Silberner Rennwagen
Lucca: Das ehemals schnellste Straßenauto der Welt

  • von Stefan Grundhoff
Auto Union Lucca
Ein Auto nur für Rennen: Der Auto Union Lucca war in den 30ern uneinholbar
© PRESSINFORM

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Audi hat das Formel-1-Automodell Union Lucca neu aufgelegt. Eine kurze Geschichte darüber, wie der Konzern den weltweit schnellsten Straßenrennwagen in den 30ern baute.

Seit einigen Monaten kämpft Audi in der Formel 1 um Sieg und Platz. Rasend schnelle Boliden sind jedoch nichts neues für die Marke mit den vier Ringen. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg donnerten die Ingolstädter mit der internationalen Konkurrenz um die Wette. 1935 war der Auto Union Lucca der schnellste Straßenrennwagen der Welt. Der Name lässt einen die Augenbrauen hochziehen – seine Höchstgeschwindigkeit noch mehr.

1935 fuhr das Auto schon 327 km/h schnell

Der Auto Union Lucca raste im Frühjahr 1935 mit knapp 327 km/h durch die Zeitmessung – das Durchschnittstempo auf der damals noch nicht geschwindigkeitsbeschränkten Autostrada nahe der norditalienischen Stadt Lucca: über 320 km/h. Der Rekord von damals ist dabei kaum weniger beeindruckend als der silberne Rennwagen selbst – gesteuert von Hans Stuck. Die frühen 1930er-Jahre waren eine Zeit der Rekorde, denn eine Handvoll tollkühner Piloten lieferte sich in Fahrzeugen von Mercedes und Auto Union ein Rennen um die spektakulärsten Rekorde. Stern gegen Ringe, Caracciola und von Brauchitsch gegen Stuck und Rosemeyer, Front- gegen Mittelmotor – die Rekorde bei Rennen und im öffentlichen Straßenverkehr purzelten nur so – alles schien auf vier Rädern möglich. 

Automodell Lucca
Das Automodell Lucca bricht in den 1930ern bis dahin vorhandene Geschwindigkeitsgrenzen
© PRESSINFORM

Einen der Rekordwagen hat Audi nunmehr neu erschaffen. Das originale Fahrzeug aus den 1930ern existiert nicht mehr und so ist der 4,57 Meter lange Auto Union Lucca ein echtes Neufahrzeug – aufgebaut in drei Jahren nach alten Plänen und Fotos von der britischen Spezialfirma Crosthwaite & Gardiner. Der Lucca war in den turbulenten 30er-Jahren die Antwort von Auto Union – erst 1932 als Fusion von Audi, DKW, Horch und Wanderer entstanden – auf die Rekordfahrten von Rudolf Caracciola. Dieser hatte 1934 neue Bestmarken für Daimler-Benz gesetzt – unter anderem bei fliegendem Start eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 316,592 km/h. Der Auto Union Lucca sollte es schließlich richten, doch die offene Variante schaffte es trotz aller aerodynamischer Kniffe nicht, die Daimler-Rekorde zu toppen.

Auto Union Lucca
Das Auto Union Lucca steht für ständige Modifikation
© PRESSINFORM

Auto Union seztte deshlab nicht nur auf eine geschlossene Kanzel, die Lucca-Karosserie wurde auch fein verschliffen und mit Klarlack überzogen, während die großen Speichenräder mit Verkleidungen bedeckt wurden. Der fünf Liter große 16-Zylindermotor bekam im Winter 1934 eine Hubraumerweiterung auf sechs Liter und einen Kompressor, der die Leistung letztlich von 343 auf 502 PS hochtrieb. 

Doch die Jagd nach neuen Rekorden lahmte, denn sowohl die Testfahrten im ungarischen Gyón als auch südlich von Mailand brachten nicht die gewünschten Erfolge, weil erst Regen und dann Schnee neue Bestmarken unmöglich machten. Bei der Suche nach Sonne und einer geraden Strecke wurden die Späher der Auto Union letztlich fündig. Auf der Straße von Florenz nach Viareggio fand sich ein passendes Teilstück – fünf Kilometer lang, acht Meter breit – zwischen Pescia und Altopascio nahe der Stadt Lucca.

Getriebe des Auto Union Lucca
Im Getriebe des Autos steckt eine Technologie, die ständig verbessert wurde
© PRESSINFORM

Hans Stuck benötigte mehrere Anläufe, weil der 960 Kilogramm schwere Bolide zwischendurch immer wieder leicht modifiziert wurde, um ihn schneller zu machen. Letztlich gelang der neue Rekord über die Meile bei fliegendem Start mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 320,267 km/h. Unabhängige Chronometreure maßen mittels hochmoderner Uhren mit elektrisch auslösender Fotozelle. Zudem zeichneten Messgeräte auf einem Teilstück bei der Rückfahrt eine Höchstgeschwindigkeit von 326,975 km/h auf – damit war der Auto Union mit dem ihm neu verliehenen Namen Lucca der weltweit schnellste Straßenrennwagen. 

Auto Union Lucca
Ein Straßenrennauto im eleganten Stil
© PRESSINFORM

„Mich begeistert, mit welcher Dynamik und Geschwindigkeit man schon damals auf den Wettbewerb reagiert hat, sowohl im technischen Bereich, in der Fahrzeugentwicklung, als auch im organisatorischen: Da schlägt das Wetter um und kurz entschlossen zieht das ganze Team schnell weiter“, sagt Projektleiter Timo Witt. „Ohne diese große Flexibilität und ohne die Kompetenz, sich rasend schnell auf neue Situationen einzustellen, wäre die Rekordfahrt in Lucca letztlich nicht möglich gewesen.“

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos