Lange wurde spekuliert, jetzt ist er da: Mit dem Luce präsentiert Ferrari sein erstes reines Elektroauto und wagt damit einen monumentalen Schritt in die Zukunft. Die Erwartungen an das Debüt waren immens, nicht nur weil die Traditionsmarke aus Maranello damit Neuland betritt, sondern auch wegen einer außergewöhnlichen Partnerschaft. Für das Design, innen wie außen, zeichnet kein Geringerer als der ehemalige Apple-Chefdesigner Jony Ive verantwortlich.
Das Ergebnis ist ein Auto, das bewusst mit Konventionen bricht. Der Luce, italienisch für „Licht“, ist kein klassischer Ferrari. Statt als flacher Supersportwagen kommt er als viertüriger Fünfsitzer daher, der mit seiner unkonventionellen Formsprache überrascht. Ives Firma LoveFrom erhielt von Ferrari die kreative Freiheit, die Designrichtung von Grund auf neu zu definieren. Dies führte zu einer Karosserie, die wie eine glatte, ununterbrochene Hülle wirkt, welche die großzügige Glaskabine umschließt.
Leistung satt
In anderer Hinsicht ist der Luce dagegen voll Ferrari: Mit vier Motoren bringt er bis zu 1050 PS auf die Straße. 310 km/h schafft der Luce damit im Peak – wenn auch nur im Performance-Modus. Durch eine Boost-Funktion soll er in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 und in 6,8 bei 200 km/h kommen.
Um den Akku zu schonen, gibt es allerdings noch zwei weitere Fahrmodi, die Leistung und Energieverbrauch ins Gleichgewicht bringen. Im Range-Modus, bei dem die beiden Frontmotoren weitgehend ungenutzt bleiben, soll der Luce 530 Kilometer aus der 122-kWh-Batterie holen. Allerdings ist er dabei auf „nur“ 260 km/h begrenzt. Der sogenannte Tour-Modus ist ein Zwischenschritt zwischen den beiden Extremen, hier nutzt der Luce alle Motoren, aber auf höchstens 625 PS.
Ferrari Luce: Nicht jeder ist begeistert
Das Design ist unter Fans umstritten. „Er wirkt wie ein Kia“, meckert etwa ein Nutzer unter Ferraris Youtube-Clip. Die Formen sollen der besonderen Windschnittigkeit geschuldet sein, versichert Ferrari. Allerdings ist durchaus Ives Vorliebe für klare, runde Formen erkennbar.
Besonders im Innenraum wird seine Philosophie deutlich. Anstatt auf riesige Touchscreen-Landschaften zu setzen, wie es bei vielen E-Autos üblich ist, feiert der Luce die Haptik. Präzise gefertigte mechanische Knöpfe, Drehregler und Schalter aus Aluminium und Glas dominieren das Cockpit und schaffen eine Brücke zwischen analoger und digitaler Welt. Ein zentrales, schwenkbares „Multigraph“-Display kann je nach Bedarf als Uhr, Stoppuhr oder Kompass fungieren, wobei digitale Anzeigen mit echten Metallzeigern kombiniert werden.
Dieser Fokus auf taktile Qualität und minimalistische Ästhetik, gepaart mit modernster Technik wie den zwei übereinanderliegenden OLED-Displays im Kombiinstrument, macht den Innenraum des Luce zu einem Statement. Es ist der Versuch, die emotionale, physische Verbindung zum Fahren auch im Zeitalter der Elektromobilität zu bewahren – ein mit Spannung erwartetes Projekt, das Ferraris Weg in die Zukunft entscheidend prägen wird.