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Victory: Amerikanischer Purismus

Der Harley-Fahrer legt Wert auf Show und Glamour. Der Victory-Pilot hingegen kann seine Freude auch an der Technik haben. Denn der Motor der Maschinen hat es wirklich in sich.

Von Walter Hasselbring

Motorräder zu verkaufen ist seit Monaten so schwierig, wie die SPD beim Wähler populär zu machen. Um so erstaunlicher ist es, dass sich die amerikanische Marke "Victory" traut, ihre Krafträder gerade im Herbst 2009 auf den Markt zu bringen. Im Herbst, wenn der gemeine Biker sein Gefährt einmottet.

Doch die Amerikaner strotzen vor Selbstbewusstsein. Gleich mit fünf Modellen, die wiederum in verschiedenen Varianten zu haben sind, prescht "Victory" auf den Markt. Eines ist allen gemeinsam: Sie haben den gleichen Motor unter der Sitzbank. Der hat es allerdings in sich. Der großvolumige Zweizylinder hat 106 Kubikinch, wie die Amerikaner messen, das entspricht 1731 ccm. Damit leistet der 50 Grad-V- Motor 89 "Horsepowers" und kommt auf ein maximales Drehmoment von 140 Newtonmetern. Das Aggregat hat eine moderne Einspritzanlage mit Vierventiltechnik.

Statt einer Kette bringt ein Riemen die Kraft aufs Hinterrad. Eine Anti-Hopping-Kupplung erleichtert das Anfahren. Wir fuhren eine "Hammer", die von den Neulingen aus Übersee als das "Volumenmodell" erwartet wird. Sie ist nahezu baugleich mit der "Jackpot", die sich vor allem durch ein größeres Vorderrad (21 Zoll statt 18 Zoll) unterscheidet. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass der Chopper aus Minnesota vor allem der Konkurrenz aus dem eigenen Lande Kunden abjagen soll. Besonders hat es der Victory Marketing-Chef Torsten Zimmer auf Interessenten abgesehen, "denen bei Harley-Davidson der Schnickschnack an den Maschinen und der Rummel drum herum missfällt."

Freude an der Technik

Zwar sieht unsere Testmaschine in ihrer quietschgrünen Lackierung auch nicht gerade unauffällig aus, sie ist aber doch wesentlich dezenter als eine Harley. Während der typische Harley-Fahrer mehr Wert auf Show und Glamour legt, wird der Victory-Pilot auch seine Freude an der Technik haben.

Weder beim Fahrwerk, noch bei den Bremsen oder gar den Fahrwerten gibt es etwas zu mäkeln. Der Hammer-Fahrer kann auch durchaus mal mit Sportfreunden anderer Marken mithalten, denn die Maschine ist weitaus handlicher in Kurven und vor allem schneller in der Endgeschwindigkeit. Fast 200 Stundenkilometer sind mit der Hammer zu erreichen, was auf einem Chopper mit der aufrechten Sitzposition aber nicht gerade ein Vergnügen ist. Die Schräglagen sind allerdings auch nicht gerade das Metier der Victory. Ziemlich schnell haben die Fußrasten Bodenkontakt.

Der Federweg am Hinterrad ist so knapp bemessen, dass das Rückgrat die Arbeit des Federbeins mit übernehmen muss. Besonders dann, wenn hinten noch ein Passagier drauf sitzt oder sagen wir lieber mal draufhockt. Denn die Beine sind schon bei mittelgroßen Beifahrern bis zum Anschlag angewinkelt. Länger als eine halbe Stunde hält das kein Mensch aus. Die kleine Sitzgelegenheit wird im Normalfall von einem Plastikteil abgedeckt, so dass die Hammer wie ein Einsitzer aussieht. Nimmt hinten die Liebste Platz, kann das Stück Plastik vorne als Windschild untergebracht werden. Sehr praktisch! Die Mitnahme von Gepäck ist bei der Hammer in der Grundausstattung nicht vorgesehen.

Seit September auf dem Markt

Erstaunlich war bei unseren Fahrten rund um Hamburg, wie viele Passanten die Marke mit Kennerblick bestaunten. Der Parkwächter an den Fischauktionshallen grüßte beispielsweise freundlich mit der Frage: "Ist das diese Neue aus Amerika?"

Alles in allem bekommt man für knapp 14 000 Euro ein sehr gutes bestens verarbeitetes Motorrad. Die Marke ist zwar hierzulande erst seit September auf dem Markt, existiert in den Vereinigten Staaten aber schon seit über zehn Jahren. Hinter dem Markennamen verbirgt sich mit der Firma Polaris ein weltweit bekannter Hersteller von ATV-Fahrzeugen und Snowmobilen. Da darf man wohl eine robuste Konstruktion erwarten Von Anfang an soll der Service bundesweit abgedeckt werden. So hat Marketing-Chef Zimmer bislang schon fast zwei Dutzend Händler unter Vertrag genommen. Die können nicht nur den kompletten Modelljahrgang 2010 offerieren, sie haben auch umfangreiches Zubehör zu bieten. Darunter finden sich allerdings viele Teile, mit denen eine Victory einer Harley-Davidson ziemlich ähnlich sieht.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.