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CO2-Test bei Dienstwagen: Die schicken Limos der Kirchenoberhäupter

Liebe zur Schöpfung predigen, aber CO2-Schleudern fahren - so halten es nach wie vor einige Kirchenoberhäupter. Zwar sind die Abgaswerte der klerikalen Flotte insgesamt gesunken, aber es gibt weiterhin einige Unbelehrbare.

Von Erik Häußler

Ein Fahrzeug von Volkswagen, Modell Phaeton

Der VW Phaeton ist der größte Klimasünder unter den Dienstherren der Kirchenmänner. Der Essener Bischof Overbeck ist in diesem Wagen unterwegs.

Papst Franziskus lebt die biblische Tugend der Bescheidenheit - auch bei der Wahl seiner Autos. Im Sommer fuhr er auf seiner USA-Reise gar mit einem kleinen Fiat 500 vor das Weiße Haus. Die deutschen Kirchenoberhäupter scheinen davon nichts zu halten und fahren seit Jahren große Limousinen - einige davon sind noch immer echte Klimakiller.

Zum bereits fünften Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) 47 Oberhäupter der deutschen Kirchen beider Konfessionen, sowie deren Hilfsorganisationen nach dem Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ihrer Dienstwagen befragt. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Neben einer positiven Entwicklung gibt es auch weiter Unbelehrbare.

"Rote Karte" für Essener Bischof Overbeck

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck

Bereits zum dritten Mal in Folge landet der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck auf dem letzten Platz.

Wie im Vorjahr verteilte die DUH sieben "Rote Karten" für die größten Umweltsünder - wieder einmal ausschließlich an Katholiken. Auch der große Verlierer ist ein alter Bekannter: der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Wie bereits in vier der letzten fünf Befragungen landete er mit Abstand am Ende des Rankings. Bei Overbeck steht ein Phaeton mit mehr als 240 PS vor der Tür. Der VW liegt mit 224 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer rund 70 Prozent über dem geltenden EU-Grenzwert für Neuwagen von 130 Gramm. "Rote Karten" ging auch an die Bistümer in Augsburg, Mainz und Regensburg und die Hilfsorganisation Misereor für ihre Intransparenz. Sie hatten die Auskunft verweigert.

Trotz der gleichbleibenden Zahl "Roter Karten" sieht die DUH durchaus eine positive Entwicklung. Die Zahl der unter dem EU-Grenzwert liegenden Wagen ist leicht gestiegen, auf immerhin 23. Fast die Hälfte der Dienstwagen-Besitzer bekommt die "Grüne Karte". Darunter auch das Erzbistum Hamburg und die evangelische Kirche in Mitteldeutschland, die für ihren Umstieg auf klimafreundlichere BMW's der 3er- und 5er-Serie von den Umweltschützern gelobt wurden.

Die katholische Kirche holt auf

"Erfreulich ist vor allem, dass in diesem Jahr zwei katholische Kirchenoberhäupter an der Spitze stehen", sagt der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die Spitzenposition teilen sich das Bistum Dresden-Meißen und die Diözese Würzburg mit ihren leistungsstarken, aber klimafreundlichen Hybrid-E-Klassen von Mercedes. Dass zwei katholische Kirchen an der Spitze des Rankings stehen, ist eine Besonderheit, in der Regel sind die evangelischen Kirchen beim Thema Umweltschutz weit voraus. Nur sieben der 23 "Grünen Karten" gehen an katholische Einrichtungen.

Russische Mechaniker haben einen Bentley-Panzer aus Luxuswagen und Kettenfahrzeug gebaut.

Der Gesamtdurchschnitt des CO2-Ausstoßes der Dienstwagen beider Konfessionen sinkt seit Beginn der Befragung stetig. Waren es vor fünf Jahren noch über 170 Gramm CO2 pro Kilometer liegen die jüngsten Werte mit 132 Gramm/km nur noch knapp über dem Grenzwert.

Kirchenoberhäupter fahren meist Luxuskarossen

Resch fordert von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen - dazu zählen neben den Kirchen natürlich auch Politiker, Wirtschaftsbosse und Künstler - mit der Wahl ihrer Wagen ein Zeichen für den Umweltschutz zu setzen. Das Problem in Deutschland seien die Begünstigungen, beispielsweise bei den Steuern, für spritschluckende Nobelkarossen. Während in anderen EU-Ländern hohe Steuern für teure Wagen zu entrichten seien, könne man hierzulande auch den 500.000 Euro-Luxuswagen mit nahezu 60 Prozent von der Steuer absetzen. Er sehe bislang leider keine Bereitschaft in der Politik, dies zu ändern.

Einen Kleinwagen wie den päpstlichen Fiat 500 findet man aber selbst bei den klimafreundlicheren Wagen der Kirchenoberen nicht. Einzig die Leitung der Lippischen Landeskirche fährt mit dem VW Golf Plus einen Mittelklassewagen mit bescheidenen 105 PS. Die meisten anderen Fahrzeuge sind die Luxusmodelle der drei großen deutschen Autobauer Mercedes, BMW und VW. Richtig krachen lassen können es der Bischof aus Fulda mit seinem BMW 740d und der Präsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts in seiner 5er-BMW-Limousine. Beide Fahrzeuge haben 330 PS unter der Haube. Ein klimafreundliches Elektroauto fährt keiner der Kirchenoberhäupter.

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