HOME

G20-Gipfel: Der Wagen wurde abgefackelt - wer zahlt den Schaden?

Bei Großdemonstrationen wie jetzt in Hamburg ist der Teufel los. Besonders gern werden Fahrzeuge angesteckt. Doch wer zahlt den Schaden. Was Autobesitzer wissen sollen.

Immer mehr parkende Wagen werden auf der Straße mutwillig angesteckt und brennen aus. Was bedeutet das für die Eigentümer? Rechtlich ist in erster Linie der Verursacher haftbar, doch der dürfte gerade bei gewalttätigen Ausschreitungen wie jetzt im Rahmen des G20-Gipfels in   kaum zu ermitteln sein. Und falls man doch einen Brandstifter findet, ist es eher unwahrscheinlich, dass er über die Mittel verfügt, den angerichteten Schaden zu begleichen.

Auch wenn der Staat zum G20-Treffen eingeladen hat, kommt er nicht für Schäden auf, die mit dem Gipfel zusammenhängen. Eine Schadensrechnung an die Bundeskanzlerin ist aussichtslos.

Versicherung hilft

Für die Fahrzeughalter gibt es einen Lichtblick: In aller Regel zahlt die Kasko-Versicherung des Fahrzeugs. "Eine Teilkaskoversicherung übernimmt in der Regel den Schaden am eigenen ", sagt Christoph Röttger von der R+V Versicherung: "Das gilt auch dann, wenn der Wagen völlig ausbrennt und zu einem Totalschaden wird."

Eine Sondersituation sind Kriege und bürgerkriegsähnliche Zustände – aber so etwas liegt auch bei der gewalttätigsten Demonstration nicht vor. Im Prinzip deckt die Teilkasko-Versicherung keine Vandalismusschäden ab, in der Praxis versuchen die Versicherungen aber nicht, sich damit herauszureden. Die Versicherung hält dem Halter auch keine mangelnde Sorgfalt vor - etwa weil er seinen neuen BMW ausgerechnet am G20-Wochenende in der Hamburger Schanze abgestellt hat. Probleme kann es nur bei Fällen von grober Fahrlässigkeit geben. Wenn man zum Beispiel mit seinem die Absperrung durchbricht und dann zu Schaden kommt.

Beim G20-Gipfel brennen in Hamburg die Fahrzeuge.

Beim G20-Gipfel brennen in Hamburg die Fahrzeuge.

Schutz nur durch Kasko-Versicherung

Wichtig ist allerdings, dass für das Fahrzeug eine Teil- oder Vollkasko-Versicherung abgeschlossen wurde. Das ist bei 85 Prozent der Fahrzeuge der Fall. Vorgeschrieben sind diese Policen jedoch nicht, das Gesetz sieht nur vor, dass eine Kfz-Haftpflichtversicherung besteht. Sie deckt nur die Schäden von Dritten ab, die das versicherte Auto anrichtet. Gerade bei alten Wagen von geringem Wert wird häufig auf die Teilkasko verzichtet, weil der Beitrag im Verhältnis zum geringen Wert des Fahrzeugs doch spürbar ist.

Die Kasko-Versicherung umfasst nicht die Schäden an Dingen, die im Auto lagern. Ebenso muss man eine vereinbarte Selbstbeteiligung berücksichtigen. Erstattet wird der in aller Regel der sogenannte Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs, also der aktuelle Marktwert. mit Premium-Bedingungen zahlen bei jungen Gebrauchten sogar den Neuwert.

Vollkasko zahlt - fast - immer

Die günstigere Teilkasko-Versicherung deckt allerdings nur ein paar genau definierte Schadensfälle ab, die teure Vollkasko springt fast immer ein. Kompliziert wird es mit der Teilkasko bereits, wenn das Fahrzeug selbst nicht brennt, sondern nur durch die Hitzeentwicklung eines benachbarten Brandes in Mitleidenschaft gezogen wird. Schmor- und Sengschäden deckt eine Teilkaskoversicherung nicht ab, hier müsste es schon eine teure Vollkaskoversicherung sein. Außer bei Glasbruch springt die Teilkasko auch nicht bei anderen Demo-Schäden ein. Wenn der Wagen zerkratzt, verbeult oder geschmiert wird, hilft nur die Vollkasko. 

Fazit: Echte Brandschäden dürfte die Teilkasko regulieren - nur die 15 Prozent ohne Kasko-Versicherung müssen den Schaden selbst begleichen. Bei fast allen anderen Demo-Schäden hilft nur eine Vollkasko-Police, darum entscheiden sich auch etwa 54 Prozent der Eigentümer für die teurere Variante. 

Wissenscommunity