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Automobilindustrie: Durch Misstrauen in die Qualitätskrise

Geprägt von gegenseitigem Misstrauen stecken Automobilindustrie und Zulieferbranche in einer tiefen Beziehungskrise.

Dass das Gütesiegel "Made in Germany" im Autobau stark an Strahlkraft verloren hat, wie jüngst Untersuchungen des ADAC und ein großer Qualitätsreport von Autobild bestätigt haben, hat eine einfache Ursache: Geprägt von gegenseitigem Misstrauen stecken Automobilindustrie und Zulieferbranche in einer tiefen Beziehungskrise.

Das ist das erschreckende Ergebnis einer Studie, die das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zusammen mit der Münchener Beratungsfirma Promind durchgeführt hat. Ziel der Untersuchung war es, die Effizienz in der Entwicklung auszuloten.

40 Interviews

Dazu wurden 40 ausführliche Interviews mit Vorständen, Geschäftsführern und Bereichsleitern geführt, die ungewöhnlich offen Auskunft gaben. Insbesondere Manager der Zulieferer beklagten, dass viele Autohersteller bei der Vergabe von Aufträgen die Entwicklungsziele absichtlich spät oder unscharf formulieren. So wollten sie sich eine Hintertür aufhalten, um Nachbesserungen leichter durchsetzen zu können wie auch den Partner gefügig zu halten. Ein kooperatives Miteinander gebe es fast nicht.

Anstieg der Rückrufaktionen

Stattdessen regiere Misstrauen und einige Hersteller würden die Zulieferer auch bewusst gegeneinander ausspielen. Obendrein bemängelten die Interviewten fast einhellig unklar verteilte Aufgaben, zu wenig eindeutige Kompetenzen und mangelhafte Abstimmungen, was auf Kosten der Qualität geht. Ein Indikator dafür sind die Rückrufaktionen. Davon gab es 1993 nur 35, 1996 waren es 62, 2000 bereits 94, 2001 stieg die Zahl auf 113 und 2002 wurde die neue Rekordmarke von 127 erreicht.

Eitelkeit, überzogener Ehrgeiz und Egoismen führen zu enormen Reibungsverlusten. Auch in puncto Mitarbeiterförderung sieht es düster aus. Zwar ist in vielen Unternehmensprofilen davon die Rede, dass Mitarbeiter das wichtigste Kapital sind, doch praktiziert wird das nicht.

Lippenbekenntnisse

Oft, so ergab die Befragung, sind das nur Lippenbekenntnisse. Zumeist könnten die Mitarbeiter ihre Potenziale nicht entfalten. Und der Jugendwahn vergangener Jahre hat nach der Studie dazu geführt, dass wichtiges Knowhow fehlt. Im Zuge von großzügigen Vorruhestandsregelungen habe man sich fahrlässig von älteren und erfahrenen Mitarbeitern getrennt, deren Wissen heute teuer gekauft werden müsse.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.