HOME

LA Autoshow 2006: Das Umweltgefecht

Die Zukunft wird von Sauber-Diesel, Hybrid oder einer Kombination aus beiden bestimmt. Den Massen-Markt wird aber nur der beherrschen, der Umweltfreudnlichkeit mit satter Leistung und schmalen Preisen kombinieren kann.

Auf dem Weg zu den Messehallen im Los Angeles Convention Center sieht man, wie der amerikanische Verkehr tickt. Die Autos sind gewohnt groß und stark, haben jede Menge Platz und sind bald wohl nicht mehr ganz so durstig wie bisher.

Wer in den USA von einem Hybrid-Hype spricht, verkennt die Macht der Zahlen. Bei im vergangenen Jahr mehr als 16 Millionen neu zugelassenen Autos werden nicht einmal zwei Prozent von einem Hybridherz angetrieben. Die Zahl der kombinierten Benzin-Elektrovehikel ist deutlich größer als in Europa, doch immer noch überschaubar. Auf der LA Autoshow kann man einen Blick auf die kleine Schar von neuen Modellen werfen. Unklar ist, wer langfristig das Rennen macht: Diesel oder Hybrid? Amerikanische Autoexperten können sich gut vorstellen, dass die Dieselaggregate den Hybriden bald den Rang ablaufen werden. Die J.D.-Power-Studie "Global Outlook For Diesel" prognostiziert, dass der amerikanische Diesel-Marktanteil auf 15 Prozent steigt. Nach den jüngsten Ankündigungen ziehen DaimlerChrysler, Audi und Volkswagen bei der Dieselvermarktung zukünftig an einem Strang. Der in den USA allein mit lauten Pick-Ups in Verbindung gebrachte Dieselbegriff soll verschwinden. Stattdessen prangt der neue, weitgehend unbefleckte Name Bluetec am Heck von sauberen Dieselmotoren aus good old Germany.

Erfolg mit Mogelpackung

Fraglos eine Art Mogelpackung, aber wohl die einzige Chance die europäischen Hightech-Selbstzünder in den USA hoffähig zu machen. Fragt man bei Volumenherstellern wie Saturn, Buick, Acura oder Ford nach Dieseltriebwerken der Zukunft, so bekommt man meist nicht mehr als ein Kopfschütteln. Sowohl die heimischen US-Marken, als auch die oftmals als Eigengewächse akzeptierten Japaner haben zumindest offiziell nicht viel im Köcher. Die Dieselentwicklungen in Europa beobachte man mit einem wachen Auge, hört man bei Toyota und auch bei Chevrolet verweist etwas zögerlich auf seine Dieselkompetenz in Europa. Konzentrieren wolle man sich in den USA jedoch auf Hybridtriebwerke. Bestes Beispiel in der neue Über-SUV Chevrolet Tahoe, der in Los Angeles erstmals mit einem Hybridantrieb zu sehen ist.

Europa ist nicht USA

Hier zeigen sich die Unterschiede zwischen Europa und Nordamerika. In unseren Breiten sind die in den vergangenen Jahren so erfolgreichen Sport-Utility-Vehicle mit einem Dieselanteil von 70 bis 80 Prozent unterwegs. Gerade die größeren Allradler wie ein Mercedes ML, Range Rover oder BMW X5 sind mit einem Benzintriebwerk nur von finanzstarker Kundschaft ohne Petrolgewissen zu bewegen. Die Alternativen zu Dieselmotoren fehlen völlig. Allein der Lexus RX 400h ist in Europa mit Hybridtechnologie zu bekommen – und das wohl auch nur deshalb, weil der Toyota-Konzern keinen großvolumigen Diesel in der Hinterhand hat.

Luxuskarosse ruiniert: In der Lieferzone geparkt: Porsche-Fahrer muss es auf die harte Tour lernen

Hybrid für 23.000 Euro

Statt der verbrauchsärmeren und drehmomentstarken Dieselmotoren setzt man in den USA auch zukünftig auf Hybridmodelle. Derzeit sind mit Toyota Highlander / 4Runner und Ford Escape bereits zwei Hybrid-SUV erfolgreich im Markt unterwegs, die auch in Los Angeles zu sehen sind. Groß sind die Erwartungen an den neuen Saturn Vue. War der alte Vue alles andere als ein Hingucker und konnte allein durch das Green-Line-Hybrid-Konzept auf sich aufmerksam machen, so geht zukünftig deutlich mehr über die Optik. Der lieblose Vorgänger wird nach der L.A. Autoshow von einem deutlich dynamischeren Modell abgelöst, den man auch in Deutschland kennt. Bei uns ist der Saturn Vue leicht modifiziert als Opel Antara auf dem Markt. Mit einiger Verzögerung kommt auch der neue Vue als Hybridmodell – zu einem Einstiegspreis von rund 23.000 US-Dollar. Vielleicht schon ein Hinweis auf einen Rüsselsheimer Antara, der mittelfristig auch bei uns mit einem Hybridmotor starten könnte.

Preis und Leistung nicht vergessen

Wenn schon Hybrid, dann richtig. Die US-Versionen geizen nicht mit Leistung. So verfügt ein in der unteren Mittelklasse startender Honda Accord Hybrid über einen Dreiliter-Benziner mit 253 PS. Darauf werden sich auch die deutschen Hersteller bei ihrem Diesel-Angriff einstellen wollen. Nur sauber und sparsam hat in den USA kaum eine Chance. Leistung und Preis sind es, die die Kaufentscheidung grundlegender denn je beeinflussen. Mercedes und Audi scheinen verstanden zu haben. Die Bluetec-Modelle von Mercedes haben drei Liter Hubraum und zunächst rund 210 PS. Ähnlich drehmomentstark wird auch der Audi Q7 3.0 TDI Bluetec unterwegs sein, der Anfang 2008 auf den US-Markt kommt. Auch VW will PS-starke und umweltfreundliche Diesel positionieren – man darf gespannt sein.

Stefan Grundhoff; Pressinform

Wissenscommunity