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Oldies mit Garantie: Rüstig statt rostig - über Oldtimer, die aus dem Werk kommen

Altes Blech erlebt eine Blüte, doch viele Liebhaber fürchten sich vor Ruinen. Für sie bieten Hersteller Oldtimer ab Werk an. Mit Garantie.

Von Frank Janßen

Oldtimer mit Garantie: Rüstig statt rostig

Lars Tretzack und sein schön erhaltener Oldtimer, ein 200er Mercedes von 1976

Eine Runde durchs Berliner Regierungsviertel. Mit 40 Kilometern pro Stunde zuckelt Lars Tretzack am Finanzministerium vorbei. Unter den Linden, Brandenburger Tor, Straße des 17. Juni, dann einmal um die Siegessäule. Das Lenkrad in Tretzacks Händen ist fast so groß wie das eines Lastwagens. Im Lack der Motorhaube spiegelt sich ein dreizackiger Stern. Tretzack sitzt aufrecht, aber sehr entspannt auf seinem dunkelbraun karierten Fahrersitz. Behutsam schaltet er vom dritten in den vierten Gang. Rechts überholt ein silberner Audi über die Busspur, biegt mit quietschenden Reifen in die Querstraße ab. "In meinem Alltagsauto würde ich mich jetzt aufregen" , sagt Tretzack. "In diesem Auto interessiert mich das null." Und weil ihn sein Klassiker so beruhigt, pendelt Tretzack bei schönem Wetter am liebsten mit ihm vom südlichen Stadtrand zu seinem Büro in Mitte.

Der 44-jährige Eventmanager, der sagt, er arbeite wöchentlich zwischen 50 und 60 Stunden, fand die Entschleunigungsmaschine im Oktober 2015 während einer Oldtimermesse unterm Funkturm: einen 200er Mercedes-Diesel von 1976. "Mein Schwiegervater meinte, ich müsse mir unbedingt den Stand von Mercedes-Benz anschauen", sagt Tretzack. "Da stünde ein besonders schönes Modell der Baureihe W123. Ich wusste nicht einmal, was ein W123 ist."

Seit 2015 gibt es auch in den unteren Preisklassen fast neuwertige Young- und Oldtimer

Tretzack zählt zu einem speziellen Kreis von Oldtimer-Freunden. Alte Autos gefallen ihm einfach. "Ich kenne mich aber nicht besonders gut aus. Und ich kann auch nicht schrauben", sagt er. Deshalb habe er lange gezögert: "Ich hatte keine Lust, ein Auto zu kaufen, mit dem ich dann ständig in die Werkstatt muss."

Er muss es nicht befürchten. Denn seine Limousine mit Zweiliter-Vierzylinder, 54 PS und Vierganggetriebe, im seltenen Farbton Cayenne-Orange, kam direkt von Mercedes-Benz Classic, der Oldtimersparte des Herstellers. Sie betreibt nicht nur das Museum in Stuttgart, sondern auch die Werkstatt im nahen Fellbach, wo die oft Millionen Euro teuren Schätze restauriert werden. Seit 2015 gibt es auch in den unteren Preisklassen fast neuwertige Young- und Oldtimer. Das Programm wurde "All Time Stars" getauft.

Zum Oldie ab Werk gehört das detaillierte Gutachten eines Sachverständigen

Zum Oldie ab Werk gehört das detaillierte Gutachten eines Sachverständigen

Zunehmend halten traditionsbewusste Hersteller ihre Historie mit großem Aufwand am Leben. Sie nehmen an klassischen Autorennen teil. Sie fahren zu Schönheitswettbewerben. Und sie halten die Ersatzteilversorgung für ihre Oldie-Kundschaft aufrecht. Das alles dient dem Marketing: Wer sich auf der Straße über einen chromblitzenden Oldtimer freut, ist womöglich schon auf halbem Wege, selbst Kunde der Marke zu werden.

Mercedes-Benz verfolgt die Traditionspflege schon lange. Aber auch Porsche bietet Restaurierungen im Werk sowie die Überprüfung der Originalität von Kundenfahrzeugen an. BMW verfügt über ein Netz von 32 Spezialbetrieben in Deutschland, repariert und restauriert aber ebenfalls im Werk München und zertifiziert die Echtheit klassischer Autos und Motorräder. Die Schwestermarken Jaguar und Land Rover haben das "Reborn"-Programm aufgelegt – Restaurierungen von Ikonen wie dem Sportwagen E-Type oder dem ersten Range-Rover-Modell ab Werk.

Ein perfekt restaurierter Jaguar aus den frühen 60er-Jahren kostet rund 325.000 Euro

"Die Faszination für das Auto lebt im Klassikbereich ganz stark", sagt Tim Hannig, Chef der historischen Abteilung von Jaguar Land Rover. "Manchmal bin ich selbst überrascht, wie groß die Begeisterung ist." Er sieht sein Geschäftsfeld nicht als Business, das viel Geld abwerfen muss, denn Restaurierungen von Hand sind enorm aufwendig. Das Werk nimmt zudem für sich in Anspruch, durch den Zugriff auf das hauseigene Archiv höchste Authentizität bieten zu können. "Damit das Geschäft nachhaltig sein kann, darf es kein Geld vernichten", sagt Hannig, doch: "Es ist Marketing. Es gibt unheimlich viele Menschen, die Fans solcher Autos sind."

Ein perfekt restaurierter Jaguar aus den frühen 60er-Jahren kostet rund 285.000 Pfund (325.000 Euro); ein 70er-Jahre Range Rover der ersten Serie mindestens 158.000 Pfund (180.000 Euro). Hannigs Leute suchten nach Originalen mit möglichst guter Substanz. "Das englische Klima hilft nicht immer", sagt er ironisch. "In Australien kaufen wir aber sehr gern."

Dass Lars Tretzacks 200er Diesel von seinem Erstbesitzer in einer Sparversion bestellt worden war, war für den Käufer kein Nachteil. Er findet sein Auto besonders authentisch, denn er stammt aus einer Epoche, als viele Kunden sich ihren Mercedes vom Munde absparten. Der Wagen hat nur zwei Extras – einen rechten Außenspiegel, eine Anhängerkupplung. In der Mittelkonsole steckt nur ein einsamer Kippschalter; er setzt die Heckscheibenheizung in Gang. Die Seitenfenster werden mit Kurbeln bewegt.

Alle Modelle durchlaufen einen 160-Punkte-Check

Ausschlaggebend für Tretzacks Kauf war allein der Zustand des Oldies: Erst 36 000 Kilometer hatte der Wagen in seinen 39 Jahren zurückgelegt; das Gutachten, das Tretzack vom Verkäufer bekam, wies eine "Jahreswagen-ähnliche" Substanz aus und schloss mit einer beruhigenden Gesamtnote: Eins minus.

"Das ist genau der Punkt, warum wir dieses Programm gestartet haben", sagt Patrik Gottwick, der Leiter des Fahrzeughandels der "All Time Stars". "Viele Kunden sind verunsichert oder wurden sogar schon mal übers Ohr gehauen mit einem alten Auto." Also haben Gottwick und sein Team begonnen, einen kleinen Bestand an Oldies aufzubauen; im vergangenen Jahr waren es etwas mehr als 30 Autos. Interessant sind vor allem Fahrzeuge mit weniger als 100.000 Kilometern auf dem Zähler und so wenigen Vorbesitzern wie möglich. Ihr Zustand sollte weitgehend originalgetreu sein; Schäden werden in Fellbach oder bei Partnerbetrieben behoben. Alle Modelle durchlaufen beim Ankauf durch das Werk einen 160-Punkte-Check und bekommen zur Übergabe an den Käufer ein Wertgutachten, eine Inspektion und eine frische TÜV-Plakette.

Der Preis von Tretzacks 200er-Diesel lag mit 17.500 Euro zwar deutlich über dem, was üblicherweise für eine Limousine der Baureihe W123 verlangt wird. Aber er konnte sicher sein, dass es sich bei dem Sammlerstück nicht um eine verpfuschte Ruine handelt. "Die Frage war für mich nicht: teuer oder billig?", sagt Tretzack. "Sondern: Stimmt der Preis?"

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.