Hyundai Aufholjagd im Fußballfieber


Mit dem i30 hat Hyundai den Frontalangriff auf die Golf-Klasse gestartet. Jetzt soll sich der i10 weltweit ein dickes Stück vom Kleinwagen-Kuchen abschneiden. Wir sprachen mit dem Hyundai Deutschland-Chef Werner H. Frey und mit Thomas Gehrlich, Leiter der Hyundai-Motorenentwicklung in Europa.

2007 war für die Autohersteller ein schwieriges Jahr – auch für Hyundai?

Werner H. Frey: Wir haben unser Volumen in den letzten acht Jahren verdreifacht. 2007 war der Automobilmarkt in Deutschland generell schwierig, und so haben auch wir einen kleinen Rückschritt erlebt, die Verkaufszahlen sind leicht zurückgegangen. Die Situation war auch deshalb schwierig, weil rund 90% unserer Kunden private Käufer sind und der Anteil dieser am Gesamtmarkt um rund 30 % gesunken ist. Unser Ziel ist es, in 2008 wieder über die 50.000er Marke zu kommen.

Welche Modelle sind dabei die wichtigsten?

Werner H. Frey: Eine große Rolle wird der neue Kleinwagen i10 spielen, wir wollen 2008 in Deutschland 8000 Einheiten verkaufen. Wichtiger sind aber der Getz und der Tucson, wobei der Tucson als meist verkaufter Hyundai noch 2008 vom i30 abgelöst werden wird. Wir wollen unsere Marktstellung weiter ausbauen, auch wenn es eine massive Konkurrenz durch die zahlreichen Mitbewerber gibt.

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, wird das Image immer wichtiger. Suzuki hat Erfolg mit dem Sponsoring von Rallye- und Sport-Events. Hyundai/Kia war Hauptsponsor der Fußball-WM 2006. Gibt es eine Verlängerung?

Werner H. Frey: Die FIFA WM 2006 hat uns sehr geholfen, unsere Marken- und Produktbekanntheit zu steigern, und wir bauen weiter darauf. Wir haben mit der FIFA eine Sponsorenvereinbarung bis zum Jahr 2014 geschlossen und sind in diesem Jahr wieder mitten im Geschehen bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz. Beim Fußball wird Höchstleistung gezeigt, und das wollen wir mit der Marke Hyundai assoziieren.

Was ist von Hyundai im Bereich Motoren und Getriebe zu erwarten? Downsizing und Benzindirekteinspritzung sind in aller Munde, VW kann sich vor der Nachfrage nach dem Doppelkupplungsgetriebe kaum retten und Daihatsu bringt den Cuore mit Start-Stopp-Automatik.

Thomas Gehrlich: Unsere mittelfristige Strategie umfasst Motoren mit geringer Reibleistung und die Kombination Downsizing plus Turboaufladung. Dabei reden wir auch von Motoren mit weniger als 1,4 Litern Hubraum. Für mittlere Motorisierungen wird es ein Doppelkupplungsgetriebe geben. In Sachen Benzindirekteinspritzung ist bei kleinen Motoren noch kein Durchbruch in Sicht. Doch wir werden eine Start-Stopp-Automatik anbieten, zunächst im C-Segment, später auch im i10.

Der i10 soll auch in den Schwellenländern für Umsatz sorgen. Welche Bedeutung hat Indien für Hyundai?

Werner H. Frey: Wir haben den i10 in Indien schon rund 20.000-mal verkauft. In unseren beiden indischen Werken rollen pro Jahr 630.000 Autos vom Band. Indien wird in Zukunft der Dreh- und Angelpunkt für Kleinwagen sein.

Warum gibt es dann kein Billigauto von Hyundai - wie den Tata Nano?

Werner H. Frey: Wir haben keine Bestrebung nach einem Nano-Konkurrenten. Die Nachfrage nach unseren Produkten auf dem indischen Markt ist schon jetzt sehr groß. Man kann die Situation in gewisser Weise mit der Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichen: Immer mehr Leute steigen vom Zweirad aufs Auto um. Es muss aber auch in die Infrastruktur investiert werden, sonst erlebt Indien irgendwann den Verkehrs-Infarkt.

Sebastian Viehmann, press-inform


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