HOME

VW Caddy Maxi Life 2.0 TDI: Bulli-Ersatz, Kinder-Maxi-King, Kangoo-Killer

Der Maxi ist das Überraschungsei für die ganze Familie - kann die neue Langversion des VW Caddy drei Dinge auf einmal? Neben mehr Platz macht ihn attraktiv. Leider gibt es den soliden Lastesel nur zu Apothekerpreisen.

Wir haben es immer gewusst: Es kommt doch auf die Länge an. Um fast einen halben Meter mehr Länge hat VW seinem Nutzfahrzeug Caddy spendiert. Der Radstand verlängert sich um 32 Zentimeter, der hintere Überhang um 15 Zentimeter. Sieht der Caddy jetzt schöner aus? Nein. Immerhin gibt es 16-Zöller, damit die Felgen im 4,88 Meter langen Volkswagen nicht optisch untergehen. Doch beim virtuellen Treffen der anonymen Van-Alternativen begrüßt uns das Auto immer noch mit dem Satz: "Mein Name ist Caddy Maxi, und ich bin ein Nutzfahrzeug".

Das klingt verdächtig nach VW Bulli. Tatsächlich erinnern 800 Kilogramm Zuladung und 4,2 Kubikmeter Stauraum (Kastenwagen) an die Dimensionen des Transporter-Urahns T1. Taugt die verglaste Familienversion Maxi Life also gar als Ersatz für den teuren T5?

Es muss nicht immer Bulli sein

Immerhin bietet der Maxi sieben Personen bequem Platz. Kopf- und Kniefreiheit gibt es reichlich. Auf der hintersten Sitzreihe schränkt nur der flache Boden den Langstreckenkomfort ein, weil Erwachsene mit angewinkelten Knien sitzen müssen. Mit ein paar Schlaufen kann man die Sitzlehnen von beiden Seiten umklappen, die vordere Sitzbank lässt sich komplett aufstellen.

Wer das maximale Kofferraumvolumen (3700 Liter) braucht, muss die zweite Bank abschrauben und in der Garage lagern. Doch selbst als Siebensitzer bietet der Caddy Maxi bis unters Dach noch 530 Liter fürs Gepäck. Der T5 natürlich noch mehr - aber dafür ist er auch rund 10.000 Euro teurer. Zwischenfazit: Es muss nicht immer Bulli sein.

Wird der gestreckte Caddy auch zum Kinder-Maxi-King? Im Gegensatz zum T5, Sharan oder Touran schauen die Fond-Passagiere durch kleine Fenster, die sich in bester Schießscharten-Manier nur ein Stück öffnen lassen schön ist anders. Dafür gibt es familienfreundliche Schiebetüren, und eine niedrige Ladekante hilft beim Hereinwuchten des Kinderwagens. Der Innenraum des Maxi Life ist robust genug, um ein Drama zu verhindern, wenn sich der Nachwuchs den Frühstücksbrei durch den Kopf gehen lässt. Auch als Familienkutsche dürfte der gestreckte Caddy also seine Käufer finden.

Auf Kangoo-Kurs?

Damit wäre er auch ein Konkurrent des beliebten Renault Kangoo, der in seiner neuesten Auflage ebenfalls einige Zentimeter zugelegt hat. Mit 4,2 Metern bleibt er zwar deutlich kürzer als der Maxi und bietet logischerweise weniger Stauraum. Doch das Grundkonzept (hoher Aufbau, Schiebetüren, robustes Interieur) ist ähnlich.

Das Franzosen-Interieur zeigt aber mehr Pfiff im Detail. Das zeigt sich etwa an den Klapptischchen für die Fond-Passagiere und den praktischen Dachablagen. Beim Caddy gibt es nur eine offene Ablage über dem Cockpit und winzige Netze über den Seitenscheiben. Beim Kangoo wartet im Himmel eine Ablagen-Batterie mit verschließbaren Klappen. Zudem entsteht beim Umklappen der Sitze eine ebene Ladefläche, ohne dass man eine Bank ausbauen muss.

Beim Fahrkomfort hat der Kangoo ebenfalls die Nase vorn, obwohl beide Fahrzeuge an ihren Hinterachsen (Halbstarrachse mit Schraubenfedern beim Kangoo und Starrachse mit Blattfedern beim Caddy) simpel aufgebaut sind. Der Maxi-Caddy poltert trotz der insgesamt guten Straßenlage heftig über jede Bodenwelle. Vorteil der Konstruktion: Wenn man den Maxi mal überlädt, lässt es das Fahrwerk völlig kalt.

Ob der Caddy zum Kangoo-Killer taugt, werden die Verkaufszahlen zeigen. Es wäre jedoch nicht überraschend, wenn Renault über kurz oder lang einen gestreckten Kangoo anbietet, um mit VW gleichzuziehen.

140 Pferde auf großer Fahrt

Wer den Caddy Maxi Life als Reisemobil nutzen will, findet ab sofort neben dem gewohnten 1.9 TDI auch den 2.0 TDI (140 PS) im Angebot. Der Zweiliter-Diesel bietet reichlich Reserven beim Überholen, ist auf der Autobahn für 186 km/h gut und beschleunigt den großen Caddy aus dem Stand in 10,6 Sekunden auf 100 Sachen.

Geschaltet wird mit sechs Gängen, ein Sechsgang-DSG ist momentan nur für den 1.9 TDI lieferbar. VW will über ein Direktschaltgetriebe für den 140 PS-Diesel aber ebenso nachdenken wie über den Einsatz des neuen Siebengang-DSG im 1.9 TDI es hänge davon ab, ob die Kunden in der Zukunft dementsprechende Wünsche äußern.

Der Caddy Maxi Life kostet 22.122 Euro (1.9 TDI) bzw. 24.633 Euro (2.0 TDI) und ist damit jeweils rund 1700 Euro teurer als der normale Caddy Life Siebensitzer. ESP ist selbst beim 140 PS-Caddy nur gegen Aufpreis zu haben. VW Nutzfahrzeug-Chef Wolfgang Schreiber findet dazu klare Worte: "ESP kostet Geld. Es gibt nichts geschenkt im Leben, auch nicht bei Volkswagen".

Diesen Satz sollte VW gleich mit in die Ausstattungsliste drucken. Climatic, höhenverstellbare Sitze, eine Multifunktionsanzeige oder Ablagen unter den Sitzen lässt sich VW ebenfalls extra bezahlen.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.