Ford Falcon Mad Max' Kehrmaschine


Sie ärgern sich über hohe Spritpreise? In Australien bringen sich Menschen wegen ein bisschen Benzin gegenseitig um. Zum Glück nur im Kino: Die düstere Endzeitvision "Mad Max" machte Mel Gibson zum Star und sein schwarzes V8-Ungetüm unsterblich.
Von Sebastian Viehmann

Die Ölreserven der Welt sind fast aufgebraucht. Beim Kampf um Treibstoff herrscht Anarchie auf den endlosen Highways Australiens. Marodierende Motorrad-Banden verbreiten Angst und Schrecken, und ein kleines Häuflein Polizisten versucht vergeblich, die Reste der Zivilisation zusammenzuhalten. Das Szenario, mit dem Regisseur George Miller 1979 den Kultfilm "Mad Max" einleitet, ist faszinierend und erschreckend zugleich. Und es erscheint in einer Zeit, in der sich die Welt immer noch unbeirrt dem Rausch des schwarzen Goldes hingibt, nicht einmal völlig aus der Luft gegriffen.

Max Rockatansky (Mel Gibson) ist Polizist bei der "Main Force Patrol", doch abgesehen von der Polizeimarke unterscheidet die abgebrühten Gesetzeshüter nicht viel von ihren Gegenspielern. Mit Vollgas und schrillem Sirenensound jagen die Downunder-Cops Gesetzlose und nehmen dabei keine Rücksicht auf Zivilisten. Die Schrotflinte sitzt locker, und auf den bunt lackierten Streifenwagen sind die Namen der Besatzung aufgemalt wie bei einem Kampfflugzeug. Passenderweise heißen die Streifenwagen "Interceptor" - Abfangjäger.

Von Mad Max zum Weltstar

Max ist der Härteste von allen und behält beim Showdown auf dem Highway immer die Oberhand. Als er den völlig durchgeknallten "Nightrider" vefolgt und dieser kurz darauf merkt, dass Rasen absolut tödlich sein kann, hat Max ein Problem: Der Nightrider war Mitglied einer Motorradgang, die nun Jagd auf Max macht. Doch der dreht den Spieß um, schnappt sich ein auf 600 PS aufgemotztes rabenschwarzes Polizeifahrzeug und dezimiert den Bestand der bösen Buben ganz erheblich. Wegen der brutalen Szenen ist der Film nicht gerade ein Kandidat fürs Kinderfernsehen, und auf ein Happy End wartet man vergeblich.

Mel Gibson stieg als Mad Max zum Weltstar auf. Doch sein schwarzer V8-Interceptor mit dem gewaltigen Weiand-Kompressor, der aus der Haube hervorlugt, gibt vielen Film-Fans Rätsel auf. Kein Wunder, denn die Basis des martialisch zurecht gemachten Gefährts ist ein 1973er Ford Falcon XB GT Coupé aus Australien. Die "Aussie-Fords" der frühen 70er erinnern ein wenig an ihre amerikanischen Brüder Torino und Mustang, waren jedoch eigenständige Fahrzeuge. Unter der Haube brüllten dafür die gleichen kraftvollen V8-Motoren. Die Wagen bildeten eine Art Paralleluniversum zu den viel bekannteren amerikanischen Muscle Cars. Und auch sie starben aus, als Ölkrise und Umweltbewusstsein zu immer schärferen Abgasbestimmungen führten.

Nachbau bis ins kleinste Detail

Der schwarze Interceptor aus dem Film ist heute ein Kultmobil. Fans haben die Filmautos bis ins kleinste Detail nachgebaut und präsentieren sie auf Autoshows. "Es ist sehr schwer, ein Ford Falcon Coupé zu finden. Meistens müssen die Autos erst restauriert werden, bevor wir mit den Umbauten beginnen können", berichtet der erfahrene Replika-Bauer Grant Hodgson. Mit den Nachbauten der viertürigen MFP-Fahrzeuge kann man problemlos in Australien herumkurven. "Mit dem schwarzen Interceptor geht das wegen der Auspuffrohre und dem Kompressor nicht. In den USA oder Japan darf der Wagen aber auf der Straße fahren", berichtet Grant Hodgson.

Niedrige Kosten, hoher Profit

Auch im Fortsetzungsstreifen Mad Max 2 ist das schwarze V8-Ungetüm mit von der Partie und sogar mit Benzinfässern am Heck bestückt. Der Wagen ist so populär, dass der Modellauto-Riese Autoart jetzt eine aufwändige Replik auf den Markt bringt. Als Vorbild diente ein Nachbau des legendären Filmwagens, denn was aus dem Original wurde, ist ungewiss. Im dritten Teil der Mad-Max-Trilogie taucht der Interceptor nicht mehr auf.

Der erste Teil der Trilogie belegte im Guinness-Buch der Rekorde lange Platz eins in der Rubrik "Bestes Profit-/Kosten-Verhältnis": Obwohl der Streifen für ein Butterbrot gedreht wurde, waren die Einnahmen an der Kinokasse enorm. Das bescheidene Budget merkt man dem Film an. So wurde etwa die berühmte Verfolgungsjagd am Anfang zur Sicherheit erst am Schluss der Dreharbeiten gefilmt. Denn während bei heutigen Actionfilmen oft für jede Szene ein eigener Stunt-Wagen zur Verfügung steht, gab es bei Mad Max jedes Auto nur einmal. Für die Fahrzeuge der "Main Force Patrol" mussten ehemalige Ford Falcon-Streifwagen und sogar ein ausgedientes Taxi herhalten. Die Mühle war so herunter geritten, dass ständig dichter Qualm aus dem Auspuff waberte.

Gerüchteküche brodelt

Fast drei Jahrzehnte, nachdem Mad Max in die Kinos kam, brodelt übrigens heftig die Gerüchteküche. Es soll einen vierten Kinofilm geben, bei dem wieder George Miller Regie führt. Mel Gibson wird aber nicht mehr mit von der Partie sein, berichtet die Webseite von TV Movie: Der Hollywood-Star aus Australien habe keinen rechten Spaß mehr an Action-Streifen. Und Regisseur Miller wolle für die Hauptrolle ohnehin einen jüngeren Schauspieler.


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