Fiat Multipla Faltenfreie Front


Sein Vorgänger war ein Design-Unfall. Am neuen Fiat Multipla ersetzt eine glatte Schnauze den alten Knautschlook.

Multipla erinnert zwar entfernt an ein heimtückisches Nervenleiden, doch es ist nur ein Auto. Von Fiat. Allerdings eines, das 1999 zur Markteinführung mit Leichtigkeit den ersten Preis in der Fernsehshow "Deutschland sucht den optischen Super-GAU auf Rädern" gewonnen hätte. Wegen seiner wulstigen und verknautschten Front sollen sich Mitreisende in dem sechssitzigen Italo-Van sogar verschämt in den Fußraum weggeduckt haben, berichten Spötter, um von Bekannten nicht gesehen zu werden.

Technische Daten

Motor

Hubraum 1,9 Liter, 85 kW/115 PS

Fahrleistung

0-100 km/h: 12,2 Sekunden; Höchsttempo 176 km/h

EU-Norm-Verbrauch

6,4 Liter Diesel je 100 km

Abmessungen

L/B/H: 4,10/1,87/1,70 Meter

Preis

ab 19.950 Euro

Die Neuauflage verursacht keine Augenschmerzen mehr. Die Front ist sozialverträglich glatt gebügelt. Offizieller Grund für die Designretusche ist die gewollte Familienähnlichkeit aller Fiat-Modelle. Doch inzwischen gesteht Entwicklungschef Nevio di Giusto: "Einige Interessenten hatten vielleicht kleinere Schwierigkeiten, sich dem Multipla mit Sympathie zu nähern." Kann man wohl sagen. In Deutschland blieb der Familienbus mit der genial vergeigten Optik ein Ladenhüter. Ob der Nachfolger mehr drauf hat, klärt ein stern-Fahrbericht.

Glanz & Gloria:

wenig. Die Qualitätsprobleme vergangener Tage wirken lange. Wer heute Fiat fährt, ist im Herzen Italiener aus Trotz. Für ihn ist aber auch der neue Multipla noch eine Herausforderung. Zumindest im Cockpit. Inmitten stoffbespannter Wölbungen Marke Badvorleger ragen in der Mitte steil die Anzeige- und Bedienelemente hervor. Insider nennen die Installation aus Schaltern und Schiebern "Cantarella-Grill", benannt nach dem ehemaligen Fiat-Chef, unter dessen Regie die Armaturensammlung entstand. Auf alle Fälle individuell.

Gas & Spaß:

mäßig. Kann auch nicht anders sein, denn für sportliche Hetzjagden oder Kurvenakrobatik ist die Familienkutsche nicht gedacht. Trotzdem: Der 1,9-Liter-Dieselmotor zieht zügig ab, Lenkung und Fahrwerk sind eher straff ausgelegt, keine Spur von schwammigem Busgefühl. Das täuscht ohnehin. Denn mit knapp 4,10 Meter Länge ist der Multipla rund zehn Zentimeter kürzer als ein Golf.

Gleiten & Geniessen:

super. Zuerst kriegen Fahrer und Passagiere gar nicht mit, warum alles so locker, leicht und einfach geht. Eben weil alles im besten Wortsinne einfach ist. Keine Marketingmätzchen, kein technischer Overkill. Durchgehend glatter Wagenboden, vier Türen mit riesigem Öffnungswinkel, eine Heckklappe, groß wie ein Vordach, und als Clou zwei Dreier-Sitzreihen und Fenster groß wie Kinoleinwände. Die insgesamt sechs Sitze erinnern an robuste und bequeme Flugzeugsessel vor der Billigflieger-Ära. In der zweiten Reihe sind alle Einzelsitze verschiebbar, zum Umklappen oder leicht ausbaubar. Dann passen bis 1850 Liter Gepäck ins Heck.

Geld & Wert:

ordentlich. Die Basisausstattung bietet für Sicherheit und Komfort alles an Bord, was bei Kompakt-Vans derzeit üblich ist. Dafür geht der Preis von knapp 20.000 Euro voll in Ordnung. Pluspunkte sind Dreipunktgurte auch für die mittleren Sitze, Minuspunkt ist die in der Einsteigerversion nicht erhältliche Klimaautomatik. Für Sparfüchse und Umweltfreaks gleichermaßen interessant ist die Version des Multipla, die per Knopfdruck wahlweise mit billigem Erdgas oder Benzin angetrieben werden kann. Diese Variante kostet nur 800 Euro mehr und trägt den typisch italienischen Namen Natural Power.

Fazit:

Innen ein praktischer, überzeugender Großraum-Biedermann, der außen erkennbar ein Italiener geblieben ist. Eine Alternative zur gewohnten Van-Einheitskost mit Fernostqualitäten im Spaghettidesign.

Peter Weyer


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