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Black Box im Auto: Big Brother fährt mit

Verkehrspolitiker fordern den Einbau einer Black Box im Auto. Doch Unfälle werden damit nicht verhindert, dafür gedeiht der Überwachungsstaat.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Für den Verkehrssicherheitsexperten der Union, Gero Storjohann (CDU), ist die Black Box im Auto ein "weiterer Baustein für mehr Verkehrssicherheit". Vermutlich weiß der Experte nicht, was derartige Fahrtenschreiber überhaupt leisten können. Anders als ein Airbag oder auch ein Auffahrwarner verhindert oder mildert die Black Box keinen Unfall - sie kann nur helfen, die Schuldfrage zu klären. Die klassische Black Box ist blind, sie merkt nicht, was um das Auto herum geschieht, sei weiß auch nicht, wo sich der Wagen befindet, sie protokolliert nur genauestens, was das Auto macht. Sie hält fest, wie stark beschleunigt wird, wann gebremst wird, oder ob Licht oder Blinker eingeschaltet sind.

Verhindert keine Unfälle

Die Black Box ist also kein Lebensretter. Zur Verkehrssicherheit trägt sie nur indirekt bei. Die Befürworter denken da über Bande: Wenn alle Daten aufgezeichnet werden, würden Autofahrer sich strikt an Verkehrsregeln und Tempolimits halten, weil sie ja wüssten, dass nach einem Unfall die echte Geschwindigkeit ausgelesen wird. So in etwa lautet die Argumentation, sie trifft bloß nicht zu. Richtig ist, dass eine Black Box in Dienstfahrzeugen die Disziplin erhöht. Dort liest allerdings auch der Vorgesetzte jeden Monat die Daten aus und darf erkennbare Temposünden nicht tolerieren. Fahrer, die in der Stadt Tempo 70 erreichen, werden zum Gespräch gebeten. Im Wiederholungsfall drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Das wirkt.

Viel Geld für wenig Nutzen

Beim privaten Autofahrer werden die Sünden nur im Falle eines Unfalls offenbar. Echte Versehen - etwa wenn ein abbiegender Autofahrer einen entgegenkommenden Motorradfahrer übersieht - kann man so nicht verhindern, und riskantes Fahren wird auch heute schon entlarvt. Jeder weiß: Sobald es kracht, kommen Sünden wie Alkoholpegel und überhöhte Geschwindigkeit ans Licht. Leider verdrängen viele diese Konsequenzen, das werden sie auch bei einer Black Box. Sie macht nur das Verfahren etwas einfacher, weil sie die Geschwindigkeit einfach ausspuckt und kein Gutachter sie aus dem Schadensbild berrechnen muss. Dafür müssen Einbau und Wartung des Systems aber in allen Fahrzeugen bezahlt werden. Bei massenhafter Verbreitung ist ein Preis von etwa 500 Euro realistisch, die derzeitigen Kosten liegen bei 1000 Euro. Für die Hersteller der Boxen ist das ein Bombengeschäft, aber nicht für die Autofahrer. Denn für das gleiche Geld könnten sie auch mehr echte Sicherheit bekommen.

Ohne Kamera sinnlos

Der Preis für die Überwachungsbox entspricht dem eines ESP-Systems, dieser Schleuderverhinderer rettet allerdings Leben, denn er erhöht die Sicherheit in kritischen Situationen. Ähnliches könnte auch ein automatischer Bremsassistent leisten, der Hindernisse erkennt und eine Kollision vermeidet. Im Luftverkehr, wo eine Black Box Standard ist, geschehen die meisten Unfälle wegen technischer Defekte oder wegen Fehlbedienungen des Personals. Im Straßenverkehr sind Unfälle wegen technischer Probleme selten und lassen sich am Wrack rekonstruieren, das anders als ein abgestürztes Flugzeug nicht in Einzelteilen über Quadratkilometer zerstreut wird. Vor allem aber fliegt ein Auto nicht allein in der Luft herum, sondern bewegt sich im Straßenverkehr.

Dieses Durcheinander von Wegen, Zeichen, Autos, Fußgängern und Radfahrern erfasst ein blinder Datenschreiber nicht. Die Frage etwa, ob der Radler oder das Auto die Ampel bei Grün überquert hat, wird die Box nicht beantworten können. Die strittigen Fragen im Straßenverkehr könnte sie nur klären, wenn sie mit Kameras ausgerüstet wird. Erst dann macht die Box Sinn. Technisch wäre das möglich, nur würden die Autos dann die Totalüberwachung entlang des öffentlichen Straßennetzes übernehmen.

Zwang zur Selbstüberwachung

Bei der Black Box geht es nicht um Unfallvermeidung, sondern um Überwachung. Ist das Gerät erst einmal installiert, werden die Daten auch ausgewertet und zwar nicht allein zum Zweck der Unfallrekonstruktion. Die Staatsanwaltschaft wird für ihre Ermittlungen in Zukunft diese Datenschreiber beschlagnahmen. Schon heute verraten Smartphones und Computer den Ermittlern mehr über ihre Benutzer, als denen lieb ist.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zur Black Box: Jeder hat das Recht, seine Daten auf Smartphone oder Rechner zu löschen, oder die Geräte auch mal nicht einzuschalten. Wenn nichts protokolliert oder alles verschlüsselt wird, kann später auch nichts ausgewertet werden. Genau das wäre bei einer Black Box nicht möglich. Durch den gesetzlichen Einbau- und Einschaltzwang würde der Überwachungsstaat eine ganz neue Dimension erreichen.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.