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Santa Catalina Island: Liliput auf Rädern

Der in die Jahre gekommene Smart Fortwo ist gerade in den USA alles andere als ein Bestseller und wartet dringend auf seine Ablösung, die im Herbst stattfinden wird. Auf Santa Catalina Island vor der kalifornischen Küste ist der flotte Zweisitzer jedoch seit Jahren ein Bestseller.

Santa Catalina Island ist eine echte Trauminsel. Das gerade einmal 30 Kilometer lange Eiland vor Long Beach und Los Angeles gelegen ist bekannt für seine beeindruckende Natur, die nicht enden wollenden Nebel und verträumte Hotels, in der Paare die süße Zweisamkeit genießen können. Die Insel ist zwar erschlossen, besteht jedoch aus kaum mehr als der Hauptstadt Avalon und ein paar verstreuten Ansiedlungen. Autos sind zwar nicht generell verboten, aber die Wartezeit für deren Erwerb ist länger als in der ehemaligen DDR. Bis zu 15 Jahre müssen die paar hundert Einwohner warten, ehe sie eine Konzession für die Zulassung eines eigenen Autos bekommen. Kein Wunder, dass Golfcarts das Straßenbild bestimmen. Und selbst der so oft gescholtene Smart Fortwo ist auf Santa Catalina Island zum Lilimput-Renner geworden.

"Der Smart ist hier ein klasse Auto. Er wird als Golfcart eingestuft und so muss man nicht lange warten", strahlt die freundliche Kay, mit ihrem Mann Eigentümerin von zwei gut gehenden Hotels auf der Insel. Sie macht ein paar Besorgungen im Zentrum der pittoresk anmutenden Inselhauptstadt Avalon und hüpft schnell von Geschäft zu Geschäft. Würde die Hotelinhaberin auf dem kalifornischen Festland ihre beiden Häuser betreiben, wäre sie wohl in einer Luxuslimousine oder einem großen Geländewagen unterwegs. Doch auf Catalina Island muss es eben ein paar Nummern kleiner sein. Denn wenn ein Auto eine Gesamtlänge von unter 3,05 Metern hat, gibt es eine Ausnahmeregelung als so genannte "Autoette". Autos wie der Smart Fortwo oder der historische Mini sind kurz genug und bevölkern so das dünne Straßennetz auf Santa Catalina. Gerade tuckert wieder ein mittelblauer Smart Fortwo mit einer Frau am Steuer vorbei und gleich gegenüber steht ein aufgemotzter Brabus-Smart mit offener Heckklappe, aus der die Einkäufe des Vons-Supermarktes herauslugen. Vor der Tauchschule Catalina Scuba und der Lobster Trab Bar stehen dicht an dicht zahlreiche Golfcarts. Wer etwas auf sich hält, hat diese in den letzten Jahren bunt individualisiert.

Dudley Morand von der lokalen Aufsichtsbehörde reglementiert mit harter Hand den Fahrzeugbestand auf der Urlaubsinsel, damit das kalifornische Eiland so beschaulich bleibt, wie in der Vergangenheit. Insgesamt gibt es nur rund 700 zugelassene Autos; in erster Linie für Taxiunternehmen, Feuerwehr, Polizei, Müllabfuhr und die paar glücklichen Inselbewohner, die seit Jahr und Tag eine Ausnahmegenehmigung haben. Wer einen neuen Wagen will, muss sich bei Dudley Morand auf eine Liste setzen lassen. "Die Wartezeit liegt aktuell über 14 Jahre", lächelt Kay aus ihrem weißen Fortwo, "aber was soll\'s? Fahre ich eben weiter meinen Smart. Sind ja nur rund 1.000 Meilen pro Jahr." Wer nach der endlosen Wartezeit Glück hat, dass jemand die Insel auf immer und ewig verlässt oder er eine Fahrzeugkonzession vererbt bekommt, muss das Fahrzeug aufwendig in die Inselhauptstadt Avalon schaffen. Da es keinen Fährverkehr außer den täglichen Passagierschiffen aus Long Beach herüber gibt, muss das eigene Traumfahrzeug mit einem Transportschiff auf die Insel gebracht werden, die einst dem Kaugummi-Mogul Wrigley gehörte. Der Transfer kostet mindestens 500 Dollar.

Auf der Insel gibt es keine Autovertretungen, sondern allein zwei markenübergreifende Automechaniker und zwei Tankstellen. "Doch die haben bisher noch jedes Auto wieder flott bekommen", sagt Kay, schließt die Tür ihres Smart Fortwo und düst von dannen. Die nächsten Gäste kommen heute Nachmittag. Der Kraftstoff kostet mit über sechs Dollar pro Gallone rund 50 Prozent mehr als auf dem Festland. Stören tut das niemanden; schließlich sind die meisten Menschen auf Santa Catalina Island sowieso mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Neuankömmlinge, die Urlaub machen, werden von Elektrokarts der Hotels oder Taxis abgeholt. Und wer einmal in das entspannte Inselleben eingetaucht ist, muss kein Hochzeitsreisender sein, damit ihm weitgehend entschleunigt, Autos für die Dauer des Aufenthaltes egal sind. Und wer doch einmal eine längere Strecke auf dem Eiland fahren will, kann in Avalon auch zur Autovermietung am Fähranleger gehen. Selbstverständlich gibt es hier auch nicht mehr als Golfcarts - auf Wunsch sogar mit Stollenreifen. Nur Elektro-Kleinwagen haben es noch nicht auf die Insel geschafft. Es fehlen die Ladesäulen.

Press-Inform / pressinform
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