Diesel-Skandal in den USA So funktionierte der Umwelt-Betrug von Volkswagen

Clean Diesel war der einzige Erfolg von VW in den USA. Nun stellt sich heraus: Die Diesel wurden nur clean geschummelt. So legte Volkswagen die US-Behörden rein.

Volkswagen-Boss Martin Winterkorn hat es zugeben: In den USA hat der Konzern seine Dieselmotoren sauber geschummelt. Dabei verharmlosen Worte wie "tricksen" oder "schummeln" das Vorgehen. Volkswagen hat die staatlichen Stellen in den USA betrogen und auch seine Kunden. Den Kunden wurden Autos untergejubelt, die in Bundesstaaten wie Kalifornien wegen der strengen Umweltauflagen überhaupt nicht auf die Straße dürfen. Für den Konzern hat das gewaltige Folgen, es drohen Strafen bis zu 18 Milliarden Dollar, das Image in den USA ist ruiniert, die "Clean Diesel"-Initiative der deutschen Hersteller im US-Markt ist damit gescheitert und Volkswagen muss 500.000 Fahrzeuge zurückrufen.

Software trickste Prüfer aus 

Aber wie funktionierte der Betrug der deutschen Autobauer? In den USA hat Volkswagen den Bereich der Schummelei verlassen. Zu den bekannten Tricks bei den Verbrauchs- und Abgasuntersuchungen gehören Dinge wie spezielle Leichtlauföle und besonders reibungsarme Reifen. Das übliche Repertoire an Optimierungen reichte aber offenbar nicht, damit die Volkswagen-Motoren den Umwelt-Anforderungen der USA genügen. Volkswagen soll die Software der Motoren manipuliert haben. Das geht eigentlich ganz einfach: Der Kollege Computer muss nur erkennen, dass das Auto auf dem Prüfstand ist. Erstes Anzeichen ist, dass der Motor läuft, die Reifen voraneilen, der Wagen sich aber keinen Meter bewegt. Außerdem sind die Fahrprofile der Tests genau definiert und auch den Herstellern bekannt: Wann der Wagen steht, wie schnell er beschleunigt, ob er eine Stadtfahrt simuliert oder ob es  auf die Autobahn geht, alles ist exakt festgelegt. Erkennt die Software das Testprogramm, schaltet es auf "Umwelt-Schäfchen", der Motor wird dann so angesteuert, dass er die strengen Abgasnormen erfüllt. Das ist nicht weiter schwer, weil es bei dem Test nicht auf Leistung ankommt. Der Supersportler kann dann ruhig wie ein alter Esel um die Ecke schleichen, Hauptsache es kommt "grün" aus dem Auspuff. In der Praxis geht das natürlich nicht: Da will der Kunde das ganze Leistungsspektrum. Mit unangenehmen Folgen: Der echte Stickoxid-Ausstoß ist bis zu 40-mal höher. Damit liegt er weit über den Werten der US-Umweltbehörde EPA. Das stellte die Behörde bei eigenen Tests fest: Ob es Volkswagen gelingt auch ohne Tricks die strengen Abgasnormen einzuhalten, ist derzeit unklar. Wenn nicht, wäre die zu erwartende Strafe noch das kleinere Problem. Dann müsste Volkswagen fast 500.000 unverkäufliche Fahrzeuge zurücknehmen.

Überraschend ist das Ausmaß des Betruges. Gerüchte, dass Autohersteller ihre Software speziell anpassen, um bei Abgas- und Verbrauchsmessungen zu betrügen, gibt es schon lange. Und das nicht nur bei Umweltorganisationen. 

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