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Kommentar

Prämie für E-Autos: 4000 Euro machen aus Ladenhütern keine Kassenschlager

Die Kanzlerin träumt von einer Million Elektroautos. Damit ihre Vision wahr wird, gibt es nun 4000 Euro beim Kauf dazu. Attraktiver werden die E-Autos dadurch nicht.

Für manche ist der BMW i3 ein Wunderwerk. Die meisten halten ihn für hässlich und viel zu teuer.

Für manche ist der BMW i3 ein Wunderwerk. Die meisten halten ihn für hässlich und viel zu teuer.

Im Jahr 2009 hat die Bundesregierung den Mund zu voll genommen: Eine Million reine Elektroautos sollten im Jahr 2020 auf den deutschen Straßen fahren, sagte die Kanzlerin. Das war schon damals so absurd, dass man diese Vision kaum ernst nehmen konnte. Heute – Jahre später - fahren E-Autos in Deutschland immer noch in homöopathischen Dosen herum. Und das, obwohl es inzwischen durchaus einige akzeptable Modelle gibt. Die zögerliche Nachfrage will die Regierung nun, sieben Jahre später, mit einer Prämie von 4000 Euro entfachen. Die Diskussion, ob man den Kauf eines so teuren Produkts wie einem Neuwagen überhaupt subventionieren sollte, muss man gar nicht führen. Denn diese Prämie ist ein Witz. Merkel bleibt sich hier treu. Der dummen Ankündigung vom Millionen-Ziel folgt nun eine noch dümmere Fördermaßnahme.

Prämie gesplittet: 2000 Euro gibt es vom Staat

Die 4000 Euro sollen gesplittet werden: 2000 Euro tragen die Hersteller, 2000 Euro steuert der Bund bei. Fahrzeuge deren Endpreis meist oberhalb von 35.000 Euro liegt  sollen mit einem Zuckerl von 4000 beziehungsweise 2000 Euro vom Ladenhüter zum Renner gemacht werden. Hier zeigt sich nur die Praxisferne des Raumschiffs Berlin. Jeder Autoverkäufer hätte der Kanzlerin bestätigen können, dass man mit einem Nachlass in dieser Höhe einem unentschlossenen aber interessierten Kunden im richtigen Moment den entscheidenden Anstoß geben kann.  Es reicht aber nicht um ihn ein Auto aufzuschwatzen, dass er ohne diesen Bonus nicht gekauft hätte.

 Dafür ist der Betrag zu gering. 4000 Euro Ersparnis entspricht der Summe, die Autohersteller an Mehrausstattung in ihre Sondermodelle zur Europa-Meisterschaft stecken. Business as usual. Im Rabatt geplagten Automarkt mit Nachlässen von 10.000 Euro und mehr ist das kein Betrag, der Aufmerksamkeit erreicht.

Attraktive Modelle fehlen

Das Grundproblem des E-Mobils lösen diese 4000 Euro ohnehin nicht. Viele Kunden stehen der Technik des Batterie-Autos nach wie vor skeptisch gegenüber. Sie sehen einen merklichen Aufpreis, mit dem sie sich eine Reihe von praktischen Nachteilen einhandeln. Ändern wird sich das erst, wenn hochbegehrliche Autos mit besserer Reichweite im Markt auftauchen. Mit dem Model 3 hat Tesla ein Fahrzeug vorgestellt, dass das Zeug hätte, diese Trendwende herbeizuführen. Die Prämie von 4000 Euro für Elektroautos und 3000 Euro für Hybride werden die – wenigen – Käufer von E-Autos in Zukunft dankbar mitnehmen, aber mehr wird nicht geschehen.

Einziger Effekt: Die 4000 Euro Prämie reichen aus, für günstigere Autos eine niedrige Leasingrate zu erreichen. Als Elektroschnäppchen werden diese Autos mit Miniraten sicher Kunden finden. Vermutlich werden sie aber nach Ablauf des Leasings in Elektro-Märkte wie Norwegen verschifft.

Die teuere Lösung

Wenn die Regierung in Deutschland die Wende hätte erzwingen wollen, hätte sie weit tiefer in die Tasche greifen müssen. Etwa, wenn sie den Vorschlag aufgegriffen hätte, hier auf die Versteuerung des Dienstwagens zu verzichten. Bei einem Auto für 50.000 Euro, hätte diese Entscheidung das versteuerbare Einkommen um 6200 Euro reduziert. Im Vergleich zu einem Benziner wären das 300 Euro mehr netto im Portemonnaie – jeden Monat. Macht 3.600 Euro im Jahr oder 14.400 Euro im Laufe eines Vier-Jahres-Leasingvertrages. Das wäre ein Argument fürs E-Auto, wenn es auch politisch problematisch gewesen wäre, ausgerechnet der verhassten Dienstwagen-Kaste die Steuergelder so hinterher zu werfen.

Keine Luxusautos?

Luxusautos sollen nicht gefördert werden, sagt die Koalition. Darum ist der Preis des Autos limitiert. Schluss sei bei einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro für ein Basismodell. Für den normalen Steuerzahler, der den Segen bezahlen darf, ist das durchaus ein Luxuspreis. Zum Hohn wird es durch das Wörtchen "Basispreis". Der VW Golf hat einen Basispreis von 16.000 Euro, es ist aber überhaupt kein Problem seinen Golf auf 30.000 oder auch auf 40.000 Euro aufzurüsten. Bei einer Kappung bei 60.000 Euro sollte man sich nicht wundern, wenn Autos der 120.000-Euro-Klasse gefördert werden. In Sachen Extras ist die Autoindustrie weit innovativer als bei alternativen Antrieben. Ein Vorschlag zum Start: Verkauft das Auto einfach ohne Akkus – die Batterien kommen dann in die Extra-Liste. 


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