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Fit für den Rennsport: Böses Erwachen

BMW macht Autofahrer fit für den Rennsport. Mit einem BMW M4 GT4 lernen zukünftige Pole-Position-Jäger, wie man das Optimum aus einer 500 PS-Rakete herausholt. Doch der Kampf um die Ideallinie ist erbarmungslos.

Beim BMW M4 GT4 Rennsporttraining

Beim BMW M4 GT4 Rennsporttraining

Die Gerade zur Kurve zwei auf dem Red Bull Ring schmilzt zu einer Momentaufnahme. Bämm, Bämm, Bämm! Wie mit der Pistole geschossen hämmert das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf Schaltwippenbefehl die Gänge rein, untermalt vom metallischen Kreischen des Reihensechszylinder-Biturbo, der seinen 368 kW / 500 PS freien Lauf lässt. Rasend schnell nähert sich die Spitzkehre: Jetzt heißt es mit gut 80 Kilogramm, besser 100 Kilogramm in die Eisen treten, sonst tut sich bei der Rennsportbremse nur wenig und man landet unweigerlich im Kiesbett. Die Fünfpunkt-Rennsportgurte schrauben den Fahrer am Schalensitz förmlich fest, sonst würde man wie ein Flummi durch das Cockpit springen. Denn im lautet die Devise: Erst knallhart verzögern und dann den Druck reduzieren, um perfekt um die Kurve zu kommen. Die Bremsanlage mit den Sechskolben Festsätteln sowie 390 Millimeter großen Bremsscheiben vorne leistet ganze Arbeit und die Slicks krallen sich förmlich in den Asphalt. Bämm, Bämm, Bämm! Beim Runterschalten verspannt sich der Antriebsstrang. Jetzt einlenken und dann möglichst früh aufs Gas. Schließlich läuft die Uhr im Hintergrund unerbittlich mit.

Böses Erwachen
Beim BMW M4 GT4 Rennsporttraining

Beim BMW M4 GT4 Rennsporttraining

Wir sitzen in einem M4 GT4 - im Über-M4, der für den Rennsport optimiert ist und in diesem Jahr in Rennserien, wie der British GT Championship, der GT4 European Series oder dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring bereits 19 Klassensiege eingefahren hat. Teile wie Dach, Türen, Hauben, Frontsplitter und Heckflügel bestehen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Außerdem hat man alles Überflüssige aus dem Auto geworfen, so dass die Bayern-Rakete auf ein Kampfgewicht von 1.430 Kilogramm kommt. Der Sitz mit der verstellbaren Pedalerie und die Bremsen stammen vom großen Bruder BMW M6 GT3. Dazu kommen Rennzutaten, wie die Auspuffanlage, dreifach verstellbare Motorsport-Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse, in der Zug- und Druckstufe verstellbare Öhlin-Stoßdämpfer sowie ein mechanisches Drexler-Differential an der Hinterachse mit eigenem Kühler. Damit in entscheidenden Momenten die gesamte Motorleistung zur Verfügung steht, arbeitet die Klimaanlage nur dann, wenn der Fahrer bremst.

Weiter geht der wilde Ritt um den Red Bull Ring. Das Kurvengeschlängel des Infields hat es in sich: "Bei der langen Links siehst Du den Scheitelpunkt nicht und musst früh einlenken", hat mir der ehemalige DTM-Champion Martin Tomczyk eingeschärft. Die Profi-Tipps helfen und auch das Investieren in die Linie bei der kniffligen Links-Rechts-Kombination, die gleich daraufhin folgt, klappt. Also etwas weiter ausholen, damit man beim Herausbeschleunigen früher auf den Stempel steigen kann. Der BMW M4 GT4 macht es dem Fahrer leicht und fliegt, wie auf Schienen über den Asphalt der pittoresk gelegenen Rennstrecke. "Jetzt lässt Du es ganz schon fliegen, gut gemacht", knarzt es in meinem Ohr. Der Instruktor verfolgt die Fahrt mit wachsamen Augen, hat aber keine Chance mit dem BMW M5 der weißblauen Rennmaschine zu folgen. So gut ist der M4 GT4.

Das böse Erwachen kommt später. Zu dem BMW M Race Track Training gehört auch eine professionelle Analyse der Runde, bei der alle Schwächen offenbart werden. Mit Hilfe eines GPS-Sensors werden Daten gesammelt und mit einer Referenz-Fahrt verglichen. "Schau, vor der Kurve eins kannst Du später, aber härter bremsen und auch etwas später einlenken, dann kommst Du schneller raus"; erklärt Rennprofi Claudia Hürtgen, die zufälligerweise selbst die Messlatte gelegt hat. Anhand von Bildern, die die beiden Fahrlinien vergleichen, bei Kurven, die Bremspunkte und -kraft sowie Geschwindigkeit zeigen, wird die Runde genauestens in ihre Einzelteile zerlegt. Auch wenn sich die beiden Kurven auf den ersten Blick nur marginal unterscheiden, ist die Differenz in Sekunden und Stundenkilometern deutlich messbar. Da wird dann die stolz geschwellte Brust des Hobby-Rennfahrers gleich wieder schmaler. Doch die Beratung hilft; schon beim nächsten Umlauf werden wieder einige Zehntel weggehobelt.

Dieses ganze Prozedere zeigt: Dieses Rennsport-Training ist nicht von schlechten Eltern. Einfach einsteigen und mit einem Rennwagen um die Kurven ballern, ist nicht. Die Teilnehmer müssen mindestens schon einen Rennstrecken-Kurs absolviert haben, um sich in den BMW M4 GT4 zwängen zu dürfen. Doch das breite Grinsen, wenn man sich nach einer Feuer-frei Runde aus dem inklusive Rennsportkäfig schält, entschädigt auch für die schweißtreibende Anstrengung. Denn der rasende BMW fordert seinen Tribut, allerdings erwartet einen immer noch die Analyse der Daten und damit die unerbittliche Wahrheit. Wer jetzt immer noch loslegen will, möchte bitte 202.300 Euro für den BMW M4 GT4 bereithalten, die Kosten für das Team und die Saison nicht eingerechnet.

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