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Opel OPC: Der Blitz des Herrn

Mit aller Gewalt fielen die OPC-Varianten von Vectra, Astra und Zafira über Sizilien her. Mehr brachiale Kraftentfaltung auf Basis von Normal-Fahrzeugen kann man bei Werksfahrzeugen derzeit nicht erleben.

Eine schrundige Schlange wälzt sich über die Macchia. Ewig gleichgültig scheint azurene Himmel hinab. Von Wind angefressene Bäume halten Wache an den Graten, vermummte Hirten in geflickten Umhängen. Im Tal liegt das Band eben geringelt, dann im gespannten Bogen. Blaues Metall stampft in rasender Kolonne die Targa hinab. Brutale Nordmänner aus Rüsselsheim. Sie bezwingen die Anmut der strahlenden Insel.

Pisten der Leidenschaft

Und siehe da, es geht. Die Targa Florio ist nach wie vor eine Strecke, auf die man den ungeliebten Erbneffen kurz nach dem Führerschein schicken kann. Wie beim Kreuzzug gäbe es für den jungen Mann höchstens eine Drittel-Cance auf unbeschadete Wiederkehr. Der Gefahren lauern hier viele, auch wenn man nicht mehr von Bravi mit der Lupara angehalten wird. Dafür kann man an mit kleinen Mauern umsäumten Serpentinen jederzeit den Tod küssen, nach Hebungen und Senken lassen sich kurze Flugsekunden realisieren. Wer dann am Lenkrad reißt, hat ohne, aber auch mit ESP verspielt. Das Schönste sind die Stürze in der Fahrbahn. Risse und Schründe von fünfzehn Zentimetern klaffen im Asphalt. Wind und Wetter haben die Fahrbahn unterspült. Kurz und gut, ein Traum wunderschön, anmutig und gefährlich. Eine Strecke wie Sizilien.

Power statt Finesse

Der deutsche Vectra OPC (Opel Performance Center) walzt sie einfach platt. Beim Druck aufs Gas bullern seine Pferde los, die Bremsen verzögern ebenos kraftvoll. Und auch wenn das Fahrwerk manchmal vor Kraft kaum laufen kann, hält der Stabilisator Kurs. Angesichts der Motorleistung und des breiten Drehzahlbandes, an dem das maximale Drehmoment anliegt, hauen die blauen Wagen drein wie der Hammer Gottes. Viel Power ist gut, noch mehr Power ist besser, heißt die Zauberformel. Wüste Beschleunigung ohne allzu viel Schalterei ist also möglich. Mit eingeschaltetem ESP lassen sich auch sehr gute Zeiten fahren. Doch eine Liebesheirat gehen Fahrwerk und Mörderpiste nicht ein. Die Targa Florio ist eine Signora, doch der Opel braucht Gewalt, wo sie sich nicht willig zeigt. In das Erscheinungsbild passt, dass der Vectra OPC mit seinem 2.8 V-Turbo die Selbstverpflichtung der Abregelung beim 250 km/h offenkundig für "Weiberkram" hält. Mit 260 km/h Spitze lässt er sogar den M5 hinter sich und das für 37.800 Euro. Doch die mächtigen Kräfte an den Vorderrädern wollen einfach alles zu Staub zermahlen, und das schleift und dreht und ruckt und zuckt. Dass ESP hat viel zu tun, zum Glück die die Zeiten sind vorbei, als man als Verwarnung vom Begrenzer erst mal ein paar Durstsekunden in der Einspritzanlage bekam.

Leider kein Allrad

Der Wagen reicht also aus, um dem Fahrer Perlen auf der Stirn und den ersehnten Männergeruch unter den Achseln zu bescheren, aber ein urtümliches Rallyefeeling kommt nicht auf. Man kann anstellen, was man will, hinten kommt der Wagen nicht raus, geschweige denn, dass er einen so durch die Kurven drückt. Dafür kann der OPC nichts, das liegt am Vorderradantrieb. Verhindert aber nicht, dass man jetzt einen echten Allradler wie den legendären Calibra herbeisehnt. Dabei ist der der Astra OPC ein echter Sportwagen. Opel-Werksfahrer Manuel Reuter - zweimaliger Le-Mans-Sieger - scheuchte einen Astra OPC mit Normalbereifung in 8 Minuten und 33 Sekunden um die Nordschleife des Nürburgrings. In der Klasse von Zweilitern war noch kein anderes Auto schneller.

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Stramme Motoren-Palette

Die Leistung der Sechzylinder-Turbo fällt mit 255 PS vergleichsweise bescheiden aus, aber dafür gibt es 340 Nm Drehmoment. Im Ansprechverhalten etwas direkter fällt der Vierzylinder-Turbo (240 PS) aus, der im Astra und Zafira verbaut wird. Insgesamt wirkt der Astra durch Größe, Radstand und Fahrwerk als der kernigere Geselle. Bei ihm wurde die Federung für ein Fahrzeug eines Serienherstellers sehr hart ausgelegt. Wenn Placken im Belag fehlen, knallt der Schlag mächtig durchs Fahrzeug. Im eigenen Wagen würde man sofort die Felgen kontrollieren.

Optik passt

Der blaue Spaßanzug steht der OPC-Familie sehr gut. Sportlich, nicht prollig. Ein Hingucker, der noch keine Schmerzen verursacht. Spoilerfreaks bekommen natürlich nur ein Grundmodell, das weiterer Verschönerung bedarf. In den Innenräumen herrscht das bekannte "Ich-Mag-Es-Eckig"-Design aus Rüsselsheim, veredelt durch entsprechende Zutaten. Diese sehen teils sehr wertig aus, wie die Einlagen in Carbon-Optik, teils wie ein erster Musterentwurf, wie die OPC-Scheiben in den Instrumenten. Die Sitze von Recaro bieten guten Halt und sind an Fahrzeug und Kunden angepasst. Eng und schmalfhüftig im Astra, gehen schon ein paar Kilo mehr in die Sitzmulde des Vectra hinein. Im Zafira sitzt man ungewöhnlich. An den umklammernden Griff im rasenden Mini-Van muss man sich erst mal gewöhnen.

Wer für wen?

Die drei OPC unterscheiden sich so deutlich, dass die Wahl leicht fallen sollte. Ein Solitär ist der Zafira OPC. Der rasende Familienwagen überzeugt mit unbändiger Leistung und dem Raumangebot eines Mini-Van. Diese Kombination ist einzigartig, aber nur zu empfehlen, wenn das Ladevolumen für Familie oder Sportgeräte auch genutzt wird. Hat man kein Bedarf an zusätzlichen Sitzen und auch kein Rennrad mit dabei, sollte es der Astra OPC sein. Klein, rasant und das stärkste Fahrzeug seiner Klasse. Der Vectra OPC richtet sich in Größe und Fahrzeugklasse dann an die "gereiftere" Jugend. Die OPc sind vergleichsweise gut ausgestattet aber nicht gerade billig. Der Vectra OPC kommt auf 37.800 Euro. Dafür gibt es auch die bereits erwähnte Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h.

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