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Pro-Auto-Gruppe: "Fridays for Hubraum" – so tickt der Gründer der Gruppe

Die Wutbürger am Steuer haben eine Facebookgruppe ins Leben gerufen und unglaublichen Erfolg gehabt. Der Gründer, Auto-Tuner Chris Grau, erklärt, was ihn antreibt und wie sehr ihn der Hass im Netz verstört hat.

Hubraum-Gruppe (Symbolbild)

Die Hubraum-Gruppe wurde von Tunern gestartet, doch die meisten Mitglieder haben ganz unspektakuläre Fahrzeuge (Symbolbild)

Getty Images

"Fridays for Hubraum" nennt sich eine Facebookgruppe, deren Ziele man mit "Pro Auto" und "Gegen Klimahysterie" beschreiben könnte. An einem Sonntag wurde die Gruppe gegründet, sie erlebte einen kometenhaften Aufstieg – 400.000 Menschen traten ihr bei. Nach einer halben Woche wurde sie wegen einer Flut von Hasspostings eingemottet. Nun ist sie wieder aktiv. Aber mit Absperrgitter: Jeder User und jeder Beitrag werden einzeln geprüft, wer sich nicht benehmen kann, wird gesperrt.

Tuner erklärt Aufstieg und Fall der Gruppe

Im Gespräch mit dem kleinen und etwas obskuren Youtube Kanal" MMnewsTV" hat der Gründer der Gruppe, der Autotuner Chris Grau, Aufstieg und Fall der Gruppe erläutert. Das Gespräch zeigt auch, was die Macher hinter der Gruppe umtreibt. Mit dem Erfolg habe er überhaupt nicht gerechnet, erläutert Grau. "Das ist aus einem Witz heraus entstanden." Weil die Klimadiskussion so "gehypt" wird, habe er einen "Joke" über ein Klima-Autotreffen im Netz rausgehauen. Ein Freund habe dann die Gruppe gestartet und ihn zum Admin ernannt. "Ich habe keine kleine Reichweite bei Facebook, das hat sich dann verselbstständigt."

#FridaysForHubraum: "... sagt viel über die Verdummung unserer Gesellschaft"

In der Welle des Erfolgs habe es dann aber "krasse Vorfälle" gegeben. "Wir waren völlig platt davon, wie radikal manche Menschen sind und wie asozial. Die haben auf Greta rumgehauen, das glaubt man nicht." Damit haben sich die Gründer der Gruppe und die meisten Mitglieder nicht abfinden wollen. "Das geht gar nicht, das muss alles wieder weg. Das meiste haben wir ja sofort gelöscht."

Trotz des provokanten Namens ist Grau eher ein ausgleichender Typ. Der ganze Hass, das Unversöhnliche und die Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts, findet er einfach schlimm. Versuche der AfD, die Gruppe zu vereinnahmen, weist er strikt zurück.

Hilflos vor den Tricks der Trolls

Doch trotz aller Mühe seien sie mit der Moderation überfordert gewesen. Grau berichtet von den Tricks der Hass-Trolle. Die würden keine eigenen Postings starten, weil man die schnell in der Übersicht sehen würde, sondern ihren Dreck in den Antworten zu anderen Posts verstecken. Andere starten einen harmlosen Post – "Hey ich bin der Chris und das ist mein Auto", doch sobald etwas älter sei, würde der Beitrag umeditiert, um so unbemerkt eine Hassnachricht in die Gruppe zu schmuggeln, sagt Grau schockiert.

Wie die Ziele der Gruppe genau aussehen, bleibt unklar. Grau gehört nicht zu denen, die den Klimawandel abstreiten. "Wir haben klar Probleme mit dem Klima", sagt er offen. Aber die Idee der Politik, alles über Verteuerung zu regeln, lehnt er strikt ab. "In unserer Gruppe das sind tolle Menschen, die nur einfach die Schnauze voll haben, dass sie wieder zahlen sollen." Sein Beispiel ist eine Frau, die auf dem Land jeden Tag mit dem alten Corsa zur Arbeit fahren müsse. "Was passiert mit der? Die fährt weiter und spart überhaupt kein CO2 ein, die muss nur mehr fürs Benzin bezahlen."

Die "Mitte" fährt Auto

Grau sieht "Fridays for Hubraum" nicht als Gegenbewegung. Der Gründer lehnt eine politische Radikalisierung ab. "Man muss gucken, dass man die Fronten wieder weicher kriegt. Eine Gesellschaft kann nicht funktionieren, wenn zwei völlig radikalisierte Seiten aufeinander losgehen", sagte Tuner Grau dem "WDR".

"Die Menschenmenge zeigt uns, dass sehr viele Menschen so denken wie wir. Wir wollen damit richtig umgehen, und darum machen wir die Gruppe auch wieder auf."

In der neugestarteten Gruppe sieht man schnell, wie die Leute ticken. Nach wie vor ist Greta eine Obsession der Hubraum-Freunde. Doch neben den echten PS-Freaks, die ihre Maschinen anbieten, sind auffallend viele User mit Standard-Fahrzeugen und sogar Kleinwagen zu sehen. Leute, wie die von Grau angeführte Corsa-Fahrerin, die fürchten, sich in Zukunft keine Mobilität leisten zu können. Dann kommen Beiträge, die man mit dem Motto "Wasser predigen - aber Wein saufen" beschreiben könnte. Genüsslich werden die Luxusautos und Fernreisen von Politikern vorgeführt und der Verzichtsrhetorik aus Berlin entgegengestellt. Drittes großes Thema ist die Angst vor dem großflächigen Verlust von Arbeitsplätzen durch die Klimapolitik.

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