Skoda Superb Combi Der bezahlbare Luxus


In der Vollausstattung bietet der große Skoda Luxus, den man sich noch leisten kann. Er überzeugt als Reisewagen, powert mit seinem Sechszylinder und nervt mit einem kleinen Tank.
Von Gernot Kramper

Fahre ich in dem besseren Benz? Glaubt man den Fachmagazinen, ist das die entscheidende Frage, sobald man sich in einen Skoda Superb setzt. Ob sich der Superb Combi mit einem voll ausgebauten T-Modell der E-Klasse messen kann, ist dennoch eine sinnlose Frage. Im Zweifel baut Mercedes immer noch mehr in seine Wagen ein. Mehr Assistenten, mehr Zylinder, mehr Komfort und mehr Prestige - dieses Mehr lassen sich die Stuttgarter entsprechend vergolden. In solche Preisdimensionen stößt Skoda gar nicht vor – der normale Kunde wird es danken. Mit sechs Zylindern, Allradantrieb und Vollausstattung liegt der Skoda in der Liste bei etwa 42.000 Euro. Dafür gibt es allerdings zwar auch schon eine E-Klasse T – allerdings mit vier Zylindern und frugaler Grundausstattung.

Die Antwort auf die Benz-Frage fällt einem Normal-Verdiener leicht: Den Superb kann man sich leisten, von der voll ausgebauten E-Klasse nur träumen. Beim Image haben die deutschen Premiummarken sicher die Nase vorn, aber während der 14tägigen Ausfahrt mit dem großen Skoda wurde man mehrmals auf den Wagen angesprochen. Der Designpreis "red dot award" wurde also nicht umsonst verliehen.

Luxusträume zum erschwinglichen Preis

Für 42.000 Euro Listenpreis gibt es bei den Tschechen jedenfalls keine leere Hütte. Im Skoda sitzt es sich ausgesprochen fürstlich. Die Verarbeitung ist auch in den günstigeren Versionen sehr gut, aber im Top-Modell mit Lederausstattung kommt das Endfinish besonders edel heraus. Der Superb bietet unendlich viel Platz und legt dabei, anders als alle Konkurrenten – ein besonderes Augenmerk auf die Passagiere der zweiten Reihe. Wer vom Fahrersitz in den Fond wechselt, stellt verblüfft fest, dass er dort fast noch besser untergebracht ist. Diese Fond-Optimierung ist einerseits löblich, anderseits aber auch irritierend. Wer nämlich meist allein oder zu zweit unterwegs ist, fühlt sich leicht wie ein Chauffeur ohne Herrschaften. Die Beinfreiheit im Fond ist unerreicht und das Ladevolumen reicht von 633 bis zu 1.865 Litern.

Zu kleiner Tank

Die Top-Motorisierung macht zwar ausgesprochen viel Freude, der typische rational entscheidende Skodakäufer dürfte vor dem Sechszylinder mit 260 PS zurückschrecken. Zumal es den größten Diesel mit 170 Diesel-PS eben auch mit optionalem DSG und Allradantrieb gibt. Der große Benziner schiebt den Reisewagen dann auch mühelos vor sich her, die Beschleunigung läuft über das breite Drehzahlband, der Komfort der DSG-Schaltung überzeugt wie immer. Natürlich wird ein Kombi mit 4,84 Metern Länge per se nicht zu einem Flitzer und Rennauto. Der Superb ist darauf spezialisiert weite Strecken souverän und entspannt zurückzulegen. Einziges aber nerviges Manko ist der für einen Reisewagen mit sechs Zylindern eindeutig zu klein dimensionierte Tank. Nach etwa 400 Kilometern blinkt die Reserve – da würde man sich doch 15 Liter mehr Fassungsvermögen wünschen oder doch einen Diesel mit reduzierten Verbrauch unter der Haube.

Skoda gibt einen Durchschnittsverbrauch von 10,2 Litern an - innerorts spricht das Prospekt von 14,4 Liter. Im gefahrenen Zeitraum waren es im Durchschnitt etwas weniger als 11 Liter. Allerdings größtenteils mit Dachkoffer, laufenden Stromverbrauchern, Reisegepäck und bis zu vier Personen an Bord. Der vom Werk angegebene Wert erscheint daher durchaus realistisch.

Es geht auch etwas weniger üppig

Das entspannte mühelose Dahingleiten bietet der große Superb in Perfektion. Es ist ein Wagen, aus dem man entspannter aussteigen kann, als man eingestiegen ist. In der Vollausstattung bietet der viel Ambiente und High-Tech-Spielereien für sein Geld. Wer rechnet, wird auch mit etwas weniger zufrieden sein. Mit leichten Abstrichen in der Ausstattung lässt sich der Superb auch in die Preisregion von 30.000 Euro navigieren. Und dort ist er vor allem ein brandgefährlicher Konkurrent für Mondeo, Insignia und Passat.

Anmerkung zu den Kommentaren: Für so einen Artikel bekommt man natürlich nichts. "Preis und preiswert" sind – wie immer – relative Urteile. Wer wirklich sparen muss, darf sich natürlich nicht bei großen Sechszylindern mit Vollausstattung umschauen. Eine Binsenweisheit, die man nicht bei jedem Artikel dazuschreiben mag.


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