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PROBEFAHRT: Jeep mit alten Tugenden

Ein Auto für Männer. Nichts geht leicht an diesem Jeep. Die Kupplung verlangt einen festen Tritt. Die Schaltung stammt scheinbar aus einem Bagger.

Ein Auto für Männer. Nichts geht leicht an diesem Jeep. Die Kupplung verlangt einen festen Tritt. Die Schaltung stammt scheinbar aus einem Bagger. Selbst das Lenkrad erfordert - ganz unamerikanisch - eine zupackende Hand. Oder doch ein Auto für Weich-Eier? Eleganter und runder ist er geworden gegenüber seinem Vorgänger. Schraubenfedern und eine komfortable Einzelradaufhängung hat er erhalten und eine selbsttragende Karosserie - fast wie ein Pkw.

Nichts da, widersprechen die Marketing-Strategen von Daimler-Chrysler. Auch dieser Cherokee musste im Rahmen der Werkserprobung den sagenhaften Rubicon Trail in Kalifornien bewältigen - eine schwierige Prüfstrecke mit haarsträubenden Steilhängen und Schluchten. Keinesfalls sei der neue Cherokee ein modischer SUV, ein Sport Utility Vehicle, beharren sie, sondern ein Geländewagen der kernigen alten Sorte. Ob¿s stimmt, klärt ein stern-Fahrbericht.

Glanz und Gloria: mau. Der mannshohe Zweitonner macht äußerlich wenig her. Sein rustikaler Charme zielt auf Bauleiter und Jäger, die sich eher für Zuladung (bis 600 Kilo) und Anhängelast (bis 2,2 Tonnen) interessieren als für Design. Immerhin, im Inneren ist der Cherokee auf der Höhe seiner Zeit: tadellose Instrumente, und endlich eine vernünftige Lenkradverstellung.

Gas und Spass: gemischt.

Da die Amis von Dieselmotoren nichts verstehen, hat Daimler einen brandneuen Vierzylinder-Turbo zugeliefert. Doch die 142 PS haben mit dem Schwergewicht Mühe. Weil sein Turboloch beim Beschleunigen den Finanzlöchern im Bundeshaushalt von Hans Eichel ähnelt, braucht der Daimler-Diesel selbst bei Schritttempo im Gelände häufig Vollgas. Wer es sich leisten kann, greift lieber zum V6-Benziner (Verbrauch 14,6 Liter). Damit hält er auf der Autobahn bis Tempo 180 mühelos Schritt. Die anderen warten bis 2002 auf den Vierzylinder-Benziner (150 PS).

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Gleiten und Geniessen: problemlos.

Die vordere Einzelradaufhängung bekommt dem Cherokee auf Straßen gut. Sein wirkliches Zuhause aber ist der Dschungel. Anders als bei den vollautomatischen SUV ist hier noch Handarbeit gefragt: Allradantrieb wird ganz altmodisch mit einem Hebel auf dem Mitteltunnel eingeschaltet. Noch eine Stufe weiter ist die Geländeuntersetzung drin - unumgänglich bei steilen Rampen, egal ob aufwärts oder abwärts.

Drum und Dran: nahezu komplett.

Zum Grundpreis von 50 000 Mark erhält man Wohltaten wie Radio, elektrische Fensterheber vorn wie hinten und Zentralverriegelung mit Funkbedienung. In der teuersten Variante (»Limited« für 70 000 Mark) sind auch Bordcomputer, Klimaanlage und elektrisch verstellbare Sitze enthalten. Auf der Aufpreisliste finden sich dann nur noch Metallic-Lackierung und Schiebedach.

Fazit: tüchtiger als ein SUV.

Der Cherokee hält an alten Tugenden der Geländegängigkeit fest. Zur Weltmeisterschaft reicht es allerdings nicht, weil dem Ami die Möglichkeit fehlt, die Achsen manuell zu sperren und damit das Durchdrehen einzelner Räder zu verhindern. Da ist ihm der Mercedes G immer noch voraus - ein Methusalem von fast 23 Jahren.

Von Peter Thomsen

Fotos von Peter Thomann

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