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Opel Meriva: Kommt in meine Arme!

Opel lässt den nächsten Retter vom Stapel. Der Meriva fällt mit seinem Türkonzept richtig auf. Obendrein ist er ein prächtiges Auto zu einem vernünftigen Preis.

Von Gernot Kramper

Bei den MiniVans zeigt Opel traditionell Stärke. Hier ist Opel einmal nicht der ewige Zweite oder Dritte. Zafira und Meriva setzen mit ihrem flexiblen Innenraum die Maßstäbe und beweisen nebenbei, dass man bei Opel auch ganz smart denken kann. Der Kunde hat es gedankt. Wenn auch dem Zafira der Touran von Volkswagen in die Quere kam und ihm Konzept und Käufer abgenommen hat. Der Meriva ist eine Klasse kleiner und schlug sich bis zuletzt beachtlich. Zu bedenken ist allerdings, dass die allmächtigen Wolfsburger dem Meriva keinen Konkurrenten auf Polobasis entgegenstellten.

Das Ende der Traurigkeit

Ein Minivan ist von sich aus kein Wagen, der einen verschärften Lebensstils verbreitet. Der bisherige Meriva kultivierte die Tristesse des reinen Nützlichkeitsprinzips obendrein. Mit einer traurigeren Brotdose als einem sparsam ausgestattet Meriva aus dem Mietwagenpool konnte man sich kaum den Urlaubsgenuss versauern. Das ist jetzt vorbei: Der neue Meriva macht einen Riesensprung, vergleichbar mit dem Satz den Opel mit dem Wechsel von Vectra auf Insignia hingelegt hat. Man muss nur beide Wagen einmal nebeneinander stellen. Das alte Modell bestand aus variablen Innenraum, vier Rädern und einer Blechhülle. Ans Design wurde kein Gedanke verschwendet.

Stärken für viele

Der Nachfolger sieht dagegen frisch und pfiffig aus. Die Seiten sind nicht mehr karg und flach, sondern ausgearbeitet und modelliert. Natürlich findet sich die neue Opel-Sichel an der Seite. Die Front hat ein Gesicht und das Heck wirkt geradezu perfekt. Hingucker ist aber die charakteristische Welle der Dachlinie in den Rücktüren – sie gibt dem Wagen Schwung und einen ganz unverwechselbaren Eindruck. Das absolute Alleinstellungsmerkmal in seiner Klasse sind die sich gegenläufig öffnenden Türen. Ob man sich von den Türen "willkommen geheißen" oder gar "umarmt" fühlt, bleibt dem individuellen Temperament überlassen. In jedem Fall sehen die Aufklapp-Türen spektakulär aus und von ihnen profitiert jeder, der regelmäßig die hinteren Einstiege benutzt. Die größte Erleichterung erleben alle, die kleine Kinder auf den Kindersitz bugsieren und fixieren müssen. Aber auch der "Selbstbeweger" steigt merklich leichter ein und aus. Opel zählt auf "Baby-Boomer und Baby-Maker": Der Meriva ist für die junge Familie das Richtige, auch für ein sportliches Paar mit großen Transportbedürfnis. Und daneben werden Senioren den bequemen Einstieg und die hohe Sitzposition goutieren. In der Reklamebroschüre werden die Dicken nicht eigens genannt, aber auch schwergewichtige Insassen profitieren von Sitzkonzept.

Mächtig gewachsen

In jeder Beziehung bietet der Meriva ein erwachsenes Erscheinungsbild. Das ist auch kein Wunder, der Wagen ist um fast 20 Zentimeter auf 4,29 Meter Länge angewachsen und hat in der Breite etwa 5 Zentimeter zugelegt. Damit ist der Meriva der dickste Brummer aus dem B-Segment, oder man könnte auch sagen: Hier wurde der Zafira ein wenig abgeschnitten. Trotzdem kann die Operation als geglückt gelten: Kunden, denen es nicht zuletzt um Transportraum geht, wird eine Menge geboten. Für manche sicherlich genug, um auf das Modell aus einer höheren Klasse zu verzichten. Die Angebote aus der Zafira- und Touran-Ecke sind trotz Faceliftkosmetik im Kern schon etwas angestaubt und können dem frischen Meriva bereits im ersten Eindruck nicht Paroli bieten.

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Sehr gute Flexibilität

Der Innenraum hat an Qualität deutlich zugelegt, er bietet für seine Preisklasse eine echte Wohlfühlqualität und hat sich weit vom spartanischen Vorgänger entfernt. Die vordere Konsole rückt weit von den Passagieren ab, das Raumgefühl ist sehr großzügig. Das Cockpit sieht ein wenig überladen aus. Wenn man den Meriva eine Vollausstattung spendiert nervt eine Armada von Knöpfchen und Schaltern, der normale Merivakunde wird jedoch kaum jedes Extra ordern. Die aufrechte Sitzposition produziert in einem Mini-Van immer einen vergleichsweise guten Knieraum, also kann man in der hinteren Reihe gut sitzen. Opel bietet hier eine verschiebbare Bank an – bei kleinen Insassen kann man den Kofferraum so bequem erweitern.

Schon immer überzeugte der Meriva mit seinem Sitzkonzept. Das Umlegen der Sitze funktioniert wirklich sensationell einfach. Zudem lassen sich die Sitze tatsächlich sehr flach auf dem Boden zusammenlegen, so dass oberhalb auch noch sehr sperrige Gegenstände transportiert werden können. Der Kofferraum lässt sich von 400 Litern auf 1.500 Liter ausbauen. Die Flexibilität kostet übrigens keinen Aufpreis. Fahrradfahrer, die ihr Rad nicht auf einen Dachgepäckträger hieven wollen, werden mit dem bekannten "FlexFix"-Fahrradträger für 590 Euro, der sich aus dem Stoßfänger herausziehen lässt, sehr gut bedient. Aber Vorsicht: Man kann dann kein vollwertiges Reserverad mit sich führen.

Vielleicht auch den kleinsten Motor

Bei den Testfahrten standen zwei Benziner mit 120 PS und 140 PS zur Verfügung. Mit beiden ist der Meriva so gut unterwegs, dass man sicher auch mit Einstiegsversion ohne Aufladung und 100 PS leben kann. Das 120 PS Triebwerk überzeugt durchweg, nur für längere Fahrten auf der Autobahn wünscht man sich den 140 PS-Motor wegen des ruhigeren sechsten Ganges und weil mit dem kleineren Motor die Beschleunigung über 160 km/h hinaus nur sehr zäh von statten geht. Die Wahl eines Diesels wird nur für ausgesprochene Vielfahrer wirklich Sinn machen. 2011 sollen Modelle mit Start-Stopp-System und Gasantrieb nachfolgen.

Als Extra bietet Opel besonders ergonomische Sitze an. Aber schon die normalen Sitze stützen sehr gut, eine weitere Investition macht nur Sinn, wenn man dem Rücken wirklich etwas Gutes tun will oder muss. Von einem Meriva-Fahrwerk erwartet man keine sportlichen Sensationen, aber es wurde sehr gut gemacht. Die Zeiten, in denen man in einem hochbeinigen Minivan wie in einem Lieferwagen unterwegs war, sind jedenfalls vorbei.

Rundum ein gutes Angebot

Mit Preisen ab 15.900 Euro tritt der MiniVan als kampfeslustiger Eroberer an. Bei den Ausstattungen ist die Einstiegsversion nur etwas für Puristen, für den privaten Kunden ist die zweite Ausstattungslinie "Edition" immer empfehlenswerter. Für sie muss man mindestens 18.000 Euro einkalkulieren. Mit der so merklich aufgehübschten Karosse ist der Meriva schicker geworden und bleibt aber ein Wagen, der seine Punkte mit dem Nutzwert sammelt. Er nimmt nicht nur die Phalanx der anderen MiniVan ins Visier, auch Kompakte und deren Derivate wie ein Golf Plus müssen sich in Acht nehmen. Die originellen Türen sichern dem Opel die Aufmerksamkeit, das Design sticht positiv hervor. Mit Flexibilität, Verarbeitung, Transportvolumen und dem Preis überzeugt er dann.

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