Genfer Auto-Salon Klein, neutral und weltoffen

Der Auto-Salon in Genf spiegelt das Land wieder, in dem er stattfindet: Als klein, neutral und weltoffen wie die Schweiz kann man die Automesse bezeichnen, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert.

Mit 77 000 Quadratmetern ist der Genfer Salon deutlich kleiner als die großen Automessen in Frankfurt, Tokio, Detroit oder Paris. Die kurzen Wege, die Überschaubarkeit, der niedrigere Stress-Level machen die Autoshow am Genfer See gleichermaßen bei der Autobranche und beim breiten Publikum beliebt.

Weil es in der Schweiz seit Jahrzehnten keine relevante Autoindustrie gibt, ist der Genfer Salon wirklich offen, müssen sich die Ausstellungsmacher nicht einer dominanten nationalen Automobilproduktion beugen. So kommt es, dass sich neben den etablierten Autokonzernen auch junge Autoländer wie Indien oder Kleinstserien-Spezialisten und Automanufakturen beste Standplätze sichern können.

Die großen Autobauer erhoffen sich jedes Jahr einen automobilen Frühling und lassen die Messehallen am Flughafen zum Schauplatz zahlreicher Weltpremieren werden. Die Neutralität des Landes, aber auch die elegante Atmosphäre am Genfer See, lädt auch die großen Autobosse zu einem Besuch - viele Megadeals der Automobilindustrie wurden hier bereits hinter den Kulissen eingefädelt.

Die Stärken des Genfer Salons bestehen nach Auffassung der Veranstalter darin, dass er repräsentativ sei und jährlich stattfinde. Dies sei auch der Grund für die hohe Zahl der Weltpremieren. Dazu gehörten bisher der Audi Quattro (1980), die Mercedes A-Klasse (1997), der VW Scirocco (1977). Unvergeßlich sind die Präsentationen des Renault 16 (1965), des Citroen SM (1970) oder des Jaguar E-Typ (1961).

Zur Geburtstagsfeier werden Besucher zu einer Reise durch die verschiedenen Epochen eingeladen - in einem entsprechenden Dekor ähnlich wie in einem Filmstudio. Sie beginnt 1905, führt weiter in die 20-30er Jahre, die Nachkriegszeit, die 60er und 80er Jahre und endet mit einer futuristischen Vision. Gezeigt werden zwölf außergewöhnliche Fahrzeuge, die mit der Schweizer Automobilindustrie verbunden sind, darunter der Genfer Pic-Pic oder das älteste Schweizer Auto, der Thury-Nussberger von 1881.

Genf war immer ein Zentrum der schweizerischen Automobilenthusiasten. 1898 wurde hier der Automobilclub der Schweiz gegründet, der erste Automobilsalon der Schweiz fand vom 29. April bis zum 7. Mai 1905 in Genf statt. Der Anlass zählte 59 Aussteller und war ein beachtlicher Erfolg. Ab 1924 erhielt der Salon mit 200 Ausstellern seine internationale Ausrichtung. Der 75. Automobilsalon - es gab unter anderem wegen der Weltkriege Unterbrechungen - findet 2005 vom 3. bis 13. März statt.

In der Jubiläums-Sonderschau vom 3. bis zum 13. März unter dem Motto "100 Jahre automobile Fortschritte" wird mit dem Thury- Nussberger Dampf-Dreirad das älteste existierende Schweizer Auto präsentiert - es stammt natürlich aus Genf.

DPA


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