Aprilia Mana Probier es mal mit Gemütlichkeit


Bislang hat die italienische Motorradschmiede Aprilia viel Wert auf das sportliche Image gelegt. Das neustes Modell namens "Mana" hat nun ein hervorstechendes technisches Merkmal, das genau das Gegenteil von sportlich ausdrückt - ein Automatik-Getriebe, das eher für gemächliche Fahrweise steht.
Von Walter Hasselbring

Schon Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts haben Hersteller wie Suzuki, Moto Guzzi und Honda Maschinen mit Zweigang-Automatik angeboten - allerdings mit dürftigem Erfolg. Für die "NA 850 Mana" wie die Maschine exakt heißt, verwendet Aprilia vor allem bereits vorhandene Teile aus dem Lager des Mutterkonzerns "Piaggio", der vor allem durch seine Motorroller wie die Vespa bekannt ist. So stammt der Motor von der Marke Gilera. Diverse Fahrwerks- und Bremskomponenten werden in anderen Aprilia-Modellen verwendet. Trotzdem ist die" Mana" technisch ein Leckerbissen und wohl auch eine Innovation.

Das Zauberwort heißt Cantiniously Variable Transmission (CVT), ein kontinuierlich verstellbares Getriebe. Wie bei einem Roller läuft ein Keilriemen über Scheiben mit unterschiedlichem Durchmesser. Doch während bei einer Skooter-Automatik das Übersetzungsverhältnis durch Fliehkraftgewichte und die Drehzahl verändert wird, verwendet Aprilia dazu einen Elektromotor. Elektronisch können so auch während der Fahrt drei verschiedene Fahrmodi ausgewählt werden: Regen, Sport und Touring! Im Regenmodus fährt man mit niedrigen Drehzahlen und einer langen Übersetzung während bei der Sporteinstellung höhere Drehzahlen mit kürzerer Übersetzung zusammen gehen.

Gemütliche Gangart

Regen hatten wir bei unseren Testfahrten auf Mallorca nicht zu fürchten, dafür machte der Sportmodus auf den kurvenreichen Strecken im Landesinneren um so mehr einen Heidenspaß. Manchen Mana-Interessenten werden die hohen Drehzahlen aber eher nerven, denn der Käufer dieses Motorrades wird vor allem die gemütliche Gangart schätzen. Und dafür dürfte die Touring-Variante allemal für alle Fahrsituationen ausreichen.

Außerdem hat das 230 Kilogramm schwere Motorrad aus Noale noch einen manuellen Schaltmodus. Wie bei der Formel 1 kann hier per Knopfdruck am Lenker zwischen sieben Übersetzungsstufen hin- und hergeschaltet werden. Anders als die Herren Hamilton, Alonso oder Raikönen kann der Mana-Fahrer diesen Schaltvorgang auch noch wie bei jedem anderen Motorrad mit dem linken Fuß in Gang setzen. Das geht dann so schnell wie bei den Formel 1- Piloten. Zugegeben, vor der ersten Ausfahrt hatten wir so unsere Bedenken, ob das Motorradfahren ohne Kupplungshebel denn wirklich Spaß machen würde. Spätestens nach zehn Minuten haben wir den Hebel nicht mehr vermisst.

Angenehme Gestaltung des Cockpits

Der Zweizylinder V-Motor leistet 76 PS bei 8000 Kurbelwellenumdrehungen. Das maximale Drehmoment von 73 Newtonmetern liegt schon bei 5000 Umdrehungen in der Minute an. Das reicht für eine recht sportliche Fahrweise. Für die bestmögliche Umweltverträglichkeit sorgen eine elektronische Benzineinspritzung und ein serienmäßiger Kat. Das Fahrwerk ist für alle Straßenbeläge bestens abgestimmt. Aprilialike sozusagen! Die 43 Millimeter-Gabel fühlt sich angenehm weich an. Das seitlich angebrachte Federbein ist einstellbar und direkt mit der Aluminiumschwinge verbunden. Diese Lösung lässt einen stabilisierenden Radstand von 1463 Millimetern zu. Allerdings könnte die kompakte Geometrie des Rahmens bei Fahrern ab 1,80 Metern Körpergröße bei längeren Fahrten zu Knieproblemen führen.

Entsprechend unkommod sind für diese Biker auch die Bedienung der Fußbremse - falls man die überhaupt benutzt - und der Fußschaltung. Auffallend angenehm ist die Gestaltung des Cockpits. Alle Funktionen und Fahrmodi sind auf den ersten Blick bestens zu erkennen. Ein Schmankerl zum Schluß: Wie bei einem Roller hat die "Mana" ein Helmfach und zwar da, wo sonst beim Motorrad der Tank untergebracht ist. Der Stauraum ist sogar beleuchtet und hat einen Stromanschluss beispielsweise für das Mobiltelefon oder ein Navigationssystem. Der Tank liegt dafür hinten. Kurzum: Für 8700 Euro liefert Aprilia ein hübsches Spaßgerät mit hoher Alltagstauglichkeit und nützlichen Innovationen.


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