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Mercedes SLS E-Cell vs. Audi e-tron: Elektro-Duell im Montafon

An sich hätten die Kontrahenten erst in knapp vier Jahren die Klingen kreuzen dürfen. Doch bei der Oldtimer-Rallye Silvretta Classic kam es früher als erwartet zum ersten Showdown zwischen dem Mercedes SLS E-Cell und dem Audi e-tron - den Rennern mit Elektromotor.

Neongelb gegen dunkelgrau, Stuttgart gegen Ingolstadt, Power gegen Power, Weber gegen Dick - an sich nichts ungewöhnliches, würden die beiden Boliden Mercedes SLS und Audi R8 nicht ausschließlich von einem Elektromotor angetrieben. Nicht etwa auf einer Rennstrecke in den USA oder auf einer deutsche Autobahn sollte sich zeigen, wer der bessere ist - es ging vielmehr ins österreichische Montafon zu einem ersten Vergleich der beiden elektrobetriebenen Supersportler.

Der Elektroantrieb ist längst in aller Munde, und auch wenn in den nächsten zehn Jahren nur wenige der weltweiten Neufahrzeuge ein reines Elektroherz bekommen sollten, so geht es bei den großen Herstellern derzeit dennoch besonders heiß her. Die Entwicklungsabteilungen schieben Extraschichten und auch das Marketing kommt kaum zur Ruhe, gilt es doch, die Elektroidee in die Hirne der potenziellen Kunden zu brennen. Da kommt ein Großevent wie die traditionsreiche Oldtimer-Rallye Silvretta Classic gerade Recht. Nachdem Audi einen roten e-tron Ende 2009 zu einem kurzen Prototypen-Ausflug auf dem Pacific Coast Highway in Kalifornien bereits von der Leine ließ, zog Mercedes in diesem Sommer mit einem Abstecher nach Norwegen nach.

Gelb, schnell und gefährlich

Und nun kam es also im beschaulich-sommerlichen Montafon zu einem ersten echten Duell zwischen E-Cell und e-tron. Die 13. Silvretta Classic wurde zu einer Hitzeschlacht für die rund 200 Oldtimer. Die Elektrofahrzeuge taten sich auf der 162 Kilometer langen Nebenroute trotz 35 Grad im Schatten und Anstiegen bis auf über 2000 Meter leicht. Erstmals in ihrer Geschichte gab es bei der Silvretta Classic eine eigene Elektrowertung. Neben den rund 200 Oldtimern aus den Jahren 1923 bis 1984 gingen 24 Elektrorenner an den Start. Auf der verkürzten Bergstrecke im siedend heißen Montafon sollten sie zeigen, dass es auch in den Bergen ohne Verbrenner geht. Unangefochtene Stars im Feld waren der graue Audi e-tron und der grellgelbe Mercedes SLS E-Cell, die die Elektrokonkurrenz mit Smart Fortwo, VW Golf Elektro, Tesla Roadster, Mitsubishi i-MIEV, Mercedes B-Klasse F-Cell oder Mini E überstrahlten. "Wir brauchen in Größe und Palette kaufbare Produkte. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass nur wenn die Infrastruktur steht, sich auch der Kundenerfolg einstellt. Und da müssen wir aufs Tempo drücken", sagte Andreas Scheuer (CSU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium während des Events. Aufs Tempo drückten zunächst einmal nur die Elektrorenner.

Der eine ist gelb, schnell und gefährlich. Der Mercedes SLS E-Cell unterscheidet sich optisch kaum von seinem benzinbetriebenen Schwestermodell. Statt 571 PS gibt es 533 PS, 250 km/h Spitze und eine versprochene Reichweite von mindestens 200 Kilometern. Der Anzug am Berg ist gigantisch. Da sieht selbst ein Lamborghini Gallardo schlecht aus, der gerade die Bielerhöhe erklimmt und gnadenlos überholt wird. "Mit der Teilnahme an der Silvretta E-Auto beweisen wir, wie alltagstauglich unsere emissionsfreien Elektrofahrzeuge sind", so Daimler-Entwicklungs-Chef Dr. Thomas Weber, "wir haben das Entwicklungsstadium längst verlassen und arbeiten weiter. Der SLS E-Cell ist der wahre Supersportler unter den Elektrofahrzeugen. 533 PS und 880 Nm Drehmoment zeigen, wie absolut faszinierend Elektromobilität sein kann."

Gewaltiges Suchtpotenzial

Technologisch fährt der dunkelgraue Audi e-tron auf Augenhöhe. Doch muss er im aktuellen Entwicklungsstand mit 313 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h auskommen. Der Benziner hat ein V10-Triebwerk und 525 PS. Doch der Anzug auf den Straßen Richtung Bartholomäberg ist ebenfalls enorm. Michael Dick, Entwicklungschef bei Audi: "Für uns ist das eine ideale Hitz-Erprobung. Ende des Jahres starten wir eine kleine Pilotserie des e-tron. 2012 folgt dann eine Kleinserie des rein elektrisch angetriebenen Sportwagens. Wir hatten hier keinerlei Probleme. Dort, wo es der Kunde nicht sieht, zum Beispiel bei den Akkuzellen, müssen mehrere Hersteller zusammenarbeiten. Das spart Entwicklungskosten und ermöglicht Einsparungen über größere Stückzahlen."

Beide Sportwagen aus deutschen Landen haben Allradantrieb und ein gewaltiges Suchtpotenzial, denn nicht nur beim Spurt von 0 auf 100 km/h kommen die meisten anderen Autos nicht mit. Die Top-Konkurrenten schaffen den Spurt in weniger als fünf Sekunden. Trotz aller Leistungsfähigkeit sorgt eine Schauveranstaltung wie die Elektro-Silvretta in Vorstandsetagen, Entwicklungsabteilungen oder bei Technikern zumindest vorab für nasse Hände. Doch der bergige Kurs und Temperaturen von durchweg über 30 Grad im Schatten machten den Entwicklungsträgern letztlich keinerlei Probleme. Während Mercedes SLS oder Audi e-tron Strecken wie die Silvretta-Hochalpenstraße empor flitzten, taten sich VW Golf Elektro, Smart Electric Drive oder die bunten Think-Modelle bergauf deutlich schwerer. Bleibt abzuwarten, ob die Elektro-Rallye im Rahmen der Silvretta Classic im kommenden Jahr etwas mehr Wettkampfcharakter bekommt.

Werbetrommel rühren

Das sonnenreiche Montafon im Bundesland Vorarlberg war in diesem Jahr zum 13. Mal Veranstaltungsort der renommierte Alpen-Rallye Silvretta Classic. Vorarlberg ist mit 750 Ladestationen und 75 Fahrzeugen Modellregion für Elektromobilität. "Die letzten drei Tage haben gezeigt, dass E-Autos schon sehr leistungsfähig sind. Jedoch müssen in den nächsten zwei Jahren die Batteriekosten noch mal drastisch sinken. Derzeit sind wir je nach Anbieter bei 600 Euro pro Kilowattstunde und damit bei Gesamtkosten von über 10.000 Euro für einen Akku. Wir müssen aber auf 200 Euro und weniger pro Kilowattstunde für wirklich autotaugliche Akkus kommen", erläutert Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef bei Volkswagen, deren Golf Elektro mit der dreitätigen Hitzetour ebenfalls kaum Probleme hatte. Der Wagen soll 2013 in Serie kommen.

Ihre grandiosen Fähigkeiten konnten SLS und e-tron zwar nicht voll ausfahren, jedoch immerhin die Werbetrommel rühren. Supersportwagen und Elektroantriebe schließen sich nicht mehr aus. Bei den meisten Autofans auf der Silvretta Classic sprang der Funke aber noch nicht über. Die meisten wollten brüllende Porsche 911, hüstelnde Ford Taunus, grollende Jaguar oder blubbernde Käfer aus der guten alten Zeit sehen. Das wird sich auf absehbare Zeit wohl kaum ändern - trotz aller Elektro-Fortschritte.

Stefan Grundhoff; press-inform / press-inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.