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IAA-Eröffnung: Hoffen auf das Stromwunder

Die Superbatterie hat keiner, Stromerzeugung ist nicht klimaneutral. Elektroautos spielen dennoch die Rolle auf der IAA. Ideen, wie die Industrie zügig aus der Krise fahren will, sucht man jedoch vergebens.

Von Gernot Kramper

Die IAA begann mit einem großen Tamtam, veranstaltet nur von einem einzigen, dem Volkswagenkonzern. Der Autogigant macht die eigene Messe vor der Messe. Die große Zeit der öffentlichen Automessen geht dem Ende zu, auch ohne Krise. In einem Fahrzeug stecken Jahre der Arbeit. Manchmal hängt eine ganze Firma von einem Modell ab, wie Opel vom Erfolg des Astra. Auf der IAA werden die Neuigkeiten im 15-Minuten-Takt durchgepaukt. Anstatt sein Glück im Messegewühl mit allen Mitbewerbern zu suchen, wird daher immer mehr vorweg publik gemacht. Sei es bei exklusiven Einzelterminen oder einem eigenen Showroom direkt vor der Messe. Ergebnis: Unter den weißen Tüchern in der Messehalle stehen dann alte Bekannte.

Die IAA 2009 steht unter dem Motto "Erleben, was bewegt". 100 Weltpremieren wollen die Hersteller auf der größten Autoschau der Welt präsentieren. Dabei fällt die 63. IAA kleiner aus als sonst. 781 Aussteller aus 30 Ländern haben sich angemeldet, fast 28 Prozent weniger als 2007. Die Zahl der Hersteller liegt 7 Prozent niedriger bei 62 Firmen. Die Ausstellungsfläche schrumpft auf etwa 190.000 Quadratmeter, rund 15 Prozent weniger als bei der letzten IAA.

Das ist schlecht für die Veranstalter. Von der IAA 2010 geht kein echter Zukunftsimpuls aus. Vor zwei Jahren war alles in Frankfurt öko und ganz viel hybrid. Damals wurden die Wände weiß und grün angespinselt. Eine wirkliche Wende gab es trotzdem nicht. Die ersten Hybridmodelle deutscher Hersteller gibt es erst seit kurzem zu kaufen. Natürlich im obersten Preissegment, im Massenmarkt herrscht immer noch Fehlanzeige.

Im Jahr 2009 soll nun alles elektrisch werden. Neu ist das nicht. Über einen Wagen wie den Opel Ampera berichtet man seit Jahren. Die Augen dürfen bei Ausgeburten wie der BMW Vision Efficient Dynamcs oder dem Elektroantrieb für den Mercedes SLS glänzen. Schöne Millionärsträume, die viel über den Eskapismus der Autobauer aussagen, aber wenig über ihre Kompetenz, die Probleme von morgen für normale Menschen zu lösen.

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Was sich in der Wirklichkeit bewegt, sind Arbeiten am Detail. Das harte Feilen an Lösungen optimiert den CO2-Austoß merklich. Ob es sich um das Downsizing der Motoren handelt, Fiats Verzicht auf eine "richtige" Nockenwelle, das ewige Schleifen am Luftwiderstand oder nur um effizientere Klimaanlagen. "Es gibt heute 100 Modelle, die es auf einen Benzinverbrauch von weniger als fünf Liter pro 100 Kilometer bringen“, sagte der Chef des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, stolz. Das sind weniger als 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Das ist gut und ehrenwert, aber was fehlt, ist ein großer Wurf.

Das reine Elektroauto wird es in Europa auf absehbare Zeit nicht sein. Die Ansprüche hierzulande an ein Auto sind zu groß, was Leistung, Reichweite, Bequemlichkeit und Sicherheit angeht, als dass man sie mit der zur Verfügung stehenden Batterietechnik lösen könnte. In Ländern, in denen die Menschen vom Moped auf ein Kfz umsteigen wollen, sind die Ansprüche sicher niedriger.

Es fehlt nicht nur an der Vision, es fehlt auch an der Kraft der Industrie. Natürlich gibt es auch dieses Jahr PS-Monster, vor denen die Besuchermassen staunen dürfen. Aber viele Hersteller haben ihre Stände verkleinert oder kommen erst gar nicht. Darunter befinden sich Autobauer wie Nissan, Honda oder Mitsubishi. Auch beim Rahmenprogramm haut niemand wirklich auf die Pauke. Zur Messe werden über 100.000 Autofans pilgern, ihnen sollte mehr geboten werden als auf der heimischen Automeile.

Ein "Darwin-Jahr" sagte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche im Januar voraus. Eine Zeit, die nur die Stärksten überleben werden und in der viele andere zugrunde gehen. Ganz so ist es bislang nicht gekommen. Weltweit wurde die freie Wildbahn des Wettbewerbs für die Autoindustrie in Streichelzoos unter Regierungsobhut verwandelt. Die behütende Hand des Staates und des Steuerzahlers schützt aber nur vorübergehend, daher herrscht Krisenlähmung statt Aufbruchstimmung.

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