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Erzwungene Diesel-Umrüstung Schluss mit der Wolfsburger Selbstherrlichkeit


Jetzt schickt der Staat die Schummel-Diesel in die Werkstatt. Die Umrüstung ist nicht mehr freiwillig - weder für Volkswagen noch für die Auto-Besitzer. Was man jetzt wissen muss.

Das Kraftfahrbundesamt (KBA) zeigt Volkswagen, wo der Hammer hängt. Von einem freiwilligen Rückruf kann nicht mehr die Rede sein, die Wagen müssen überarbeitet werden. Der Konzern nährte bisher den Eindruck, es sei alles nicht so schlimm. Und ging so vor, als würde es sich um einen ganz normalen Rückruf handeln, weil irgendein Teil nicht so perfekt funktioniere, wie man es von einem Volkswagen erwarten könne.

Der Staat hat jetzt die Hosen im Diesel-Skandal an

Das Kraftfahrbundesamt zeigt nun an, dass es nicht um eine Art von Kulanzregelung gehe. Die Zeiten, dass die Wolfsburger selbstverantwortlich und auch selbstherrlich entscheiden können, sind damit vorbei. Um es überspitzt zu sagen: Der Konzern, der Kunden und Behörden betrog, hat sich selbst zum Herrn des Verfahrens ernannt. So etwas wird es selbst im Autoland Deutschland nicht geben. Vor wenigen Wochen sprach man in Wolfsburg noch davon, man wolle die Pläne des Konzerns mit dem KBA abstimmen. Der Traum ist ausgeträumt: Sowohl für den Zeitraum, wie auch den technische Umfang der Nachrüstung wird Volkswagen jetzt Vorschläge anbieten. Aber am Ende wird das Kraftfahrbundesamt ein Verfahren anordnen.

 

Ehrenrettung für das Kraftfahrbundesamt

Der Staat zeigt also Zähne und das ist überfällig. Auch zur Ehrenrettung des Amtes. Denn die Behörde hat bislang nicht gerade geglänzt. Dass in Deutschland Millionen Trickser-Autos zugelassen wurden, liegt auch daran, dass die staatlichen Kontrolleure entweder unwillig oder unfähig waren, selbst eine kritische Überprüfung der Abgaswerte vorzunehmen.

 Konsequenzen für die Volkswagen-Kunden

Für die Eigentümer eines betroffenen Fahrzeugs hat der Akt der Behörde weitreichende Konsequenzen. Die Teilnahme an der Umrüstung wird damit verpflichtend. Bei einem Rückruf, der von Volkswagen allein initiiert wird, kann jeder selbst entscheiden, ob und wann er in die Werkstatt fährt. Diese Wahl besteht nun nicht mehr. Noch ist unklar, welche Konsequenzen Verweigerer erwarten. Zu erwarten ist aber, dass irgendwann die bisherige Betriebserlaubnis ohne Nachrüstung wiederrufen wird. Dann darf der Wagen in Deutschland nicht mehr bewegt werden.

 Die Ein-Jahres-Frist

Volkswagen wird versuchen, eine Frist von einem Jahr zu erhalten. Dann wird die Umrüstung der Wagen bei den meisten Kunden bei der Inspektion vorgenommen. Für den Kunden wäre das am wenigsten störend, zumindest für alle Wagen, die bei einem Vertrags-Händler gewartet werden. Alle übrigen Autos müssten extra in die Vertragswerkstatt geordert werden.

 Die Verweigerer

Bei über zwei Millionen betroffenen Fahrzeugen wird es auch ein paar Zeitgenossen geben, die nicht in die Nachrüstung einwilligen. Sei es, dass sie Leistungseinbußen des Autos fürchten oder dass es um die üblichen Querulanten handelt. Durch die Anordnung des KBAs haben sie nun keine Wahl: Wenn sie ihren Wagen weiter fahren wollen, müssen sie in die Werkstatt.

 Echte Problemfälle

Unklar ist bislang, wie mit Fahrzeugen verfahren wird, deren Motor sich nicht mehr im Original-Zustand befindet, weil die Maschine legal oder illegal getunt wurde. Die Anordnung des KBA wird auch diese Autos betreffen. Denkbar ist, dass die großen Tuningfirmen gemeinsam mit Volkswagen eine Lösung erarbeiten. Wer seinen Wagen mit einem nicht eingetragenen Chiptuning heiß gemacht hat, wird ihn auf eigene Kosten wieder in den Werkszustand zurückversetzen müssen. 


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