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Roadtrip Los Angeles -Monterey im Mercedes SL 380 Auf in den Norden

Mercedes 380 SL
Mercedes 380 SL
© press-inform - das Pressebuero
Wenn es um Autos geht, gibt es noch andere Themen als Ladezeiten und maximale Effizienz. Ein Roadtrip mit offenen Mercedes-Klassiker zeigt, was Autofahren wirklich ausmachen kann - heute mehr denn je.

Die Mobilität ändert sich und an keinem geht das wohl vorbei. Die Autohersteller übertreffen sich in Ankündigungen, wer sich schneller vom bösen Verbrennungsmotor verabschiedet und endlich ins glorreiche Elektrozeitalter wechselt. Bei vielen Kunden sorgt das für Unverständnis, Irritationen und Unsicherheit, denn viele lieben ihre Autos seit vielen Jahrzehnten. Und wie schön eine Fahrt in einem offenen Klassiker sein kann, lässt sich auf kaum einer Straße besser zeigen, als auf der California State Route 1, vielen besser bekannt als der legendäre Highway Number One, der von Los Angeles bis nach San Francisco führt.

Wenn schon die Route derart bekannt ist, sollte das Auto kein No Name sein. Mit dem Mercedes SL Roadster der Generation R 107 ist ein Jubilar, denn der Nachfolger der Pagode feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Der Traumwagen für die Traumroute bei Traumwetter ist noch nicht ganz so alt; hat mit dem Baujahr 1981 und dem 1982er Modell jedoch auch schon vier Jahrzehnte auf dem Buckel. Er präsentiert sich in US-Ausführung mit den wenig filigranen Stoßfängern, Rundscheinwerfern in strahlendem rot mit schwarzem Dach und dunklen Kunstledersitzen, die besonders auf dem Hauptmarkt USA sehr beliebt waren. Von den nicht einmal 79.000 Meilen, die auf dem Tachometer stehen, wurde ein Großteil nicht auf amerikanischen Straßen, sondern auf dem Prüfstand zurückgelegt. Eine kleine Plakette in der Beifahrertür belegt, dass es sich beim Motor des SL 380 um das Baumuster eins handelt. Sprich: alle amerikanischen Daimler-Fahrzeuge mit dem 3,8 Liter großen Achtzylinder gehen auf die Abstimmungen dieses roten Sonnenanbeters zurück. Heute wird er an der abwechslungsreichen Pazifikküste mehr zu sehen bekommen, als den schnöden Rollenprüfstand.

Die Tour beginnt morgens rund eine Stunde südlich von Los Angeles und so kann der rote Mercedes 380 SL auf den Highways 5, 10 und 405 im dichten Stadtverkehrs des Großraums Los Angeles erst einmal zeigen, was er im Alltagsbetrieb kann. Dach manuell runtergeklappt, Scheiben elektrisch heruntergefahren und im Becker Radio rasselt KIIS FM mit den aktuellen Hits nachdem sich die elektrische Hirschmann-Antenne in den sonnigen Himmel gereckt hat. Bereits auf den ersten Meilen fällt auf, dass der Motor nicht den Dampf hat, den man von dem bekannten Achtzylinder erwartet hätte. Der Grund liegt in der seinerzeit ungewöhnlich strengen Abgasgesetzgebung der USA, denn statt der üblichen 150 kW / 204 PS leistet das 3,8 Liter große Triebwerk gerade einmal schmale 114 kW / 155 PS und auch die 267 Nm sind deutlich weniger, als es die Kunden in Europa genießen können. Der 380er löste bis 1985 den 450 SL ab.

Doch der eingebremste Tatendrang kann den Enthusiasmus der Sonnentour kaum stoppen und die werkseitig in Aussicht gestellten 110 mph / 176 km/h dürften auf der kurvenreichen Küstenroute ohnehin nicht in Gefahr sein. Im Übrigen reicht der Tacho gerade einmal bis 85 Meilen. Über den Highway 10 geht es nach Santa Monica, wo die eigentliche Tour beginnt. Ein kurzer Abstecher zum Malibu-Szeneladen Sun Life Organics, wo sich die lokalen Strandschönheiten ihre Gesundheitsdrinks holen, nachdem man ausgelaugt von Strandyoga und Pilates kommt. Besonders beliebt das sogenannten Billion Dollar Meal, das für 29 Dollar genauso lecker aussieht wie er schmeckt. Also doch lieber zum Ralph\'s Supermarkt und ein paar Flaschen Wasser mit Sprudel.

Über die Route 1 geht es mit der üblichen Morgenbewölkung über dem kühlen Pazifik und der Wärme der Berge im Osten Richtung Norden. Neptuns Net, Point Mugu, ein paar Camper oder das wenig schmucke Oxnard ziehen vorbei bis es nach Ventura, Carpinteria und schließlich zu einem Coffeestopp nach Santa Barbara geht. Die Stadt im spanischen Stil ist in den letzten Jahren etwas jünger geworden, doch nach wie vor dominieren Familien und ältere wohlhabende Bürger das Stadtbild die Hänge hinauf. Hier lässt es sich leben - gerade mit einem offenen Klassikroadster. Hinter Santa Barbara kann man sich die Route aussuchen: entweder die klassische Küstentour oder die fahrerisch schönere auf den alten Routen der Chumash Indianer. Die Entscheidung für die Indianerroute der Bundestraße 154 und gegen die klassische 101 bedeutet jedoch auch einen stattlichen Temperaturanstieg, denn statt der 23 Grad Celsius zuvor sind es im sehenswerten Niemandsland südöstlich des Cachuma Sees über 35 Grad.

Den roten Doppelsitzer aus Bremer Daimler-Produktion ficht das alles nicht an. Er zieht mit seinen überschaubaren 155 PS und der dezent werkelnden Getriebeautomatik munter seine Bahnen - bergauf und bergab. Die Fenster bleiben unten, das originale Mercedes-Windschott ebenfalls und aus dem Radio scheppern mittlerweile spanische Wimmergesänge. Bergan zeigt sich, dass der Motor zwar nicht so stark wie seine europäischen Brüder ist, doch auch die Hitze keinerlei Mühe bereitet und 267 Nm Drehmoment ausreichen, dass es einen niemand überholen kann. Über Santa Ynez, Solvang und Buellton geht es Richtung Westen zurück auf die klassische Route 1 und die Temperaturen sinken in wenigen Minuten um fast 20 Grad Celsius. Der Tank ist noch mehr als halbvoll, doch ein paar kühle Getränke bringen auch für knapp fünf Dollar pro Gallone, 40 frische Liter Kraftstoff in den Tank. Es geht weiter zum traditionell schönsten Stück der Süd-Nord-Passage, der hinter San Luis Obispo und Morro Bay beginnt.

Die California Route 1 bleibt an diesem Sonnentag dabei so leer wie sie vorher. Durch die Pandemie fehlen jene Touristen, die die Strecke sonst mit charakterlosen Mietwagen und lahmen Wohmobilen bevölkern. So gibt es nur zwei Handvoll US Touristen und ein paar Autofans, die mit ihren PS-starken Sportwagen Spaß auf der Kurvenstrecken haben wollen. Sportlich ist der rote 380er nicht zu bewegen, aber er zeigt hier, was er schon immer war: ein perfekter Cruiser, mit dem man bequem auch lange Strecken zurücklegen kann. Die indirekte Lenkung und das weiche Fahrwerk sind perfekt für die bisweilen zerborstene Route, wo es sonst heftig durchschlagen würde. Den Rest federt der kunstbelederte Stuhl weg, der sich auf besonderen Wunsch sonst auch schon damals beheizen ließe. Doch so kühl ist es Mitte August doch nicht und wenn es vom Pazifik doch einmal kühl hereinweht, kann man immer doch die Seitenfenster schließen oder gar das Windschott hochklappen.

Auf den letzten Kilometern Richtung Monterey wird es hinter dem einstigen Hippieparadies Big Sur dann schneller und doch etwas voller. Die ersten Autofans für die Monterey Autoweek kündigen sich an und überholen die mobile Sonnenterasse, die lässig mit rund 50 Meilen pro Stunden vor sich hin cruist. Kann eine Tour im Roadster oder Cabriolet perfekter sein? Und wenn die Elektroautos das Regiment übernommen haben, wird es kaum noch offene Fahrzeuge dieser Art geben. Die meisten Cabriolets sind bereits jetzt vom Markt verschwunden. So sollte jeder Autofan einmal schauen, ob er sich nicht vorher noch einen Spaßmacher mit Verbrenner in die eigene Garage holt - vielleicht gerade einen wie den Mercedes SL der Baureihe R 107, denn einen idealeren SL hat es wohl nicht gegeben. Und es muss ja nicht immer eine Fahrt auf der California 1 von Los Angeles nach San Francisco sein.

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