HOME

i-MIEV-Mitsubishi: "i" des Kolumbus

100 Kilometer Autofahren für unter einen Euro. Schöne Welt, oder? Mitsubishi will sie in zwei Jahren Wirklichkeit werden lassen, mit dem Kleinwagen i-EV. Der Haken: Sie müssen nach Tokio ziehen.

Von Michael Specht, Tokio

Wäre er nicht so bunt, kein Mensch würde im Trubel von Tokio diesen 3,40-Meter-Mitsubishi wahrnehmen. Auch dass er keine Geräusche von sich gibt, geht im Lärm der japanischen Mega-City unter. Wir sind unterwegs im i-EV, einem pfiffig designten Viersitzer, der sich von anderen Kleinwagen vor allem durch seinen Antrieb unterscheidet. EV steht für "electric vehicle". Der "i" fährt mit Strom, abgasfrei und leise. Im Prinzip nichts Neues. Schon vor über 100 Jahren hat man das getan, aber stets schnell wieder verworfen. Auch nach der Ölkrise 1973 flackerten hin und wieder mal Versuche auf. Ebenso, als Kalifornien in den 90-ern das "Zero Emission Car" forderte. Doch letztlich endete alles mit der Erkenntnis: Ohne die richtige Batterie ist das Elektroauto, so optimal es auch für den städtischen Verkehr wäre, eine Totgeburt.

Eine Lösung scheint nun in Sicht. Nach tonnenschweren Blei-Batterien und wenig leistungsfähigen Nickel-Hydrid-Akkus könnten zukünftig Stromspeicher Karriere machen, die in ähnlicher Form bereits in zig Millionen Laptops, Telefonen und anderen elektronischen Artikeln sitzen: Lithium-Ion-Zellen. Sie stellen momentan die Spitze dessen dar, was Leistungsdichte, Ladezeit und Gewicht betreffen. Größter Nachteil: der Preis. Lithium-Ion-Akkus, die ein Auto rund 200 Kilometer mit Strom versorgen sollen, kosten bis zu 20.000 Euro.

Maximale Power aus dem Stand

Doch die Entwickler bei Mitsubishi und dessen Kooperationspartner GSYuasa, einem der renommiertesten Batterie-Hersteller Japans, sind zuversichtlich, die Kosten schon in den nächsten Jahren deutlich zu senken. Hoffentlich, denn der i-EV fährt sich schlichtweg klasse. Nur mit einem leisen Surren geht es von Ampel zu Ampel. Der 1080 Kilo leichte Mini sprintet mit einer Dynamik nach vorn, die manchem Sportwagen gut zu Gesicht stehen würde. Denn Elektromotoren haben den unschätzbaren Vorteil, ihr maximales Drehmoment (hier sind es 180 Newtonmeter) schon ab der Drehzahl Null bereit zu stellen. Selbst aufgeladene Dieselmotoren schaffen dies frühestens ab 2000/min, darunter herrscht Atempause.

Der 47 kW (64 PS) starke Elektromotor des i-EV sitzt im Heck, treibt direkt die Hinterräder an. Die Batterie, ein Paket aus 88 Zellen, jede etwa so groß wie eine Videokassette, liegt flach unter dem Fahrzeugboden. Einschränkungen beim Platz und der Variabilität gibt es keine. Vier Personen reisen bequem. Auch im Cockpit ist alles wie gehabt. Lediglich der Drehzahlmesser wurde durch einen so genannten "Powermeter" ersetzt und zeigt an, wie viel Strom beim "Gasgeben" gezogen wird. Die ehemalige Tankuhr bildet nun den Ladezustand der Batterie ab.

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Zehn Jahre Batterie-Garantie

130 Kilometer soll der i-EV mit einer Stromfüllung schaffen, zumindest bei ausgeschalteter Klimaanlage (Sie mindert die Reichweite um etwa 25 Prozent). "Das Ziel für 2009, wenn der Wagen in Japan offiziell verkauft wird, ist mindestens 200 Kilometer," sagt Ken-ichi Tsutsumi, zuständig fürs Umwelt-Marketing bei Mitsubishi. Dann, so glaubt der Ingenieur, wird die Sache auch für Privatkunden attraktiv. Zudem soll es auf die Batterie eine Garantie von zehn Jahren oder 150.000 Kilometer geben.

Fast voll in 25 Minuten

Ein Problem aber bleibt. Neben den Kosten (doppelter Preis eines vergleichbaren Benzinautos) hadert es bei der Ladedauer der Batterie. Wir sind verwöhnt, dass der Kraftstofftank in weniger als drei Minuten gefüllt ist und wir die Fahrt fortsetzen können. Nicht so beim Strom. An der normalen Steckdose braucht es gut sieben Stunden, um den Akku wieder bis auf 100 Prozent zu laden. Eine Schnellladestation, die Mitsubishi mit drei japanischen Stromanbietern entwickelt hat, schafft 80 Prozent in nur 25 Minuten. Dazu besitzt der i-EV zwei unterschiedliche Steckdosen, eine rechts für den Hausstrom und links die andere für die Powerfüllung. Hört sich toll an, ist aber für eine längere Überlandfahrt immer noch unbrauchbar, es sei denn, man legt eine Restaurantpause ein. Praktisch wäre solch ein "Quick-Charger" hingegen für die Shoppingtour in der City. Auto im Parkhaus abstellen, Stecker rein, einkaufen gehen und mit voller Batterie wieder nach Hause.

100 Kilometer für 60 Cent

Das Ganze ist zudem unschlagbar günstig. Die niedrigsten Fahrtkosten erreicht der Mitsubishi "i-EV", wenn er mit billigem, weil überschüssigem Nachtstrom der Kraftwerke fährt. 100 Kilometer schlagen dann umgerechnet mit nur etwa 60 Cent zu Buche, rund ein Neuntel der üblichen Kosten bei Benzin- oder Dieselbetrieb. Bei Tagstrom soll der Wert immer noch bei einem Drittel liegen.

Ökobilanz-Rechner werden jetzt mit einem großen "Aber..." kommen. Denn auch die Kraftwerke pusten ja bei der Produktion von Strom CO2 in die Atmosphäre. Stimmt, sie tun dies aber, in Relation zur gewonnenen Energie, mit einem wesentlich besseren Wirkungsgrad. Die Gesamt-Energiebilanz gibt Mitsubishi mit einem Spareffekt von minus 72 Prozent an. Das schafft kein noch so sparsamer Diesel oder Benziner. Auch kein Hybrid. Nicht einmal eine Brennstoffzelle.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity