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Erdgas-Turbos: Sparen mit dem German Gasfuß

Mit Erdgasautos spart man an der Tankstelle, doch sie sind ziemlich lahme Gesellen. VW und Opel setzen nun auf turbogeladene Motoren mit Erdgasantrieb und Benzinreserve. Außerdem steht der Autogas-Golf in den Startlöchern.

150 PS und Tempo 200 – das klingt nicht unbedingt nach einem Öko-Auto. Doch der Opel Zafira 1.6 CNG Turbo fährt mit Erdgas und braucht laut Hersteller davon im Schnitt nur 5,3 Kilogramm auf 100 Kilometer. Bei den aktuellen Erdgaspreisen von knapp einem Euro pro Kilogramm entstehen somit rund 5,30 Euro Treibstoffkosten. Der neue Turbomotor dürfte den Rüsselsheimer deutlich agiler machen als den Zafira 1.6 CNG ecoFLEX mit seinen 94 PS. Im reinen Gasbetrieb kommt der Familienvan etwa 370 Kilometer weit, ein 14 Liter großer Benzintank erhöht die Reichweite um 150 Kilometer. Die vier Unterflur-Erdgastanks schränken das Kofferraumvolumen nicht ein. Der Zafira bietet bis zu sieben Sitzplätze und hat bei umgelegten Rücksitzen ein maximales Kofferraumvolumen von 1820 Litern. Anfang 2009 soll Opels Erdgas-Turbo beim Händler stehen.

Auch Volkswagen weitet seine Erdgas-Palette aus. Nach Caddy und Touran EcoFuel ist im Frühjahr 2009 Wolfsburgs Familienkutsche Passat an der Reihe. Der Passat TSI EcoFuel verbindet wie der Zafira Erdgasantrieb mit Turboaufladung und leistet 110 kW (150 PS). In Verbindung mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe soll der Passat 4,38 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer verbrauchen, das entspricht Treibstoffkosten von ungefähr 4,30 Euro. Der 160 PS starke TSI-Benziner (Durchschnittsverbrauch 7,6 Liter pro 100 Kilometer) käme beim aktuellen Spritpreis (rund 1,15 Euro pro Liter Super) auf Kosten von 8,74 Euro pro 100 Kilometer.

VWs Erdgas-Turbo erfüllt die Abgasnorm Euro-5, entwickelt ab 1500 Touren ein maximales Drehmoment von 220 Newtonmetern und beschleunigt den Passat in 9,7 Sekunden von 0 auf 100 Km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 210 Km/h erreicht. Der Gasantrieb ist monovalent: Neben den 22 Kilogramm fassenden Gastanks unter dem Fahrzeugboden dient der 31 Liter große Benzintank als Reserve. Ein manuelles Umschalten zwischen Gas- und Benzinbetrieb sei nicht vorgesehen, sagt VW. Bei Mercedes lässt man dem Fahrer dagegen die Wahl – der B170 NGT behält dank der Unterflur-Gastanks seinen kompletten Benzintank und lässt sich als bivalentes Fahrzeug jederzeit zwischen Gas- und Benzinbetrieb umschalten. Mit beiden Tanks hat der Passat TSI EcoFuel laut VW eine Reichweite von 900 Kilometern, 500 davon mit Erdgas.

Weil Erdgas auf vielen Märkten keine große Rolle spielt, beschnuppert VW auch das Thema Flüssiggas. Der Golf BiFuel läuft entweder mit Benzin oder Autogas (LPG), der Fahrer kann per Knopfdruck zwischen beiden Energiequellen umschalten. Der Tank findet in der Reserveradmulde Platz (41 Liter Nutzvolumen, Speicherdruck 8 bis 10 bar). Zusammen mit dem 55 Liter fassenden Benzintank soll der Gas-Golf eine Reichweite von mehr als 1100 Kilometern ermöglichen. Was der Wagen kosten wird, hat VW noch nicht bekannt gegeben – spricht aber vom „Preis einer Nachrüstlösung“. Das würde einen Aufpreis von 1500 bis 2500 Euro nahe legen.

Fieser Crash beim Driften

Die Wolfsburger wollen mit dem neuen Modell offenbar den zahlreichen Autogas-Umrüstern die Butter vom Brot nehmen: „Anders als Nachrüstlösungen ist der Wagen samt Gastanks crasherprobt. Zweitens wurde der Motor speziell für den LPG-Betrieb ausgelegt und ist somit standfester als ursprünglich nur als Benziner abgestimmte Otto-Motoren“, behauptet Volkswagen in einer Pressemitteilung. Im Gas-Betrieb leiste der 1,6-Liter-Vierzylinder des Golf BiFuel 72 kW (98 PS) und verbrauche durchschnittlich 9,2 Liter LPG auf 100 Kilometer. Beim derzeitigen Autogas-Literpreis in Deutschland (rund 68 Cent) würden sich die Treibstoffkosten damit auf etwa 6,25 Euro pro 100 Kilometer belaufen. Im Benzin-Betrieb schluckt der Wagen laut Werksangabe im Schnitt 7,1 Liter Super. Beim aktuellen Benzinpreis (rund 1,15 Euro pro Liter) müsste man also mit Treibstoffkosten von etwa 8,17 Euro pro 100 Kilometer rechnen.

Sebastian Viehmann, Press-Inform
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