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McLaren 720S Spider: Goldstück

McLaren stiehlt dem 720S das Dach und schafft damit einen extrem leichten Roadster, der dem Coupé kaum in etwas nachsteht. Ein Grund ist das extrem verwindungssteife Monocoque garniert mit einem berechenbaren Fahrverhalten.

Die Überrollbügel sind aus Carbon

Die Überrollbügel sind aus Carbon

Helm ab, zum Gebet! Innerhalb von nur elf Sekunden verschwindet das Karbondach des McLaren 720S Spider und lässt den Natur-Föhn ungehindert auf das Haupthaar, soweit vorhanden, blasen. Bis 50 km/h klappt diese Verwandlung vom Coupé zum Über-Roadster. Auf den Mechanismus sind sie in Woking so stolz, dass McLaren zwei Patente angemeldet hat. Auch wenn dieser Transformers Verwandlungs-Stunt das Herz eines jeden Ingenieurs höherschlagen lässt, bei einem Supersportwagen, der mit 530 kW / 720 PS auf die Menschheit losgelassen wird, geht es um andere Sachen: nämlich um Fahrspaß und Agilität.

Goldstück
Die Überrollbügel sind aus Carbon

Die Überrollbügel sind aus Carbon

Der McLaren 720S Spider löst den scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit fast perfekt auf. Ein Blick auf das Datenblatt zeigt, warum dieser schwierige Kunstgriff gelingt. Die Leichtigkeit des Seins scheint die neue Doktrin bei McLaren zu lauten. In einem solchen Maße hat sich der britische Sportwagenbauer Gewichtsreduzierung auf die Fahnen geschrieben. Wie das aussieht zeigt der 720S Spider: Der Roadster wiegt 1.332 Kilogramm, ist damit nur 49 Kilogramm schwerer als das Coupé und unterbietet in dieser Kategorie solche Konkurrenten, wie den Ferrari 488 Pista Spider oder den Lamborghini Huracan Perfomante Spider - beides alles andere als schwerfällige Vehikel.

Der zusätzliche Ballast kommt hauptsächlich durch den Verdeckmechanismus zustande, der die Gewichtsbilanz mit gut 20 Kilogramm belastet. Aufgrund des extrem verwindungssteifen Carbon Monocoques benötigt das Cabrio keine zusätzlichen Verstrebungen. So konnten die Fahrdynamiker bei der Abstimmung vom Coupé profitieren. Schließlich wurden beide Varianten die ersten zwei Jahre ab parallel entwickelt, ehe man sich zunächst auf das Coupé konzentrierte. Die offene Version unterscheidet sich vor allem im Heckbereich, zum Beispiel durch die beiden Hutzen hinter den Sitzen, und die Überschlagbügel aus Karbon, vom Bruder mit festsitzendem Dach.

Auf der Straße sind die Unterschiede dagegen marginal und lassen sich nur bei hohen Geschwindigkeiten feststellen. Nach nur 2,9 Sekunden erreicht der Roadster Landstraßentempo und ist offen bis zu 321 km/h schnell, geschlossen sind es sogar 344 km/h. Doch die echte Freude kommt auf, wenn man sich auf Kurven stürzt. Per Drehschalter stellt man den 720S nach Gusto scharf, da man die Dämpfer und den Rest getrennt voneinander justieren kann. Die Fahrmodi "Comfort", "Sport" und "Track" (Rennstrecke) unterscheiden sich merklich. Fahrwerk auf Komfort (die Straßen sind nicht die besten) und Lenkung, Schaltung sowie die Gaspedalkennlinie auf "Sport" oder "Track". Mit dieser Konfiguration ist man schon sehr flott und gleichzeitig kommod unterwegs. Auch Rüttelpisten in amerikanischen Kleinstädten verlieren dann ihren Schrecken.

Dach runter, den Sitz mit einer ziemlich fummeligen Verstellung einstellen und Feuer frei. Aufgrund der doppelten Aufladung hängt der Vierliter-V8 deutlich gieriger am Gas als das verwandte Triebwerk beim 600 LT Spider, das nur mit einer Turbine bestückt ist. Jetzt alles auf "Track". Das virtuelle Cockpit klappt weg und ein schmaler Schlitz mit Drehzahl und Geschwindigkeit erscheint. Konzentration auf das Wesentliche. Der 720S Spider spannt die Muskeln an. Jetzt bricht auch akustisch das Inferno los. Die acht Töpfe schlürfen, saugen kreischen untermalt vom vernehmbaren Zischen der Wastegateventile des Turboladers, garniert mit bellenden Zwischengasstößen.

Die Briten-Flunder ist jetzt ein kompromissloser Athlet und umschmiegt den Fahrer nach wie vor wie ein perfekt passender Handschuh. Wie bei den anderen Fahrprogrammen auch, bleibt alles intuitiv und harmonisch. Selbst das Fahrwerk ist zwar sportlich straff aber nicht bandscheibenvernichtend. Auf der Bremse spielt der britische Sportwagenbauer nicht erst seit dem Verzögerungsmonster Senna in der ersten Liga mit. Auch die Bremse des 720S Spider, die technisch mit der des Senna verwandt ist, lässt sich feinfühlig dosieren und greift analog zum ausgeübten Druck zu. Das gleich gilt für die Lenkung, die eindeutig mitteilt, wie es um die Traktion, das Verhalten des Vorderwagens und den Untergrund bestellt ist. Interessanterweise setzen die Briten nach wie vor auf eine elektrohydraulische Lenkung. "Wir sind der Meinung, dass damit das beste Fahrgefühl erreicht wird", sagt Entwicklungschef Jürgen Gagstatter.

Ziel erreicht. Der McLaren lässt sich fast mühelos durch jedes Kurvengeschlängel zirkeln. Das Fahren ist kein Kampf mit dem Messer zwischen den Zähnen, sondern ein reines Vergnügen. Mit jedem Meter wächst das Vertrauen in den Mittelheckmotor-Sportler, der auch bei knallharten Manövern stoisch ruhig und beherrschbar bleibt. Im Falle des Falles greifen die Assistenzsysteme unmerklich ein und halten das 280.000 Euro teure Goldstück zuverlässig auf der Bahn. "Eine stabile Hinterachse ist essentiell", gewährt Jürgen Gagstatter Einblick in das Einmaleins der Abstimmungsarbeit. In der Tat muss man fast schon in der Kurve gewaltsam geradeausfahren, um den 720S Spider aus der Ruhe zu bringen. Nur bei einer Sache nutzen auch alle technischen Helfer nichts: Der McLaren 20S Spider ist mit eingeklappten Spiegeln über zwei Meter breit. Somit wird jede Autobahnbaustelle zur Herausforderung.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.