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Volkswagen-Abgas-Betrug VW-Skandal und die Folgen - Ist Winterkorn noch "bestmöglichster Chef"?


Wusste er etwas vom Abgas-Skandal bei VW? Oder war er ahnungslos? Als Boss könnten Martin Winterkorn beide Varianten zum Verhängnis werden.

Als Volkswagen-Chef Martin Winterkorn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Automesse IAA in Frankfurt am Main die neuesten Fahrzeuge seines Konzerns präsentierte, schien die Welt wieder in Ordnung zu sein. Nach wochenlangen Personalquerelen im Frühjahr sollte wieder die Technik im Mittelpunkt stehen. Winterkorn kündigte an, VW technologisch und wirtschaftlich "neu zu erfinden". Doch nur wenige Tage danach ist alles Makulatur: VW kämpft angesichts manipulierter Abgaswerte in den USA mit einem Skandal von gigantischem Ausmaß. Winterkorn steht unter Druck.

Die Manipulation der Abgaswerte von fast einer halben Million Dieselfahrzeugen in den USA ist ein schwerer Schlag für Winterkorn und den Wolfsburger Autogiganten. VW drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Zudem verliert der Autobauer ausgerechnet in den USA an Vertrauen - auf dem Markt, auf dem der Autobauer seit Jahren nur schwer Fuß fassen kann. Die VW-Absätze dort anzukurbeln, galt als eine der zentralen Aufgaben für Winterkorn. Die schleppende Entwicklung auf dem US-Markt war neben der schwachen Umsatzrendite bei der Kernmarke VW einer von wenigen dunklen Flecken auf Winterkorns fast weißer Weste.

Kein Vorstand verdient mehr als Winterkorn

Der promovierte Metallphysiker begann 1981 in der Qualitätssicherung bei Audi, wechselte zwölf Jahre später zur Muttermarke VW und machte - protegiert von Konzern-Patriarch Ferdinand Piëch - eine steile Karriere. 2002 wurde der heute 68-jährige Winterkorn Vorstandsvorsitzender von Audi, seit 2007 steht er an der Spitze von VW. Er gilt als Autonarr und Perfektionist, der penibel über kleinste Details diskutiert.

Aus einem kränkelnden Unternehmen führte der gebürtige Leonberger VW unter die Top 3 der globalen Autokonzerne und fuhr Rekord um Rekord ein. Diese spiegeln sich auch in den Bezügen des VW-Chefs wider: Seit Jahren verdient kein anderer Vorstand eines Dax-Konzerns so viel wie Winterkorn. Im vergangenen Jahr strich er 15 Millionen Euro ein.

Der Machtkampf mit Piëch und jetzt: weiter bestmöglichster Chef?

Wie aus heiterem Himmel überraschte Winterkorns Förderer und damaliger Aufsichtsratschef Piëch im April mit den Worten, er sei "auf Distanz" zum VW-Chef. Piëch entzog Winterkorn das Vertrauen, versuchte ihn abzusägen, obwohl VW einen Monat zuvor Rekordzahlen vorgelegt hatte: über 200 Milliarden Euro Umsatz, ein Gewinn von 10,9 Milliarden Euro und mehr als zehn Millionen verkaufte Autos weltweit. 

Den Machtkampf mit Piëch, über dessen Hintergründe so gut wie nichts bekannt ist, gewann Winterkorn nach wochenlangem Gerangel. Piëch trat als Chef des Kontrollgremiums zurück und der Aufsichtsrat stärkte Winterkorn an der Spitze des Konzerns. Er sei der "bestmögliche" Vorstandschef, ließ der Aufsichtsrat im Frühjahr verlauten. 

Ob Winterkorn nach der Affäre um manipulierte Abgaswerte in den USA immer noch der "bestmögliche" VW-Chef ist, bleibt abzuwarten. Der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer legte ihm jedenfalls bereits einen Rücktritt nahe. Entweder müsse er als Chef von den Manipulationen gewusst haben oder sei ahnungslos gewesen - beides sei ein Grund zum Rücktritt, betonte Dudenhöffer. Winterkorns Image hat auf jeden Fall Kratzer bekommen.

AFP

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