Range Rover Sport Der Durst der Lordschaft


Schön und individuell fährt man im Range Rover Sport. Ob Autobahn oder Schotterweg immer kleidet er den seinen Fahrer perfekt. Mit dem Supercharged Triebwerk empfiehlt sich der Wagen allerdings nur für die Umweltsau im Maßanzug.
Von Gernot Kramper

Groß wie viktorianisches Landhaus, Rundungen wie ein Bauhausmöbel - so sucht der Range Rover Sport seine distinguierte Herrschaft. Ein ideales Zuhause bietet man dem Landedelmann, wenn er sich zuerst im eigenen Park tummeln und anschließend auf der Autobahn austoben kann. "Sport" steht nicht für ein Ausstattungspäckchen, sondern ist Programm der Baureihe. Mit dem Zusatz "Supercharged" geht die Zwingburg aus Metall auch ab wie ein Sportler. 390 PS katapultieren dann 2,5 Tonnen nach vorn, so leichtfüßig bewegt sich der Koloss dann, dass man das Gaspedal nur zärtlich massieren darf, sonst geht das Füllen noch durch. Optisch ist der Sport ein echter Range Rover. Auf den ersten Blick ist der Range Rover Sport kaum vom größeren Range Rover zu unterscheiden. Schürzen und Grill verschärfen die Front, an der Seite fallen die Kiemen ins Auge, außerdem ist die Fahrzeugsilhouette wesentlich flacher.

Lustig die Rösser traben

Zur Motorisierung könnte man mit gutem Willen auch einiges Positive berichten. Beispielsweise, dass es den Landlord auch mit anderen Motoren gibt. Um der Gerechtigkeit willen sei erwähnt, dass der Motorblock das klotzige Fahrzeug mit angenehmer Lässigkeit beschleunigt. Von Null auf zweihundert geht es in einem Zug, ohne jedes Schwächeln. Die Beschleunigungswerte reichen immer aus, um nervige A4- und BMW 5er-Fahrer mit ihren Dienstwägelchen in die Schranken zu verweisen. Bei 225 km/h wird abgeregelt, auf Hundert ist man in weniger als acht Sekunden. Der Kompressor bläst dem 4,2-Liter Achtzylinder 390 PS und ein Drehmoment von 550 Nm ein. 80 Prozent des Drehmoments gibt es schon bei 1500 U/min, damit kommt man standesgemäß aus der Parklücke. Die Sechsgang-Automatik wurde perfekt auf den Wagen abgestimmt. Harmonisch und mit Pfeffer geht es voran.

Das elektronisch gesteuerte Luftfahrwerk ist dabei nicht nur verschlammten Abgründen gewachsen, es auch keine Bange vor der Höchstgeschwindigkeit. Nur, bei jeder Berührung des Gaspedals scheint John Bull unter der Motorhaube sich ein Doppel-Pint Super Plus zu genehmigen. Ergebnis: Bei durchaus moderater Fahrweise sollte man 25 Liter kalkulieren. Der Streckenmix von Großraum Hamburg, gemächliche Autobahn unter 140 km/h und etwa 30 km Top-Speed verlangt nach etwa 340 km das Einparken an der Zapfsäule.

Die Säule der Wahrheit

Wen wundert der Verbrauch? Die markige Form des Range Rovers besitzt die Windschlüpfrigkeit einer Tiefkühltruhe. Flotte Fahrten im Rahmen von 200 km/h schlürfen den Tank ratzfatz leer. Wer dennoch schnell lange Strecken zurücklegen möchte, sollte sich einen Stahlrahmen anschweißen lassen, auf dem er zwei Barrel-Fäßchen mit auf die Reise nehmen kann. So wusste schon die glorreiche rote Arme die Reichweite ihrer T 34 Panzer zur erhöhen. Im Vergleich zum Range Rover waren die übrigens eher sparsam. Zu gut Deutsch: Trotz Leistung nervt der Motor. Wer so etwas fährt, muss es sich gefallen lassen, von den eigenen Kindern als Umweltsau verachtet zu werden. Der Autor jedenfalls hat sich geschämt und es vorgezogen, selbst Fahrten bei denen der Sprit per Firmenkarte bezahlt wird, nicht mit diesem Saurier zurückzulegen. Wer beim Thema Benzin vollkommen schmerzfrei ist, sollte den Gang zum Tuner nicht scheuen, denn beim Kompressor geht sicher noch etwas.

Kein Schwanken, kein Wanken

Die Luftfederung mit ihrer Dynamic Response bringt den Wagen ohne Wanken durch die Kurven. Im Gelände steht der Sport dem Discovery kaum nach. Das Terrain-Response System, das variable Allradsystem mit seinen Programmen und Sperren kommen mit der variablen Luftfederung überall durch. Die etwas grobschlächtige Gestaltung der Mittelkonsole passt allerdings eher zum Image des Discovery.

Der Supercharged mit Vollausstattung kommt auf 76.700 Euro, das sind über 20.000 Euro weniger als ein vergleichbarer Range Rover. Den Diesel gibt es ab 48.600 Euro. Wer sich für ihn entscheidet findet ein exzellentes Fahrzeug mit einem besonderen Flair und einem Motor für den man sich nicht schämen muss.


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