen Maserati endlich zu dem macht, was er immer sein sollte: eine sportliche und souveräne Luxuslimousine. Das Fahrergehirn ist nur noch gefordert, geht es um die Art und Weise der Gangwechsel. Der Modus "Normal" eignet sich am besten für den täglichen Weg ins Büro. Weich schalten lassen und an nichts weiter denken. Sollten nach Feierabend auf einem freien Stück Landstraße leichte Schumi-Ambitionen aufkommen, empfiehlt sich Modus "Sport", es wird später hoch- und früher runtergeschaltet. Dann erfreut auch der rassige Klang des Achtzylinders die Ohren und erinnert einen, schon allein deshalb die richtige Kaufentscheidung getätigt zu haben. Da reicht keine andere Limousine heran. Für den Winter hat der Quattroporte-Fahrer natürlich einen SUV in der großen Doppelgarage. Falls nicht, gibt es im schicken Italiener wenigstens den Getriebemodus "Ice". Bei ihm wird sehr früh hoch geschaltet, um die Hinterräder im Zaum zu halten. Zu guter Letzt bietet der Modus "Manual" die Möglichkeit, den Hebel der Macht selbst zu führen. Hört der Quattroporte auf den Zusatznamen Sport GT stehen dafür sogar Wippen am Lenkrad zur Verfügung.

Technisch Versierte sollten vielleicht noch wissen, dass der Automatik-Quattroporte seine Schaltbox nicht mehr an der Hinterachse trägt (Transaxle-Prinzip) sondern wieder vorn, direkt am Motor angeflanscht. Und im Gegensatz zum DuoSelect-Modell verfügt er auch nicht mehr über eine Trockensumpfschmierung, sondern über eine konventionelle Ölwanne. Ebenso ist es vorbei mit "Testa Rossa" im Motorraum. Die Zylinderköpfe sind statt mit rotem nun mit blauem Schrumpflack überzogen. Der Automatik-Kunde scheint es nach Maserati-Meinung ein wenig dezenter zu lieben.

Der Ausstrahlungsweltmeister

Über den Rest muss nicht geredet werden. Feine Materialien im Innenraum sind selbstverständlich, ein klassisch-sportliches Cockpit und natürlich die Maserati typische, ovale Analoguhr in der Mitte des Armaturenbrettes ebenso. Neu ist lediglich die elektronische Handbremse, die sich automatisch löst, wenn Gas gegeben wird.

Aber egal, mit welchem Getriebe und wie lackierten Zylinderköpfen der Quattroporte daher kommt, das Charisma, das diese Limousine ausstrahlt ist konkurrenzlos. Weder ein Jaguar XJ, noch ein Audi A8 kommen da mit. Von der S-Klasse und dem Siebener-BMW ganz zu schweigen. Die sind eher etwas für dicke Direktoren. Quattroporte-Fahrer sollten dagegen sein wie ihr Auto: ohne Fett, austrainiert, elegant und souverän, gewürzt mit einer Prise Lässigkeit. Selbstverständlich müssen auch die Klamotten dazu passen. Empfehlung: Armani-Anzüge und braune, handgefertigte Schuhe. Meine Herren! Besser können sie Geschmack, Stil, Erotik, Sinn für Design und italienische Lebensart mit einem Auto nicht rüberbringen. Den Frauen wird das Herz aufgehen.


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