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Rolls-Royce Ghost 2021 Die neue Bescheidenheit

Rolls-Royce Ghost 2021
Rolls-Royce Ghost 2021
© press-inform - das Pressebuero
Wo soll das noch hinführen? Schon der kleine Rolls-Royce ist über 5,5 Meter lang. Dabei wollte die Luxusmarke beim neuen Ghost bewusst auf Opulenz verzichten.

Eine Sache kann man Rolls-Royce wirklich nicht vorwerfen. Der britische Luxushersteller ist ernsthaft um einen Dialog mit seinen Kunden bemüht. Viele von ihnen sind am Stammsitz im südenglischen Goodwood persönlich bekannt, alle anderen zumindest namentlich. "Wir sind mit Sicherheit der Hersteller, der den engsten Kontakt zu seinen Kunden hält", erklärt Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös stolz. Und während andere Hersteller mit klinischen Studien versuchen, den Geschmack ihrer Kunden abzuschätzen, wählt man bei Rolls-Royce den direkten Weg - etwa bei Abendessen mit dem CEO. Müller-Ötvös und sein Team haben dabei gelernt, gut zuzuhören. Zum Beispiel auch, was ihnen Ghost-Besitzer über ihr Fahrzeug berichteten und wie sie sich einen neuen Ghost vorstellten. Reduzierter sollte er sein, so die einhellige Meinung auf dem ganzen Globus.

Post-Opulenz nennt man bei Rolls-Royce diese Strömung, die - und darauf verweist Müller-Ötvös ausdrücklich - nur für den Ghost gilt. Für das Flaggschiff Phantom gelten wiederum andere Regeln, auch in Zukunft. Ganz augenscheinlich bezieht sich aber auch bei Ghost die reduzierte Opulenz nicht auf die Größe - ganz im Gegenteil: Die zweite Generation ist neun Zentimeter länger und drei breiter. Vor allem bedarf es schon eines geübten Blicks, um beide Modelle voneinander zu unterscheiden: Der neue Ghost kommt mit weniger Sicken und Linien aus, sein markentypischer Frontgrill fällt kleiner und dezenter aus und die berühmte Kühlerfigur ist etwas nach hinten zurückgesetzt. Alleine dieser Schritt ist technisch aufwändig, weil die Spirit of Ecstasy beim Öffnen der Motorhaube millimetergenau durch eine Aussparung passen muss: Eine Reduktion im Sinne von "Keep ist simple" sieht anders aus.

Zumindest etwas offenkundiger wird die Post-Opulenz im Innenraum. Das Interieur besteht zwar immer noch aus Leder wohin das Auge blickt, Echtmetall und Holzfurnieren, doch die Linien sind im Vergleich zum Vorgänger reduzierter und aufgeräumter. Eine lange Ziernaht, die quer über die gesamte Armaturentafel reicht, ist dabei zurecht der Stolz der Designer: So lang ist keine andere Naht im Automobilbau und setzt höchstes handwerkliches Können voraus - ein wichtiges Detail für Rolls-Royce-Kunden in einer Zeit, in der selbst Volumenhersteller mit kleinen Ziernähten versuchen, ihren Innenräumen einen Hauch von Luxus einzuhauchen. Auch die Zahl der Bedienelemente und Schalter im neuen Ghost wurde weiter reduziert. Dass dabei die Ablesbarkeit der kleinen Tasten auf der Mittelkonsole litt, während die Kontrollleuchten für Sitzheizung & Co. überdurchschnittlich hell aufleuchten, mag als Schwäche im Detail durchgehen.

Dass im neuen Ghost nun auch zeitgemäßes Infotainment und viele Fahrerassistenzsysteme von Konzernmutter BMW Einzug hielten, ist ein Umstand, der den zunehmend veränderten Nutzungsgewohnheiten geschuldet ist. "Inzwischen werden rund 80 Prozent aller Ghost vom Besitzer selbst gefahren", weiß Müller-Ötvös, "selbst aus China wissen wir, dass viele Kunden unter der Woche mit Chauffeur unterwegs sind, am Wochenende aber selbst am Steuer sitzen." Trotzdem kommt der Luxus für die Fondpassagiere nicht zu kurz. Das zeigen die wie üblich gegenläufig anschlagenden hinteren Türen: Sie lassen sich nicht nur auf Tastendruck schließen, sondern erstmals auch elektrisch öffnen. Der Vorgang erfolgt durch zweimaliges Ziehen am Türgriff - ein einfacher Knopfdruck wäre in den meisten Märkten der Welt nicht zulassungsfähig.

Wer dagegen selbst am Steuer Platz nimmt, darf den größten Aha-Effekt des neuen Ghost erleben: die Fahrmöglichkeiten. Rund 2,5 Tonnen Leergewicht und 3,3 Meter Radstand lesen sich zunächst nicht so, dass man etwas anderes erwarten könnte als eine ruhige, aber eher schwerfällig fahrende Luxuslimousine. Revidiert wird der Eindruck als erstes durch den 6,75-Liter-V12-Motor, der auch im Phantom seinen Dienst verrichtet. Mit 571 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment sorgt er dafür, dass der Ghost selbst angesichts seine Größe und Masse nie untermotorisiert wirkt. Der zweite Baustein sind der serienmäßige Allradantrieb und die Allradlenkung. Gerade die mitlenkenden Hinterräder sind sowohl bei schneller Fahrt als auch im innerstätischen Verkehr ein Gewinn, sodass man den neuen Ghost fast schon als so etwas wie agil bezeichnen könnte. Der dritte und wohl verblüffendste Effekt geht allerdings von der Vorradradaufhängung aus.

Das sogenannte Planar-Federungssystem ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Federung des Federungssystems - eine absolute Weltneuheit. Es sorgt einerseits für das berühmte Dahinschweben wie auf einem fliegenden Teppich, ist aber andererseits extrem responsiv: Während elektronische Federungssysteme dem Fahrer oft ein bisschen das Gefühl für die Fahrbahnbeschaffenheit rauben und ihm ein künstliches Fahrgefühl vermitteln, bleibt der Ghost mit dieser mechanischen Lösung stets "ehrlich". Dass dabei seine elektronisch einstellbaren Dämpfer mit einem Videosystem zusammenarbeiten, das die vorausliegende Straße liest und sich vorausschauend anpasst, ist ein weiteres Plus. Zumindest bei der Technik bleibt auch der Ghost wirklich opulent - und beim Preis von knapp 300.000 Euro - exakt 250.000 Euro plus Mehrwertsteuer.

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