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Porsche Boxster Spyder: Weniger ist teurer

Der Boxster soll der Porsche für Puristen sein. Der abgespeckte Boxster Spyder ist ein Spaßgerät für Frischluftfreunde. Vor allem für solche, mit praller Börse. Jedes verlorene Kilo lässt sich Porsche mit Gold aufwiegen.

Von Frank Janßen

Seit 1996 gibt es den Porsche Boxster. Die Baureihe ist billiger als der klassische 911er, aber alles andere als eine Fortführung des alten Volksporsche 914. Auch nach mehr als zehn Jahren Bauzeit kann der kleine Bruder nicht an der Legende 911 kratzen, dafür sitzen ihm inzwischen Konkurrenzmodelle wie der Audi TTS im Nacken. Porsche reagiert auf die Herausforderung mit einer kompromisslosen Spaßmaschine, dem Boxster Spyder. Stern.de hat ihn gefahren.

Die beiden leitenden Ingenieure bemühen sich, nicht einzugreifen, aber sie können es einfach nicht lassen. Hans-Peter Wöhler und Jan Roth zucken zwar immer wieder zurück, sind aber ganz offensichtlich viel zu sehr mit dem Boxster Spyder verwachsen, als dass sie nur zuschauen können, wie der Journalist versucht, das kleine schwarze Stoffverdeck auf den Boxster Spyder zu frickeln. Der eine sagt, man solle den Autotester doch machen lassen - aber offenbar nur im völligen Vertrauen darauf, dass der andere garantiert doch helfen wird. Hier ein schneller Handgriff, dort ein Fingerzeig. Ergebnis der Prozedur: Na bitte, man braucht keine Bedienungsanleitung (beim ersten Mal schon, aber dann hat man es sicher kapiert). Es ist wirklich kinderleicht.

Mehr noch: Das ganze Auto ist leicht. 1275 Kilogramm wiegt der 320 PS starke Boxster Spyder, das sind 80 Kilogramm weniger als der etwa gleich stark motorisierte Boxster S (310 PS). Und 80 Kilogramm Ersparnis innerhalb einer Baureihe - das sind Welten. Allein der Ersatz des elektrisch betätigten Cabriodaches am herkömmlichen Boxster durch den bereits erwähnten Stofffetzen des Spyder bringt zusammen mit dem neuen Aluminium-Heckdeckel 21 Kilogramm weniger auf die Waage. Hinzu kommen Türen aus Leichtmetall - nochmal 15 Kilogramm gestrichen. Der Verzicht auf die beim Boxster S serienmäßige Klimaanlage - der Spyder soll ja hauptsächlich offen gefahren werden - bringt weitere 13 Kilogramm. Sogar die speziellen 19-Zoll-Räder sparen Gewicht: Die Felgen selbst wiegen zwar bloß eine Spur weniger als die serienmäßigen 18-Zöller des Boxster, aber weil die entsprechenden 19-Zoll-Reifen dünner ausfallen, wird Gummi gespart: macht fünf Kilo pro Satz.

Derart erleichtert und mit speziell abgestimmtem Fahrwerk versehen, kann man mit dem Boxster Spyder gewissermaßen im Zirkus auftreten - so agil und spielerisch zu beherrschen ist kaum ein anderer Sportwagen. Bei abgenommenem Verdeck kann der Fahrer den Rädern bei der Arbeit zuhören: Steinchen knirschen, Reifen schmatzen auf dem Asphalt. Zu flotter Fortbewegung passen die Schalensitze, die die Besatzung aufnehmen wie Schraubzwingen. Enge, kurvige, wellige Landstraßen sind das Element des Boxster Spyder - und damit auch die altehrwürdige Nordschleife des Nürburgrings. Am besten eine Jahreskarte kaufen!

Und weil der glückliche Porsche-Kunde in der Regel ja nicht aufs Geld schauen muss, kann er die 80 Kilo Gewichtsersparnis des Boxster Spyder sogar noch weiter treiben. Die Wahl der rund 8000 Euro teuren Keramikbremse namens PCCB spart beispielsweise drei Kilogramm. Und wer weitere 2000 Euro locker machen mag, kann statt des herkömmlichen Bleiakkus eine Lithium-Ionen Batterie bestellen. Sie ist mit etwa sechs Kilo Gesamtgewicht rund zehn Kilo leichter als die gewöhnliche Starterbatterie. Und weil Gewichtsersparnis meistens durch den Einsatz von Hightech und teuren Materialien erkauft werden muss, sind minus zehn Kilo für 2000 Euro sogar ein echtes Schnäppchen.

In Zuffenhausen war man schon immer Meister darin, sich jede Variante vergolden zu lassen. Der Basispreis des ausgeräumten Boxster von 63.404 Euro ist bereits stattlich. Ein paar zusätzliche Diätanstrengungen lassen den rustikalen Gesellen leicht die 80.000 Euro Hürde nehmen, da könnte man auch langsam in den 911er umsteigen. Natürlich wird Porsche Fahrer finden, die den Preis für das agile Fahrzeug zahlen. Aber in Zukunft wird man sich mehr Gedanken um attraktivere Einstiegsmodelle machen müssen.

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