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Bezahldebatte Der DFB sollte den Männern die Prämien kürzen und sie unter den Frauen verteilen

Kapitänin Alexandra Popp feiert bei der EM einen Torerfolg. Sie ist gelernte Tierpflegerin.
Kapitänin Alexandra Popp feiert bei der EM einen Torerfolg. Sie ist gelernte Tierpflegerin.
© DAMIEN MEYER / AFP
Während der Damen-Fußball-EM flammt die Debatte um gerechtere Bezahlung gegenüber den Männern erneut auf. Der DFB sollte mit einem klaren Zeichen reagieren.

Sogar der Bundeskanzler fühlte sich berufen, seine Meinung zur Debatte kundzutun: "Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders bei Nationalmannschaften", ließ Olaf Scholz diese Woche bei Twitter verlautbaren. DFB-Männer-Manager Oliver Bierhoff konterte fix, er würde dazu gerne mal mit Herrn Scholz sprechen. Er könne ihm da ein paar Zahlen zeigen. 

Was Bierhoff Scholz vermutlich zeigen wollen würde: Gewinnt die Herren-Auswahl im Winter den WM-Titel in Katar, überweist die Fifa dafür rund 42 Millionen Euro. Werden die deutschen Damen nun in England Europameister, so gäbe es lediglich 2,1 Millionen von der Uefa.

Der DFB kann sich nicht hinter den Einnahmen verstecken

Auf den ersten Blick ergibt die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen also durchaus Sinn. In der Privatwirtschaft zieht das Argument auch. Die Damen-Bundesliga interessiert deutlich weniger Menschen, es werden nicht ansatzweise so viele Tickets verkauft, es kommt kaum TV-Geld rein. Weniger Einnahmen zum Verteilen heißt natürlich auch, dass weniger bei den Spielerinnen ankommt. Die Gehälter zwischen Frauen und Männern liegen hier also völlig zurecht weit auseinander.

Der DFB aber ist keine privatwirtschaftliche Firma. Der DFB ist ein Verein und kann sich daher nicht einfach hinter den unterschiedlichen Einnahmen verstecken. Die "Verwirklichung der Gleichberechtigung von Mann und Frau" steht sogar als gesonderter Punkt in der Verbandssatzung (Paragraph 4, Absatz 2C).

Nun sei fairerweise gesagt: Der DFB tut an dieser Front schon einiges. Die Damen würden dieses Jahr 60.000 Euro pro Nase für einen EM-Sieg bekommen. Zwar hätten die Männer letztes Jahr 400.000 bekommen. Prozentual schüttet der DFB aber einen größeren Teil der direkten Einnahmen für die Frauen aus. So weit so gut.

Warum bekommen die Herren überhaupt Prämien?

Doch möchte ich die Frage aufwerfen: Warum bekommen die Herren überhaupt so viel Geld vom DFB? Ich wage zu behaupten: Kein DFB-Kicker würde sagen: "Keine Prämien? Ne, dann mach ich lieber Urlaub auf Ibiza diesen Sommer!" Und falls doch, sei schon einmal viel Spaß mit der "Bild"-Zeitung gewünscht. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendwer in einem WM-Halbfinale besser spielt, weil er sich von seiner Prämie noch einen Bentley kaufen will.

Jeder Nationalmannschaftsspieler ist Fußballprofi, verdient Millionen im Jahr und muss sich – so er nicht einigen irrlichternden Beispielen seiner Zunft folgt – nie mehr Sorgen um Geld machen. Bei den Damen spielen gelernte Tierpflegerinnen und Studentinnen in der Auswahl (Mehr dazu lesen Sie hier in einer Fotostrecke). Zwar können inzwischen immer mehr Kickerinnen davon leben, ein Anfang ist gemacht. Die Unterschiede sind aber immer noch immens.

Im Verein lässt sich das aus oben beschriebener Wirtschaftlichkeit nicht fair ändern. Doch genau hier ist der DFB gefordert und kann einen wirklichen Beitrag zur strukturellen Verbesserung des Frauenfußballs leisten. Der Verband könnte ein Zeichen für all die kickenden Mädchen auf den Bolzplätzen da draußen setzen, könnte ihnen sagen: Wenigstens ganz ganz oben an der Spitze treffen sich eure Träume mit denen der Jungen. Wenigstens in der Nationalmannschaft wartet auch auf euch das große Geld.

Der DFB ist in der Pflicht

Denn klar ist: Die DFB-Männer brauchen diese Prämien nicht. Der Profi-Fußball ist eine globale Geld-Maschine, der Verband muss nicht auch noch weiter reinpumpen – ganz egal, dass das Geld durch den Männerfußball erwirtschaftet wurde. Schafft damit lieber neue Anreize für die Frauen! Das müssen nicht nur Prämien sein, fördert mehr spezielle Leistungszentren und Akademien für Mädchen! Der DFB sollte mit diesem Geld genau die Strukturen aufbauen und ausweiten, die den Männerfußball so viel besser machen als den Frauenfußball, – statt es ohne Not ohnehin schon Reichen Kickern hinterherzuwerfen. Dann würde der Verband wirklich seinem Ziel näherkommen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Fußball zu verwirklichen. In meinen Augen ist das seine verdammte Pflicht.


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