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Seegolf: Golf ahoi

Der Seegolf von Simon Kamm ist ein sehenswertes Unikat. Auf dem 35. GTI Treffen am Wörthersee gehört er zu den heimlichen Superstars.

Trotz seiner versteckten Lage ist er stets von vielen Besuchern umringt.

Trotz seiner versteckten Lage ist er stets von vielen Besuchern umringt.

40 Jahre Golf GTI. 35 Jahre GTI Treffen am Wörthersee. Die Gründe, das sportliche Mitglied der Golf-Familie in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, hören scheinbar kaum auf. Doch ein Golf-Verrückter setzt dem ganzen noch die Krone, beziehungsweise die Kapitänsmütze auf: Simon Kamm aus dem Katon Glarus. Der 27 Jährige VW-Fan ist zwar nicht mit einem GTI zum schönen Wörthersee angereist. Doch übertrumpft er mit seinem 1500 GL aus dem Jahr 1982 seine getunten und bis zur Unfahrbarkeit tiefergelegten Mit-Golfer in puncto Kreativität um Längen. Und das nicht nur, weil er an seinem, hinter einem großen Busch sehr versteckt parkenden, 3,82 Meter langen Dreitürer einen Bootsanhänger befestigt hat. Der 70 PS starke, von Simon Kamm Seegolf genannte VW ist ein Unikat, dessen Erschaffung von einer beeindruckenden Liebe zum Detail zeugt. "Den Namen Seegolf habe ich gewählt, da vor ein paar Jahren ein Golf in den Wörthersee gefahren ist und ich das daraus resultierende Thema passend fand. Und da ich im Bereich Recycling tätig bin, habe ich auch direkt alle Utensilien zur Hand gehabt. Für den Umbau des Anhängers inklusive des Holzruderbootes mit dem Namen Antje habe ich eine Woche, für den Seegolf selbst zwei Monate gebraucht", verrät der talentierte Bastler.

Golf ahoi
Trotz seiner versteckten Lage ist er stets von vielen Besuchern umringt.

Trotz seiner versteckten Lage ist er stets von vielen Besuchern umringt.

Schon von außen wird schnell klar, dass die deutsche Polizei ihn beim ersten Anblick aus dem Straßenverkehr verbannen würde. "In Österreich und der Schweiz wird das offenbar ein wenig aufgeschlossener gehandhabt. Ich habe zwar auf meiner 600 Kilometer langen Tour über Bergpässe und durch Schnee zwischen 120 und 200 Euro an die hiesige Polizei zahlen dürfen. Das lag aber nur daran, dass ich nicht das Originallenkrad, sondern mein Steuerrad angebracht habe", erzählt Simon Kamm leicht schmunzelnd. Dass der Begriff Steuerrad tatsächlich ernst zu nehmen ist, beweist ein kurzer Blick ins Innere. Zum maritimen Richtungsgeber passen die Holzvertäfelungen der Türen und des Armaturenbretts sowie die mit robusten Kaffee-Jutesäcken überzogenen Sitze. Für die Innenraumbeleuchtung sorgen neben den beiden Kerzen in der Mittelkonsole ein stilechter Kronleuchter und einige, versteckt installierte LED-Lämpchen. In Anbetracht der ebenfalls mit Jutesäcken verkleideten B- und C-Säule sowie des Jute-Dachhimmels, eine feurig gewagte Konstruktion. Die Rücksitzbank verdient zudem völlig zurecht den Namen Bank.

Der einst 370 Liter Gepäck fassende Kofferraum des 1,61 Meter breiten und im Urzustand 1,41 Meter hohen VW Golf GL 1500 ist komplett zu einer Art Kunstausstellung ummodeliert worden. Ein von innen beleuchteter Totenkopf, ein Kompass und schwere Ketten bieten ein echtes Piraten-Flair. Das an dem hinteren Holz-Stoßfänger befestigte Schwert rundet den Auftritt ehrfurchtsvoll ab. Auf dem Dach des einst 153 Kilometer pro Stunde schnellen GL mit Dreigang-Automatik findet sich ein Dachgepäckträger, der bis über die Motorhaube reicht und mit zahlreichen maritimen Ausrüstungsgegenständen besetzt ist. "Den Dachträger hätte ich schon mindestens fünfmal verkaufen können", verrät Simon Kamm. Unter der Haube fristet ein, laut Simon Kamm nur optisch frisch gemachter 1,5 Liter großer Vierzylinder mit 110 Newtonmeter Drehmoment sein Dahsein. 14,7 Sekunden reichten dem Seegolf vor seiner Verwandlung zum Showcar für den Sprint bis Tempo 100. Ein Tempo, das heute wahrscheinlich besser nicht erreicht werden sollte. Wird es doch einmal zu schnell, verfügt der bis zu 1.000 Kilogramm an den Haken nehmende GL über einen vierflunkigen Stockanker. Airbags oder ähnliche Sicherheitselemente gibt es natürlich nicht. Doch wer so große Bootsfender an seinen Kotflügeln weiß, kann sich zumindest beim Einparken über ein Fehlen von Abstandswarner nicht ärgern. Einen Preis, für den Simon Kamm seinen Seegolf abgeben würde, kann er nicht nennen. Bei 200.000 Euro würde er jedoch sofort einschlagen.

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