HOME

Seat Formula 1430: Tollkühne Männer in ihren knatternden Kisten

Vor 43 Jahren rief der spanische Autobauer Seat eine eigene Formel-Rennsport-Serie ins Leben: Die Rahmenbedingungen waren einfach und garantierten spannende Zweikämpfe.

Man mag es kaum glauben, aber es gab einen spanischen Formel-Rennsport vor Fernando Alonso. Anfang der 70er Jahre in der "Formula Nacional", die später "Formula 1430" heißen sollte. Das Prinzip war einfach: Seat stellte die Motoren und Getriebe (vom Seat/Fiat 600), die Teams steuerten das Chassis bei. Beim Bau der einsitzigen Boliden mussten folgende Parameter eingehalten werden: der Achsabstand musste zwei Meter betragen und das Minimalgewicht: 420 kg. Der Vierzylinder-Motor stammte aus der Seat Limousine 1430, hatte einen Hubraum von 1.430 Kubikzentimeter und generierten 75 PS. Bei einem Gewicht von 420 Kilogramm reichte das auch aus, um Dampf zu machen.

Allerdings wäre es sicher ein interessantes Experiment, wenn sich der zweifache Formel-Weltmeister in das Cockpit eines "Seat-Formula-1430"-Boliden zwängen würde. Das Cockpit ist extrem eng und das kleine Lenkrad, dessen Kranz in etwa die Dimensionen eines Lyoner-Wurstrings hat, liegt quasi auf den Oberschenkeln. Schuhgröße 43 erweist sich schon als unüberwindbares Hindernis um in der Röhre, die kaum den Namen Fußraum verdient, die Pedalerie zu bedienen. Bei der Fünfgang-Schaltung mit dem runden Gangknüppel rechts im Cockpit ist es kaum anders. Die Instrumente sind ebenso puristisch: Drehzahlmesser (bis 8.000 U/min), Wassertemperatur, Öldruck, zwei Kontrollleuchten und drei Schalter - das war\'s.

Wer hier Platz finden oder ein Rennen bestreiten will, sollte 1,70 Meter Körpergröße und 65 Kilogramm Gewicht nicht überschreiten. Genauso so puristisch, wie das Innenleben ist auch die Optik des Seat-Monopostos. Während sich Anfang der 70er in der Formel 1 der geniale Konstrukteur und Lotus-Teamchef Colin Chapman schon mit extremen aerodynamischen Konzepten versuchte, sah der Seat 1430 aus, wie eine hochgezüchtete motorisierte Seifenkiste, bei der die Mechaniker auf einmal keine Lust mehr hatten. Die schmalen Reifen, die eher die Bezeichnung Teerschneider verdienen, verstärken diesen Eindruck nur noch. Die Aufhängung mit Dreiecks-Querlenkern und Spiral-Federn über den Dämpfern gehört zum Einmaleins des Rennsports. Alles einfach. Alles für jedermann.

Das Gleiche gilt für den Motor. Die Technik beherrscht ein KFZ-Mechaniker im Schlaf. Das Triebwerk liegt völlig frei. Verkleidung? Fehlanzeige. Der Vierzylinder gibt sein grölendes, ungehobeltes Verbrennungsgeräusch ungefiltert an den Piloten weiter, der nur durch einen schmalen Überrollbügel getrennt direkt vor der sprotzenden Höllenmaschine sitzt. Nach einiger Fahrzeit dürfte es da auch richtig warm werden. Der Heckflügel erinnert mehr an ein überdimensioniertes iPad, als an ein abtrieberzeugendes Hilfsmittel. Das alles störte die tollkühnen Männer in ihren knatternden Kisten nicht. Beim ersten Rennen auf der Jarama-Rennstrecke in Madrid, lieferten sich die Piloten auch spannende Rad-an-Rad-Kämpfe.

Einer der Fahrer war Salvador Canellas, der erste Spanier, der einen Motorrad-GP gewann. Nachdem er in der Formel 1430 Blut geleckt hatte, machte er im Rallye Sport weiter und holte sich 1972 die spanische Rallye-Meisterschaft.

Press-Inform / pressinform
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.